Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1852)
- Date
- 1852-01-12
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
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30 lustärtigen Grundstoffen zeigen werden. Sie Alle kennen das Gesetz der s. g. Wahlverwandtschaft, nach welchem wenn A 4itü> B einen Körper bilden, und 6 und 0 einen Körper, beide aber in Berührung kommen, A das B verläßt und sich mit 6 vereinigt, v mit D und zwei neue Körper bilden, ein Gesetz, worauf sehr viele chemische Prozesse beruhen. 1 Die belebten Organismen aber stehen wieder allesammt unter Einem Gesetze, nämlich daß sie aus einem Keime, der von der vorhergehenden Generation gegeben ist, entstehen, fich Entwickeln, zur Blüte und höchsten Entfaltung gelangen, dann wieder abnehmen und endlich durch den Tod dem Zetsetzungsprozeffe anheimfallen. Hiervon ist nichts Belebtes ausgenommen, auf diesem GnrndthpuS alles Organischen beruht ihre ganze Existenz, und ob die eine öder andere Stufe in diesem oder anderm Stadium an eine kürzere oder längere Zeit gebunden find, ob eine Menge Insekten gleich nach dem Momente der Fortpflanzung stetben, oder Manche - Baumart Jahrhunderte lang deU Wozeß des Früchtetragens wiederholt; ob wir einerseits die s. g. Eintagsfliege kürzer als einen Tag bestehen, Zedern auf dem Libanon nach der Zahl ihrer Jahresringe wirklich bis in die Zeit des Königs Salomo, also in ein dreitausendjähriges Alter hinaufreichen sehen — ihre Lebettsperioden find doch dieselben und werden sämmtlich durchlebt. Kein Theil der Naturwissenschaften, m. H., hat, trotz außerordentlichem Studium doch noch immer des Dunkeln und Geheimnißvollen so viel behalten, als der Prozeß des Werdens der belebten Wesen. Man hat in den Gräbern der alten Egypter bei Thebä Ricinussaat, Getreidekörner u. dgl. gefunden, die mindesteus drittehalbtausend Jahre alt find, und die dennoch ihre Keimkraft noch nicht verloren haben, sondern in die Erde gebrächt, fröhlich emporblühten. Nichts ist interessanter, als die tausendfach verschiedene Art zu beobachten, wie die Insekten ihre Lärvchen und Eier in Wasser, Erde, Pflanzen oder Thiere legen und auf wunderbare Weise verwahren, um vor Vernichtung geschützt zu sein und zur rechten Zeit und unter den günstigsten Verhältnissen in's Leben zu kommen. Das Eine bohrt Locher und Gänge durch Gestein und Erde mit besonderm, anerschaffnem, sehr künstlichem Bohrer; das Andere, wie die Mücke, erhascht ein Vlättlein auf dem Wässer, wickelt seine Eier zwischen seinen Hinterfüßchen in ein Gespinnst und läßt es dann zum Ufer schwiminen; und dabei ist Alles an die Zeit gebunden, und der Stunde, ja der Minute unterworfen. Um zu erkennen, wie sehr auch hier in dem, was uns dem. reinen Zufall überlassen scheinen könnte, eine tiefe Gesetz- -lichkeit waltet, lassen Sie mich nur Eines anführen, was von Hufeland im Anfang dieses Jahrhunderts aufgefunden worden, und sich seitdem überall bestätigt hat. Sie wissen,- m. H., wie Familien, die mit Kindern gesegnet sind , unter diesen bald eine größere Zahl Knaben, bald eine größere Zahl Mädchen, bald nur Knaben, bald nur Mädchen haben. Es scheint dies Alles rein zufällig. Und dennoch findet hier das allgemeine Gesetz statt, daß in einer bestimmten Zahl in einer bestimmten Zeit sich immer wieder dasselbe Verhältniß zwischen Knaben und Mädchen herftellt, wie 27 zu 26, in heißen Zonen wie 21 zu 20; es gilt dies so genau, daß bei einer Million Geburten dieses normale Verhältniß in einem Jahre, bei bei Hunderttausend in 10 Jahren sich thatsächlich erweisen wird. Es ist also auch hier niemals ein Zufall, sondern ein unabwendbares Gesetz, welches über 100,000 von einander getrennte Individuen in einer Gemeinsamkeit waltet; und das uns allerdings in feinem Kausalkonner ganz unerklärlich ist. * Die neuesten Untersuchungen haben dargethan, daß alle Organismen, seien eS Pflanze, Thier oder Mensch,' ihren ersten Ursprung in einer sphärischen Urzelle haben, und daß der ganze Organismus mittelst eines millionenmillionenfältigen, immer wiederholten Setzens derselben Urzellenform wird, so daß durch die Wiederholungen der Urzelle der ganze Organismus ein Zellenbau ist. Es gehört dazu allerdings eine unermeßliche Zahl solcher Zellenmonaden. Während die größten kaum ‘/so Linie erreichen, fallen die kleinsten noch unter ^soo Linie. So groß sind die fließenden Zellen des Blutes; Blutkörperchen, deren daher 27 Millionen auf eine Kubiklinie gehen. Nun bedenke man, daß die Blutmasse des erwachsenen Menschen einige 20 Pfund beträgt. Nicht minder berechnet man die Hautfläche eines erwachsenen Menschen auf 14 Quadratfuß, es gehören dazu ungefähr 150,000 Millionen Zellen. Wie diese ungeheure Vervielfältigung der Zellen aus einer Urzelle stattfindet, um einen vollständigen Organismus zu bilden, ist so: einmal indem die einfache Zelle durch Setzen zweier Mittelpunkte sich theilt nach Art einer liegenden Acht oo und so zu zwei Zellen wird, dann indem innerhalb einer Zelle eine oder mehrere. Zellen entstehen und allmalig frei werden, sobald die Mutterzelle zerfällt, endlich indem aus-einem Ende der Zelle eine neue herauswächst. Diese Zellen sind nun entweder bleibend, d. h. sie bleiben Zellen, setzen fich als