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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-01-19 · Heft 4 (19.1.1852) · p. Seite 39

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 4 (19.1.1852)
Date
1852-01-19
Page
Seite 39 (sequence 3)
Language
German
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39 immer mehr geschwächt und das Scheinwesen zur Geltung kommen. Dann nach außen! Was hat die Bewegung vom Jahre 1848 mit geringen Ausnahmen, entgegen der vom Jahre 1819, zu unseren Gunsten gelenkt? Neben Anderm war eö die Wahrnehmung des christlichen Volks: in den Schulen der Juden wird ein allgemein bildender Unterricht ertheilt, in ihren Synagogen mit Anstand und Wurde zum Allvater gebetet, gemeinverständlich von gebildeten Männern gepredigt; durch den verbesserten Unterricht ist das. neue Geschlecht umgänglicher, ihr Geschäftsbetrieb solider und gemeinnütziger geworden u. s. w. Traget darum Sorge, der unheilschwangern Zukunft ein verständiges, mit allen seinen Fasern im nationalen Leben verwachsenes Geschlecht heranzubilden, pfleget seine religiösen Bedürfnisse durch zeitgemäße Formen und ihr werdet für sein und seiner Religion Bestes, gewirkt haben. Das werden'aber halbgebildete Bachurim uno dem Leben sich entfremdende Rabbinen nimmer vermögen. — Wir verkennen die Gefahren nicht, , welche, dermalen bei Errichtung eines jüdischen Konsistoriums unS bedrohen würden, aber diese Zerfahrenheit, dieses Ersparungssystem, dieses Rückschrauben des Schulwesens, dieser Mangel an Schaffungsgeist und das Gehenlassen in allen religiösen Beziehungen wird uns ruiniren. Dieser Darstellung, welche Jeder, der besonders unsere Landgemeinden kennt, wahrheitsgemäß finden wird, reihe ich einzelne Vorfallenheiten an. Der obengedachte Erlaß bezüglich des Güterhandels hat neulich unfern alten guten Freund Herrn Grafen v. Seinsheim zu der Erklärung in der 1. Kammer veranlaßt, er bedauere dem Gesetz vom 29. Juni seine Zustimmung gegeben zu haben. — Die Angelenheit derReligionslehrer ist in ein neues Stadium getreten. Der Referent des Ul. Ausschusses, der mit den desfallsigen Verhältnissen als Kreisscholarch -voll; kommen bekannte Abgeordnete, Herr Pfarrer Schnizlein aus Ansbach, erstattete sein Gutachten dahin, daß die Religionsschulen Privatinstitute der israelitischen Kultusgemeinden bildeten und ans ihre Unterstützung aus Staatsmitteln nicht eingegangen werden könne. Dagegen sei die wahrheitsgemäß geschilderte, sehr hilfsbedürftige Lage der israelitischen Religionslehrer geeigneter Berücksichtigung zu unterziehen und zu diesem Behufe die Vorstellung dem Ministerium hinüberzugeben. Der Ausschuß machte sich dahin schlüssig, den zweiten Antrag abzulehnen. Sehen wir zu, ob das Plenum der Kammer nicht einen Wunsch für die Petenten haben wird. — Meine Mittheilung bezüglich des definitiven Anschlusses der schwabacher Rabbinatsgemeinden an Oettingen.muß ich berichtigen. Meine frühere Behauptung, daß die königl. Regierung bis vor Kurzem von dem Tode des seligen Rabbiners Wechsler keine amtliche Kenntniß hatte, erhalte ich aufrecht. Erst in neuester Zeit hat dieselbe den Gemeinden die Schwierigkeiten des Anschlusses an ein Rabbinat außerhalb des Kreises Vorhalten lassen. Indessen hat sich bereits Zirndorf an Fürth und Windsbach an Ansbach angeschloffen. Die drei noch verbleibenden, an der Eisenbahnlinie liegenden Gemeinden werden dann allerdings an Oettingen sich anschließen. — In den nächsten Tagen will Herr Rabbiner Guggenheimer aus Kriegshaber einen “tsdji in Dittenheim abhalten. Derselbe ist aus Dittenheim gebürtig und hat zufällig einen Sohn, der Rabbinatskandidat ist. Unsere Frommen haben aber schop einen andern Kandidaten in petto *) und gedenken mit einem Schlag zwei Fliegen zu tödten. Wir vertrauen übrigens zu der Bildung und dem Takt des Herrn Guggenheimer, daß er nicht, wie sein Schwager, der Ortsrabbiner Herr,Skutsch in Treuchtlingen, dem man weder die talmudische Gelehrsamkeit der Alten, noch die Wissenschaftlichkeit der Neuen nachrühmt, am Grabe des seligen Beitel gechan, eine solche Veranlassung zu ungemessenen Ausfallen gegen die Bestrebungeu der neuen Rabbiner benützen, sondern im Geiste deS Hingeschiedenen die Saiten der Liebe und der Duldung, und in einem richtigen Deutsch, anschlagen wird. Bei der kürzlich in Nürnberg zu besetzenden Stelle an der Handelsgewerbsschule war der Magistrat zu dem Behufe versammelt, Herrn G. Kitzinger aus Ansbach, Vorsteher der israelitischen Gemeinde und Inhaber eines Hanvelslehrmstituts, unter 29 Bewerbern den Vorzug zu geben, als ein Magistrawrath nicht in böslicher Absicht bemerkte, ob die Herren denn auch wissen, daß Herr Kitzinger Israelit sei. Man fand es nun doch bedenklich, den Vorurteilen der Menge also entgegenzutreten und vertagte die *) Auch sind schon Worte vom „Anschließend hie und da laut.geworden, und Heidenheim will alles.Ernstes angeschlossen sein. Geht aber nicht! Korresp.

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