Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1852)
- Date
- 1852-01-05
- Page
- Seite 22 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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22 gingen, um Subskriptionen zu sammeln, die sehr reichlich ausfielen; unter dem Schutze dieser Damen berühren sich diese beiden Anstalten sehr, und erhalten jetzt eine große Summe von der Stadt. Von dem pxojektirten HoSpital hört man seit geraumer Zeit Nichts mehr — man hat zu heiß angefangen, und da erkaltet der Eifer gewöhnlich zu bald. Möchte man doch auf die Schwermacher nicht hören, und mit mehr Kälte, aber ungleich mehr Energie daran gehen! Bemerken will ich noch zum Schluffe, daß die drei berühmtesten Aerzte unserer Stadt Israeliten sind, die DD. Aaronson, Hirz und Ruff; alle drei mit Glücksgütern gesegnet, aber alle drei der höchsten Achtung würdig, da sie ebenso gern und unverweilt zu den Armen umsonst, wie zu den Reichen für Geld ihre Hilfe bringen! Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Drei Vorlesungen über die Gesetzlichkeit in der Natur, im menschlichen Geiste und Ln der Geschichte. Vorbemerkung. Die folgenden drei Vorlesungen habe ich allhier auf dringendes Ansuchen in einem kaufmännischen Vereine gehalten. Ich glaube, daß ihre Mittheilung dem Zwecke unserer Zeitung, die religiöse Ueberzeugung, dem Inhalte unserer Religion gemäß, zu stärken und durchzubilden, entspricht, da das höchste Resultat dieser Vorlesungen — Gott, und nur Gott ist. Und, wie wir es schon öfter ausgesprochen, die heilige Schrift, die unerschütterliche Basis deS JudenthumS, ist es vorzugsweise, welche den Blick immer wieder auf die Natur, die Schöpfung Gottes , lenket, und die Lehren'in dieser wiederfindet, welche sie ausgesprochen. Nicht minder lehrt die heil. Schrift das Walten der göttlichen Vorsehung in der Geschichte der Menschheit von ihrem ersten Blatte .bis zu ihrem letzten, und steht durch jene der Erfüllung dessen entgegen, was die Propheten für die späte Zukunft der Menschheit vorausgekündigt. Diese Lehren unserer Religion in Natur und Geschichte bestätigt und erwiesen zu sehen, ist sicher nützlich und heilsam. Ich bemerke, daß für die erste und zweite Vorlesung die neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen und Resultate nach den Schriften Huinboldt's, Oerstedt'S, CaruS', Burmeister's und Anderer benutzt worden sind, wodurch für die Thal fachen um .so mehr gebürgt ist. Magdeburg, 17. Dezember 1851. vr. Ludwig Philippson. Erste Vorlesung. Die Gesetzlichkeit in der Natur. Natur, menschlicher Geist, Geschichte, sie sind anzusehen als konzentrische Kreise um einen und denselben Mittelpunkt. Ist Natur daS All der geschaffenen Wesen, so hebt sich aus diesen, so weit wir sie kennen, vermenschliche Geist als die Spitze derselben hervor. Geschichte ist aber wieder nur der Bericht von der Entwickelung dieses menschlichen Geistes, wie sie sich in Thatsachen und Zuständen ausgeprägt. Alle drei, Natur, menschlicher Geist, Geschichte, haben also einen und denselben Mittelpunkt, ein Charakteristikum, daS ihnen eigenthümlich ist und sie in höchster Weise bezeichnet — die Gesetzlichkeit. Ja, nicht blos die Natur, sondern auch der menschliche Geist, sondern auch die Geschichte find gewissen Gesetzen unterworfen. Was heißt das? Lassen Sie mich ein Beispiel anführen. So oft wir einen Stein von gleichem Gewicht aus derselben Höhe herabfallen lassen, wird er stets denselben Weg und mit derselben Geschwindigkeit nehmen. Lassen wir aus derselben Höhe einen andern Stein von verschiedenem:Gewicht fallen, so nimmt er denselben Weg aber mit einer andern Geschwindigkeit, die jedoch genau in Verhältniß zu seinem Gewichte steht; oder fällt derselbe Stein aus einer verschiedenen Höhe herab, so bemerken wir wieder eine andere Geschwindigkeit, jedoch stets in bestimmtem Verhältniß zur Höhe. Wenn wir hingegen z. B. zwei Pferde von demselben Orte nach demselben Ziele fortrennen lassen, so werden sie schwerlich denselben Weg und sicher nicht mit derselben Geschwindigkeit, ja, ein Pferd denselben Weg nicht zum zweiten Male mit gleicher Geschwindigkeit, ja nicht einmal ein Pferd den ganzen Weg mit fortgesetzt gleicher Geschwindigkeit zurücklegen. Wir sagen daher: die Bewegung des Steines ist einem bestimmten, unveränderlichen Gesetze unterworfen, so daß sie unter denselben Bedingungen immer dieselbe sein wird, während die Bewegung des Pferdes frei, der Willkür deS Pferdes.anheimgegeben, daher immer verschieden ist. Wir erkennen also da ein Gesetz an, wo unter denselben Bedingungen stets dasselbe erfolgt, und bei veränderten Be-