Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1852)
- Date
- 1852-01-12
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
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29 durch die Attraktion auf den Uranus wirke. Dies griff ein französischer Mathematiker, Leverrier, auf, unterwarf diese scheinbaren Unordnungen des Uranus einer genauen Berechnung, und bestimmte nun nach ihnen den Platz, die Größe und Umlaufszekt des noch nie gesehenen Planeten. Und siehe, kurze Zeit darauf wurde er von Galle an diesem Platze wirklich aufgefunden, und die Berechnungen Leverrier's bestätigten sich bis auf GermgeS. Wilhelm Herfchel beobachtete 4 Jahre lang den Lauf des Uranus, und berechnete daraus, °daß feine Umlaufszeit um die Sonne 84 Jahre betragen muffe; noch mehr, Gauß beobachtete einige Tage nur die Ceres, berechnete daraus die Bahn derselben auf's Genaueste, so daß man sie durch seine Vorausbestimmungen auf's Leichteste auffand. Alle diese astronomischen Berechnungen gründen sich aber auf die Gesetze der Bewegung, die auf der Erde aufgefunden worden, und so ist es uns bewiesen, daß dieselben Gesetze der Bewegung, der Anziehung, der Schwere, die wir auf unsrer Erde beobachten, auch in den entferntesten Räumen für die größten Weltkörper gelten, und können daraus über ihre Gestalt, über ihre Dichtigkeit, die Abwechslung der TageS- und Jahreszeiten auf ihnen die wunderbarsten Schlüffe ziehen, die uns hier aber zu weit führen würden. Wir können aber noch mehre solcher allgemeinen Gesetze aufführen. Ein allgemeines tiefgreifendes Gesetz alleS Daseienden ist: die ewige Veränderung. Nichts ist ruhend im Weltall, und Nichts von dem Bestehenden ist bleibend, sondern Alles ist in stetem Wechsel begriffen. ES ist bekannt, daß z. B. an unferm Körper stets auSgeschieden, stets neuersetzt wird, so daß wir, ohne unser Wissen, durch diesen beständigen Stoffwechsel alle 5 Jahre einen ganz neuen Körper haben. So wissen wir aber auch, daß unser Erdkörper die bedeutendsten.Perioden und Gestaltungen schon durchgemacht hat, deren Zeugen in der Beschaffenheit ihrer Gesteine und Oberfläche bestehen, deren Zeugen an Pflanzen- und Thierbildung aber auch aus ihrem Schooße gegraben werden; daß die Erde aber auch tief in ihrem Schoße und außen auf ihrer Oberfläche sich immerfort verändert und umgrstaltet, und stets nur in einem Zustande des NebergangS sich befindet; -und wenn dies vielfach nnserm Auge entgeht, so vergessen wir nicht, daß die Weltkörper nicht nach Menschenaltern zählen. So wie aber die Monde um die Erden, diese mit jenen um die Sonne immerfort sich bewegen, so hat auch die Sonne ihren Lauf, so verändern auch die Sonnensysteme ihre Stellung gegeneinander. Z. B. der helle Stern im Ochsenhüter Arkturus hat in den 2100 Jahren, in welchen er beobachtet wird, seinen Ort gegen die benachbarten schwächeren Sterne um drittehalb Vollmondbreiten, verändert. Gleiches von anderen Gestirnen, so daß der Name Fixsterne nur uneigentlich gebraucht wird. , Giebt es also Nichts, was beständig ist in dieser Welt, erleidet Jedes unaufhörlich die Einwirkung der verschiedensten Kräfte, des Lichtes, der Wärme, der Elektrizität, deS Magnetismus, so geschieht dies Alles, doch nur nach denselben Gesetzen, die beständig, die ewig unveränderlich sind. Eine andere Erscheinung, die durch die ganze unS bekannte Welt reicht, können wir dahin normiren, daß alle vorhandenen Dinge überall in zwei Klaffen sich trennen, in Solche, von denen eine Wirkung ausgeht, und Solche, welche die Wirkung erleiden. So trennen fich alle Wellkörper in leuchtende, lichtauSstrahlende und lichtempfangende, was natürlich eine gänzlich verschiedene Beschaffenheit Beider voraussetzt, ohne daß eS bis jetzt unS gelungen ist zu erfassen, was eigentlich die Natur der lichtausstrahlenden, der Sonnen ist. So sind alle belebten Wesen der Erde in zwei Geschlechter getrennt, oder haben doch, wie die meisten Pflanzen, getrennte Organe, welche diese Scheidung repräsentiren. . - Treten wir nun, m. H., in den engern Kreis unsrer. Erdschöpfung ein, um zu beobachten, inwiefern, hier die mannigfaltigsten, aber ewigen Gesetze sich kund thun. Wir gewahren auch hier ein sorgfältiges Jneinandergreisen aller Wesen; wir sehen wie die Pflanze auf den anorganischen Dingen wurzelt, und selbst der, kahlste Felsen nicht bloS Moose und Schlingpflanzen, sondern auch die kühne Tanne zu tragen vermag; wie wieder ein großer Theil der Thierwelt von den Pflanzen lebt, der andere wieder die Thiere verzehrt, der Mensch endlich zu seiner Erhaltung und Bequemlichkeit sich Alle zinsbar macht. Eine Wesengattung bedarf der andern; keine kann entbehrt werdem Was nun die anorganischen Dinge betrifft, so weiß, wer nur einen flüchtigen Blick in die jetzige Chemie wirftwie weit man gelangt ist, der Natur die Gesetze der Zusammensetzung und Auflösung abzulauschen, und .die Dinge in ihre Grundstoffe zu zertheilen, und wie man, um nur Gewöhnliches anzuführen, nicht bloS das Wasser in feine zwei Luftarten zu zersetzen und .wieder zu Wasser zu vereinigen weiß, ohne daß: die Menge des Wassers dabei eine Veränderung erleidet, sondern daß: man auch Zucker- Holz, Horn und dergleichen feste Körper mehrin luftartige Bestandtheile zerlegt, so daß es sehr wahrscheinlich ist, daß alle Körper sich einst als Zusammensetzungen aus