Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 4 (19.1.1852)
- Date
- 1852-01-19
- Page
- Seite 42 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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42 biedern Charakter hatte sich Herr Wedell viele Herzen gewonnen. Schon als er seine Entlassung gewünschtgab sich ein allgemeines Bedauern kund und so konnte es nicht fehlen, daß seine Abschiedsrede, die auf den Wünsch Vieler hoffentlich im Druck erscheinen wird, einen tiefen Eindruck machte und die Theilnahme bei seiner Abreise eine sehr herzliche war. Am Abend vorher brachte der hier bestehende, von Herrn Jakob Hornemann mit vielem Geschick und Eifer geleitete israelitische Gesangverein dem Scheidenden ein Ständchen. N I. H. Die Schweiz. Bern, 5. .Januar. <F. O. P. A. Z.) Hinsichtlich der auswärtigen Verhältnisse ist zu-melden, daß die basler Judenfrage nicht zu ernstlichen Reibungen mit Frankreich führen wird , weil der Buchstaben des Vertrags den französischen Juden keine anderem Rechte einräümt als den schweizer Juden, die ebenfalls noch nicht in völliger Gleichberechtigung mit den Christen stehen. Großbritanieu. London,-1. Januar Vielleicht daß das heute beginnende Jahr den großbritanijchen Israeliten ein bedeutsames Institut bringt, vr. .Adler hat gegen Ende des vorigen Jahres ein Zirkulär veröffentlicht, in welchem er auf den 4. Januar ein Meeting zusammenberuft, um zu berathen, wie hier ein Kollege für die Israeliten zu schaffen sei. Im Beginn desselben macht er darauf aufmerksam, wie nothwendig die Errichtung eines Kollege's zur Bildung jüdischer Kultusbeamten sei, da oft vakante Stellen bei den Gemeinden gar nicht besetzt werden können, und nur wenige von Engländern selbst besetzt sind, so daß die wichtigsten Aemter oft ganz unpassenden Händen anvertraut werden müssen. Zugleich ist in London eine Schule für die Jugend der Mittelklassen unter den Juden ein großes Bedürfniß, während für die Armen sehr wohl gesorgt ist. Adler's Plan geht nun dahin, beide Bedürfnisse zu kombiniren. Eine solche Schule mit der Universität zu London und dem Beth Hamidrasch in Einklang gebracht, soll dem Mangel abhelfen. 1000 L. St. würden jährlich genügen. Sir MoseS Montefiore wird in dem Meeting den Vorsitz führen, und man hofft, daß die Theilnähme bedeutend sein werde. Literarische Nachrichten. SUfctg&C&llVg. Halphen, Recueil des lois etc. (Fortsetzung.) Nach 1615 erließ Ludwig XIII. ein monströses Edikt, welches die Inden binnen einem Monat auszuwandern zwang, und 1683 dehnte dies Ludwig XIV. auch auf 4)ie, Kolonieen aus. Ludwig XV. verbot 1731 den Juden in einer Stadt Handel zu treiben, wo sie nicht domizilirt wären. Nach 1774 untersagte Ludwig XVI. den Juden den Eintritt in die Korporation der Künste und Gewerbe zu Paris, nach 1784 wollte er die Juden des Elsasses, welche das Schutzrecht nicht dem Könige, den Städten und Herren bezahlt hatten, in drei Monaten die Provinz zu verlassen zwingen; kein Jude im Elsaß solle sich ohne Erlaubniß des Königs bei Strafe -der Verbannung und 3060 L. Strafe des Rabbiners, der die Trauung verrichtet, verheirathen u. s. w. Jndeß hatten sich die Ideen der Toleranz schon sehr verbreitet, der Minister Malesherbes hatte eine Kommission zur Berathung über die Emanzipativnssrage ernannt, die aber Nichts gethan. Als nun die konstituirende Versammlung ihre Sitzungen begonnen, war es der Abbe Grägokre, der am 3. August 1789 zuerst für die Juden auftrat, indem er die Versammlung aufforderte, zu Gunsten der im Elsaß verfolgten Juden zu interveniren. Zwar sprach nun die Versammlung am 23. August die Gewissensfreiheit als Prinzip aus, indeß schwankte sie dennoch in der Anwendung dieses Prinzips auf die Israeliten. ES bestanden selbst im Schooße der Versammlung religiöse Vorürtheile, die nur mit Mühe bestegt wurden. Mehrere Male vertagte sie ihre Entscheidung, wie um die öffentliche Meinung zu sondiren, die sie zu verletzen fürchtete. Den 3. September wurde die Frage verhandelt. Den 28. kam sie von Neuem auf die Tagesordnung, unterstützt durch die Beredtsamkeit des Abbö Gregoire und das Ansehn Clermont-Tonnere's.; In der Sitzung vom 14. Oktober wurde eine israelitische Deputation zur Versammlung gelassen, und Herr Berr-Jsaak Berr sprach an der Barre eine rührende Rede, die günstig ausgenommen wurde. Aber besonders in den Sitzungen vom 21., 23. und 24. Dezember wurde die Emanzipationsfrage der Israeliten mit Feuer und Talent verhandelt. Der Fanatismus und die