Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1852)
- Date
- 1852-01-05
- Page
- Seite 23 (sequence 11)
- Language
- German
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23 dlygungen die Veränderungen nach bestimmten Verhältnissen geschehen. Solchen bestimmten, unveränderlichen Gesetzen, sagen wir nun, ist die Natur, ist der menschliche Geist, ist die Geschichte unterworfen , und dies vor Ihnen auseinanderznsetzen und gewisse Folgerungen daraus zu ziehen, ist die Aufgabe, die ich mir gesetzt, für die ich mir Ihre Aufmerksamkeit, Ihre freundliche Nachsicht erbitte. — Bevor wir aber uns von der Gesetzlichkeit in der Natur ein deutliches und übersichtliches Bild entwerfen, ist eS nothwendig, daß wir uns zuvor die Unendlichkeit und darum Unermeßlichkeit der Natur zurückrufen, eine Unendlichkeit, die ebensowol im Umfang, wie im Inhalt, im Großen, wie im Kleinen stattfindet. DaS Licht, m. H., läuft nach der sichersten. Berechnung kn jeder Sekunde 41,549 geographische Meilen — um uns die Sache anschaulich zu machen, in einer Sekunde würde das Licht mehr als 7 mal um die 5400 Meilen im Umkreis große ganze Erdkugel laufen können — es ist dies allerdings noch nicht die größte Geschwindigkeit, denn die Elektrizität durchläuft in einer Sekunde mehr als 62,500 Meilen, also mehr als 11 mal um den Erdball, — das Licht bedarf demnach 8' 17", um von der Sonne zur Erde zu gelangen — dennoch braucht das Licht z. B. des -61. Sternes des Schwans über 10 Jahre, um zu uns zu gelangen) noch mehr: Sterne des großen Ringes der Milchstraße find so weit von uns entfernt, daß nach sicheren Berechnungen ihr erster Lichtstrahl 2000 Jahre brauchte, um in unser Auge zu fallen und uns von ihrem Dasein Kunde zu geben. Sie wissen, m. H., daß jeder der s. g. Firsterne eine Sonne ist, d. h. lichtgebender Mittelpunkt eines Sonnensystems von Erden und Monden. Dennoch erblicken wir mit dem bloßen Auge 5000—5800 solcher Firsterne; aber mit dem Herschel'schen 20füßigen Spiegelteleskop mit 180maliger Vergrößerung haben wir 20,374,000 Firsterne anzunehmen. Ja, in dem noch mächtigern 40füßkgen Spiegelteleskop hielt Sir William Herschel in der Milchstraße allein 18 Millionen für sichtbar, Und nun, bedenken wir, daß wir darum doch nur auf sehr beschränkte Weife den Weltraum zu durchblicken beanspruchen können. Aber steigen wir auf unsere Erde hinab, und nehmen auf ihr einen einzelnen Tropfen Wassers, und bringen diesen unter das Hydro-Orygen-Gas- Mikroskop, so erblicken wir in ihm viele, viele Tausende von Thieren, die sich bewegen und vermehren, also sorgfältig organifirt sind; war es Brunnenwasser und wir vertauschen ihn mit einem Tropfen Flußwaffer, so find eS abermals zahllose andere Thiere, die^i'n den wunderlichsten Gestalten vor uns erscheinen; vermischen wir beide, so entsteht ein Kampf auf Tod und Leben zwischen den Bewohnern beider Gewässer, der, nicht mit diplomatischen Verhandlungen, sondern mit der Vernichtung der Einen durch die Anderen endet. Diesem gegenüber, m. H.. denken wir an den unermeßlichen Ozean; er ist allbelebt von wohlorganisirtem Thierleben; bis zu 1620 Fuß Tiefe wurden auS dem Ozean Polygastern und Phytolitharien hervorgeholt, selbst im Eise in der Nähe der Pole wurden viele Arten derselben, ja Koskinodisken mit ihren grünen Ovarien, also. sicher lebend gefunden, so daß selbst da, wo alle Vegetation aufhört, sich große Seethiere von der unendlichen Ansammlung des thierischen Lebens, das bisweilen wie zusammenhängender Schlamm das Meer erfüllt, erhalten können. Aber ebenso im Erdreiche. Die kleinsten der Infusorien, die wir kennen, die Monadinen, erreichen nur einen Durchmesser von 73000 einer Linie und doch bilden die kieselschaligen Organismen in feuchten Gegenden unterirdische belebte Schichten von der Dicke mehrerer Lachter. Welche Masse von Polythalmien schließt eine dünne Kreideschicht ein, La von OalioneHs ferruginea der Kubikzoll 1 Billion 750,000 Millionen Individuen enthält! So klein also der Kreis ist, den der Mensch übersieht, so schwach noch im Verhältniß die Werkzeuge, mit denen er seine beschränkten Sinne verstärkt, gleichsam die Fühlfäden seines Geistes weithin verlängert hat — so erdrückend tritt die Unendlichkeit des Weltalls jhm entgegen, eine Unendlichkeit an Raumgröße, an Zahl der Wesen, an Mannigfaltigkeit der Wesen; denn , von allen diesen Wesen ist nicht allein keine Gattung der andern, sondern auch kein Individuum dem andern völlig gleich, sondern überall finden sich Verschiedenheit, die bald grö^- ßer, bald kleiner, immer aber, die unermeßliche Mannigfaltigkeit der Daseinsformen bekunden. Sind doch allein von de» Insekten schon über 100,000 Arten wissenschaftlich beschrieben, und ebenso viele GewächSarten, und doch ist noch eine unüberschaüliche Menge von Thieren und Pflanzen-übrig, die uns bis jetzt unbekannt. Und dies allein auf unserer kleinen Erdkugel! Und dennoch, m. H., dieses unendliche All mit seinem unendlichen Inhalt bildet eine einzige Einheit; sie alle, die großen Sonnen, mit ihren Weltkörpern, die kleinen Infusorien, die wieder, selbst für ungleich Kleinere zum Wohnplatz dienen, sie sind verbunden, mit einander zu Einem Ganzen. ES ist dies eine Thatsache, die Jedem. wie.: von selb wenn .er die ewige Ord-