Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 4 (19.1.1852)
- Date
- 1852-01-19
- Page
- Seite 44 (sequence 8)
- Language
- German
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44 ihn auf ein solches Willkommen vorbereitet und er war^ überhaupt der Mann nicht, der leicht in Furcht gesetzt^ werden konnte, brachte in^ kurzer. Rede sein Gesuch an und schilderte seine Lage. Der Fürst lachte. „Was Teufel," sagte er, „ich habe schon genug von Eurem Geschmeiß , im Lande, mehr als meine Bürger und Bauern vertragen^ können, und nun wollt Ihr gar schustern und schneidern? Was wollt Zhr Alle hier? Geht nach Jerusalem!" DaS ist ein weiter Weg, Durchlaucht, erwiderte gutmüthig der Schuster, aber ich gehe mit, wenn Ew. fürstliche Gnaden an der Spitze Ihrer preußischen Regimenter' vorangehen wollen und unser Messias stur. Haben doch Ew. Durchlaucht schon als Jüngling dem. Türken hart j zugesetzt. ' -;| „Weißt Du da was davon, Jude?" ij WaS sollt' ich nicht wissen? Kennen wir Kaiserlichen j doch Ew. fürstliche Gnaden als Freund und Feind. Mein Vater seliger hat den Kaiserlichen schon als Schuhflicker! gedien^nls mein gnädigster Herr bei Belgrad unter Prinz ' Eugen ins gefochten. In diesem Augenblick scheuete, wer weiß durch wel-; chen Zufall, das Pferd des Fürsten. Es bäumte sich hoch in die Luft und stieß mit dem Hintertheil gegen die Mauer des Kirchhofes, stolperte dann wieder, bäumte sich von Neuem, so daß der Fürst^ obgleich er mit Macht des i Thieres Meister zu werden suchte, wirklich Gefahr lief, zu stürzen oder gegen die Mauer gestoßen zu werden. Aber alsbald warf sich der Böhme dem Pferde entgegen,; ergriff mit seinen langen, kräftigen Armen die Zügel, zog es einige Schritte auf eine ebene Stelle aus dem Bereiche der Mauer bis es schnaubend still stand. Der Böhme rettete vielleicht hier das Leben eines Helden, der wenige Monate später den Ausgang eines Feldzuges und daS Schicksal eines Reiches in blutiger Schlacht, der. letzten Kriegsthat seines Lebens, entschied.; „Kerl," sagte der Fürst gnädig, „Du scheinst Kourage zu haben. Schade, daß Du ein Jude und schon zu alt bist, die Lange hast Du wahrhaftig, ein, guter Gardemann zu werden. Gieb her Deinen Brief, Du sollst schustern in Sammetloch bis an Dein Ende. Lauf nur hin und sage es dem Bürgermeister." .. , Damit hatte die Audienz am Hekdifch ein Ende. Der; Fürst gab seinem Pferde die Sporen und jagte in den j Wald. Achaim mit seinen Jungen und dem Karren klap- - perten hinterher^ Der alte Joffel aber sah gen Morgen über die Kirchhofsmauer, er erhob seine Hände hoch /auf. zum Danke gegen Gott, sprechen konnte er nicht, aber sein Auge weinte und die Thränen fielen in das bereifte Gras, welches der Winter an der Mauer überkümmerte. Läng -richtete er feinen Blick nach, dem Gottesacker, ach, er ahnte nicht, daß einst noch Enkel und Urenkel von ihm hier schlafen würden zur fröhlichen,, gnaderwollen Auferstehung. Zwei Anmerkungen haben wir noch'zu machen. Die erste : der Schustern der nicht ganz vom Aberglauben frei war, redete sich ein: es wäre nicht gleiche Sache, daß das Pferd des Fürsten hier scheu geworden, vor das Thier müßte sich von da drüben, vom Kirchhofe nämlich, etwas Geisterhaftes, gestellt Huben, das edle Roß merkte dies > öfter, als der Mensch, und an Geistern konnte es hier nicht fehlen, er selbst hätte ja aus einmal, große Beklommenheit gefühlt, obgleich er tapfer zugegriffen hätte, und ein Huschen, wie kalter Windeshauch, vom Kirchhofe her verspürt, da es doch still war und der Mond schien. Zweitens: Geschmeiß nannte der -Fürst seine Juden und unter diesen seinen Juden war schon der Mann geboren (und damals noch Jüngling von fast 16 Jahren), der nicht allein ein Stern erster Größe für seine leiblich und geistig geknechtete Nation, sondern auch eine Zierde des deutschen Volks, ein Muster an Weisheit und Tugend, ein Bildner deutschen Geschmackes und. deutscher Sprache werden sollte« — Unser Schuster s'ng nach Hause und umarmte freudevoll und selig sein Weib, seinen Josserl und sein Hannerl, stattete auch dem Vielvermögenden gebührenden und ausführlichen Bericht ab, der sich deffen sehr freuete und sich und den Schuster bewunderte. Bald darauf kam der fürstliche Schutzbries. Es ward dem Böhmen erlaubt, ein Zeltenbewohner in Sammetloch zu werden, seinen Schemel aufzurichten und sein Handwerk zu betreiben. Dafür hatte er nur-jährlich zehn feine Gulden Schutzgeld zu entrichten, und zu Martini eine fette Gans in die fürstliche Küche und eine weniger fette in das Amts haus zu liefern, es war-ihm dagegen gestattet, beim Geldberleihen sechs vom Hundert-zu nehmen. Er zahlte auch bis nn sein Ende -sehr pünktlich, nur daß er die fettere-Gans in's AmtshauS und -die weniger fette -in die Küche-des Fürsten zu liefern pflegte.; Auf WuchM -ließ er- 'sich nicht ein, auch nicht zu sechs Prozent. M f * Die Innung war sehr aufgebracht, aber nach wenigen Jahren war der Böhme ihr Rachzebex und' mußte Manches bei Seiner fürstlichen Durchlaucht-für sie-durchsetzen.