Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 4 (19.1.1852)
- Date
- 1852-01-19
- Page
- Seite 45 (sequence 9)
- Language
- German
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45 - . - ■■■■'■ s. ''■■■ ■ : Ein Testament — und Söffet? — Er war mit König Friedrichs Macht Gezogen in die Präger Schlacht, Und hatte nicht geschrieben. Ober gesund geblieben. Bürger. Bevor ich aber meinen Jossel auftreten lassen und seine Laufbahn beschreiben will, muß ich die des Schusters zu Ende führen. Es ist hier zu bemerken, daß dieser freilich nun die Erlaubnkß, sein Handwerk in der Stadt Sammetloch zn betreiben, auf geradem und ungeradem Wege erlangt hatte, aber keineswegs durfte ihm als Jude das volle Meisterrecht ertheklt werden; er wurde vielmehr Freimeister, d. h. er konnte für seine Person so viel ^besten, als er wollte und konnte, aber Gesellen durfte er nicht setzen. Das kümmerte ihn aber-nicht, er legte sich bald auf —- Spekulation. In der Nähe lag ja die berühmte UniverfitätS- Und Handelsstadt H. Hier war zugleich das Regiment seines Fürsten in Garnison. Nach , einiger Zeit trat er wieder vor die Durchlaucht, die ihn, wie späterhin öfters, mit dun gnädigen Ausruf: „da ist ja mein Judenschuster aus Sammetloch!", empfing, und wußte eS durchzusetzen, daß ihm alle abgetragenen Schuhe des Regiments für ein Billiges überlassen wurden; dieses abgerissene und durchlöcherte Kommißgut restaurirte er mit Fleiß und Ausdauer, seine mächtigen Hände schrenkten sich Tag und Nacht um die zerschlissene Fußbekleidung der Krieger von Hohenfriedberg und Keffelsvorf; in verjüngter Gestalt hervorgehend, wurde fie ein wohlfeiles , MontirnngSstück für die Bauerknechte und Bergleute der Umgegend. JoffelS Vater fand feine Rechnung dabei. Er erwarb Geld, er konnte armen Mitmeistern m it Gesellen zuthun geben, kürz „der Mann ward immer größer und größer bis er sehr großwar". —So breitete sich eine angenehme Behaglichkeit um' ihn her' bis das Unglück wieder kam und zwar diesmal recht eigentlich als „gewappneter Mann". Eine Schaar Kroaten fiel im siebenjährigen Kriege in das Städtlein ein und plünderte und raubte. Der alte Jossel war gerade mit seinem Weibe und seinen Kindern im Tempel zur SabbatSftier und als sie nach Hause kamen, da war der größte Theil seiner Hübe schon die Beute der wilden Horde. Kisten waren anfgebrochen und das schöne Leinenzeug fortgenommen, Schränke gesprengt und silbernes Geräth und Geld entwendet, der ganze Vorrath von Schuhen und Stiefeln war weggrtrage«> selbst die Hausgeräthe halten die Wüth der Krieger von der Donau erleiden müssen und lagen zertrümmert umher. Das Weib heulte jämmerlich und zerriß sich das Haar. Der Schuster aber rannte stillschweigend und ruhig eine Treppe und noch eine nach dem obersten Boden-hinauf, öffnete eine geheime Truhe in der er einen Nothpfennig sehr heimlich bewahrte, kam freudig wieder herunter und zahlte seiner Frau zehn feine Gulden vor. „Da, Kleinmüthige," sagte er, „sind die zehn Gulden, die Du mir als Morgengabe und Aussteuer brachtest, als wir uns in Prag verehelichten, und da find noch vier, mit denen wir hier ansiNgen, he, he, das Deine ist gerettet, nun verzweifle Du an Gott, ich nicht. Hier steht noch das Haus, das wir nicht mitgebracht haben, hier find noch Betten, auf denen wir und die Kinder schlafen können , hier ist noch der. Stab, mit dem ich über den Jordan geschritten, hier sind noch die gesunden Arme, die das Pferd des Fürsten gebändigt und Regimentsschuhe sticken können. Hörst Du aber nicht auf zu schreien und zu weinen, so laufe ich den Kroaten nach." DaS Letztere war freilich ein argumentum ad hominem, dem *sich die Frau ünterwerftn mußte. Aber der sauer erworbene Wohlstand des Braven war doch zertrümmert und Alles ging den Krebsgang, nur nicht das unerschütterliche Vertrauen. deS Mannes. Der Fürst war bald nach seinem letzten Siege gestorben, das Regiment stand im Kriege und legte seine Schuhe auf blutigen Schlachtfeldern und beschwerlichen Märschen ab, der Krieg und die falschen preußischen Groschen machten die Umgegend verarmen, das Weib verzehrte der Gram, und ste starb. Der Schuster — eingedenk des talmudifchen Satzes, daß man durch' baldige Wiederverheirathung nach den: Tode der Frau diese im Grabe ehrte, indem Man hierdurch" däs genossene Glück der Ehe beweise, — heirathete zwar wieder, eine junge, rüstige, aber er wurde bestraft, daß er nicht die andere talmüdische Vorschrift befolgte, welche abrathet — feine Magd zu. heirathen, denn das hatte der Wittwer gethan. Sie war aber eine böse, zänkische Dame; jüdische Lantippen sind um so lästiger, da das ängstliche und minutiöse Zeremoniell des Hauses zu gar vielen Streitigkeiten Anlaß giebt, und sie daher — stets zu zanken haben, während die heidnischen es nur bei seltenen Ergüssen — man denke an jenen Erguß eines gewissen.Geschirres, den der weise Sokrates von der Erzmutter dieses Namens zu erdulden hatte — die christlichen beim gezogenen Besenstiel bewenden lassen. Hannerle wurde verheirathet und bekam viele Nachkommen, Söhne und Töchter, aber der Mann war rin Gelehrter und verstand weder zu handeln 4*