Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 4 (19.1.1852)
- Date
- 1852-01-19
- Page
- Seite 41 (sequence 5)
- Language
- German
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41 daß diese Anstalt gekräftigt aus dem Kämpft hervorgeht. — In Betreff der jüdischen Korporationen hiesiger Provinz Haufen sich die Reskripte der hohen und höchsten Behörden, die alle darauf hinausgehen, so weit es die gesetzlichen Bestimmungen gestatten, den Zwangsverband zu erhalten. Ob nach Abzahlung der Gemeindeschulden an die katholischen.Kirchen und an die Regierung, die Solche übernommen, derselbe Ton angeschlagen werden wird, lassen wir dahingestellt sein. Entscheidend für die Korporationen wird der Ausfall des Prozesses der Gemeinde oder eigentlich der Regierung gegen die Abgelösten. Diese hatten sich,, wie bekannt, gegen ein sehr geringes Ablösegeld den Gemeindelasten entzogen. Die Regierung jedoch, die um ihre Schuldforderungen besorgt ist, bestreitet die Giltigkeit der Ablösung, indem sie aus dem Judengesetze von 47 das Bestätigungsrecht derselben für sich herleitet. In erster Instanz, entschied der Richter gegen, in zweiter für dieses Recht. Gegen diesen letztem Ausspruch ist die Nichtigkeitsbeschwerde eingelegt. Ein erfreuliches Zeichen für das wiedererwachte religiöse Leben ist es, daß man an vielen Orten unserer Provinz neue, geschmackvoll eingerichtete Synagogen erstehen sieht. Im Laufe des vorigen Jahres sind unftrs Wissens deren drei eingeweiht worden: in Schrimm durch Herrn Pleßner von hier, in Birnbaum durch die Rabbiner und Doktoren Herren Joel aus Schwerftnz und Schwabacher aus Schwerin a/W., und in Wittkowo durch Herrn Dr. Gebhardt aus Gneftn. In .den Gemeinden Rakel und Pinne denkt man an die Besetzung der erledigten Rabbinatsftellen durch zeitgemäß gebildete Rabbiner. In letzterer Gemeinde soll die Probepredigt deS Rabbinatskandidaten Hamburger aus Berlin bei Vielen Beifall gefunden haben. Gebe Gott, daß die Religiosität mit der Wissenschaft, die sich, in hiesiger Provinz häufig noch feindlich gegenüberstehen, sich mehr versöhnen. Soeben durchlauft die Trauerkunde von dem Tode des hiesigen Oberrabbiners Herrn Salomon Eger die Stadt. Er hatte noch nicht sein 7üstes Lebensjahr erreicht und starb in Folge der Wassersucht. Seine Stelle dürfte vorerst nicht besetzt werden. Aus der Provinz Posen, 5. Januar. (Privatmilth.) Wir müssen leider l unsere Korrespondenzen im neuen Jahre mit einer Trauernachricht eröffnen. Der Oberrabbiner in Posen, Herr Salomon Eger, hat das Zeitliche gesegnet. Gestern sind seine irdischen Ueberreste dem Schooße der Erde anvertraut worden. Bei dem Leichenbegängnisse hat sich die größte Theilnahme aus allen Glaubensparteien wie allen Ständen der Bevölkerung Poftns kundgegeben. Wenn wir nicht irren, so hat Herr E. 15 Jahre als Obcrrabbiner 'in P. fungirt. Wie allgemein bekannt ist, so war er ein Mann von unerschütterlicher Frömmigkeit, ausgezeichnetem Verstände, großer talmudischer Gelehrsamkeit, und hat in religiöser Beziehung immer der streng konservativen Richtung angehört. Einen ausführlichen Nekrolog überlassen wir Ihrem posener Korrespondenten. In Neustadt bei P., wo daS Rabbinat schon sehr lange vakant, hat neulich ein junger Theolog, mit Namen Dr. Hamburger, die erste Probepredigt gehalten und ziemlich starken Beifall geerntet. Wie überall, so giebt's .auch dort eine Partei gegen hje Anstellung eines ftudirten oder sogenannten modernen Nabbinen. DaS kann nicht fehlen. Doch wenn man glaubt — und eine solche Stimme ließ sich neulich auch in dieser Zeitung vernehmen —: daß in neuerer Zeit die stabile Orthodoxie im Judenthum an Macht und Ausdehnung gewonnen, so ist man in einem gewaltigen Jrrthum befangen. Im Gegentheil,' diese Partei schrumpft immer mehr zusammen, so daß. wir von dieser Seite für den Fortschritt und die Entwickelung unserer Gemeinden gewiß Nichts, oder wenigstens nicht viel zu fürchten haben. ES ist aber ein anderes, weit größeres Uebel da, welches den Fortschritt hemmt, der freien Entwickelung Schranken setzt und wie ein Alp drückt auf Alles, was da einporftrebt zum Lichte. Dieses Ungeheuer heißt Indifferentrsmus. » In Samter ist am 15. v. M. die Synagoge mit 36 Torarollen ein Raub der Flammen geworden. — Von anderen Gemeinden das nächste Mal. Goch, im Januar. (Privatmitth.) Vor einigen Tagen schied aus unserer Mitte Herr Jakob Wedels, welcher hier circa zwei Jahre mit dem schönsten Erfolge gewirkt, um in Posen die Leitung einer Knabenschule, zu übernehmen. Durch seine ausgezeichneten Leistungen in der Schule, durch seine geist- und gemütvollen religiösen Vorträge so wie durch seinen