Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 5 (26.1.1852)
- Date
- 1852-01-26
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
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54 eine Menge dieser Inschriften mit Kreuzen verbunden Ist. Die Kreuze find so gestaltet, daß fie nicht zufällig oder bedeutungslos sein können, z. B. Y, f, k. Schon Robinson erhob eine Menge von Fragen, diesen Anfichten gegenüber, da es nicht einmal evident ist, daß es irgend eine eingeborne christliche Bevölkerung auf oder nahe bei der finaitischen Halbinsel in den ersten Jahrhunderten gegeben hat, vielmehr das Gegentheil, und daß es bei den Voraussetzungen Veer'S schwerlich erklärlich ist, wie schon 530 alle Kenntniß dieser Sprache und Schristzüge verloren gegangen war. Nun der Aufsatz in dem Mag. f. Lit. d. Ausl. Das Thal der Inschriften am Sinai. Der gelehrte Professor Beer in Leipzig veröffentlichte im Jahre 1840 eine Auswahl von 100 Inschriften und stelltedie Muthmaßung auf, daß fie das Werk christlicher Pilger von arabischer Abkunft, von der Sekte der Nabathäer wären, welche dieselben dort bei ihrem Durchzuge im vierten Jahrhundert ausgehauen hätten. Er stützte diese Hypothese auf die einzige Thatsache, daß man unter den Schriftzeichen im Thale der Inschriften auf die Abbildung des Kreuzes stoße. Die Unhaltbarkeit dieser Meinung ergiebt stch daraus, daß man auf den ältesten Denkmälern Egyptens dieselben Kreuze, welche eine Darstellung des Buchstaben „Tau" find, in verschiedenen Gestalten findet. Auch ist es nicht denkbar, daß eine solche Unzahl von Schriftzeichen, die zu ihrer Anfertigung ausdauernde Arbeit und Gerüste erforderten, von Pilgern" während der Ruhetage der Karawanen gefertigt sein sollten. Sie müssen nothwendig das Werk eines Volks sein, welches längere Zeit diese Einöden bewohnte und die Denkmäler seines Daseins in den Granit eingrub, um spateren Jahrhunderten Kenntniß von seinen Thaten und Erlebnissen zu geben. Einem berühmten englischen Orientalisten, der zugleich ein ausgezeichneter Geistlicher der anglikanischen Kirche ist, Herrn Charles Förster, ist es gelungen, den Schlüssel zu dem Geheimniß zu finden und die vorzüglichsten Inschriften zu entziffern. Sein Werk, daS vor Kurzem erschienen, hat den Titel: „Die Stimmen Israels auf den Felsen deö Sinai", und liefert eine schlagende Bestätigung der alten Tradition, welche- Cosmas im sechsten Jahrhundert ausgezeichnet hat. Englische Seeoffiziere hatten eine Inschrift, welche stch auf einem Marmorblock auf der Küste Hadramant, nahe bei Aden, am Fuße eines steilen Hügels, , auf dessen Höhst stch die. Ruinen einer alten Festung befinden und welche mit fester Hand eingegraben ist, abgeschrieben. Diese Inschrift ist auf Befehl Abderrhaman's, des VizekönigS von Pemen, unter der Regierung Movviah'S, des ersten Chalifen aus dem Geschlechte der Ommiaden, in gewöhnliches Arabisch übertragen worden und diese Uebersetzuyg ist in Novairi'S historische Geographie ausgenommen worden. Die Inschriften von Hadramant enthalten zwei kurze Dichtungen, deren Stil und Inhalt an das Buch Hiob'S erinnert. Förstern überraschte die Ähnlichkeit, welche die Schriftzeichen dieser Inschriften mit denen im Thale des Sinai haben und er verfertigte aus den Ersteren ein Alphabet und ein Wörterbuch dieser Sprache. Bei weiterer Forschung überzeugte fich Förster, daß die Inschriften des Thales in ihrer Gestaltung an gewisse hebräische, arabische und griechische Buchstaben erinnerten. Als Grundlage nahm er die Regel an, daß Buchstaben von derselben Form gleiche Bedeutung haben und gelangt^ so dahin, die meisten Inschriften des Sinai zu entziffern. Nach langem und beharrlichem Studium kam er zu dem Schluffe, daß die Inschriften des Sinai in der Sprache geschrieben wurden, welche die Hebräer während ihres dreihundertjährigen Aufenthaltes in Egypten erlernten und welche die Volkssprache der Egypter war, die sich von der heiligen Sprache der Hieroglyphen unterschied. Während der ersten Jahre seines Aufenthaltes in Sin zeichnete das israelitische Volk die denkwürdigsten Ereignisse, auf, welche fich seit seinem AuSzuge auS Egypten zugetragen hatten. ES -wurden diese Annalen von ihnen auf den Granit geschrieben, bevor noch der Gesetzgeber der Hebräet die Ereignisse seines Volks im Pentateuch der Nachwelt überlieferte. Das Volk bediente stch dabei der Sprache, die es vor seiner Befreiung redete, so wie der Schriftzeichen des egyptischen Idioms. Das Thal der Inschriften bestätigt also durch sein unwandelbares Zcugniß die Wahrheit der biblischen Erzählungen und liefert einunumstößlichen Beweis für die Echtheit der heiligen Bücher. Die erste durch Förster entzifferte Inschrift bezieht sich auf das Wunder der Verwandelung der bitteren Gewässer in süße, Exodus 15 und 16 und auf das Murren, welches bei dieser Gelegenheit das israelitische Volk laut werden. ließ. Sie enthält fünf Zeilen, zwischen der ersten und zweiten Linie bemerkt man die Abbildung eines fließenden Wassersunter der dritten steht die Abbildung eines Esels. Die Uebersetzung lautet: