Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1852)
- Date
- 1852-01-05
- Page
- Seite 20 (sequence 8)
- Language
- German
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20 tholischen Gemeinde. Die verfallene katholische Kirche ist zu einer festen und anmuthigen Synagoge geworden. Die . geistlichen Funktionen verrichtete Herr Rabbiner Di*. Rothschild aus Aachen. Nach dem letzten Gottesdienste im alten Betsaale (Mincha, Einleitung zum Gottesdienste am Vorabende des SabbatS und Abschiedsrede des Herrn Kantors und Lehrers Alsbach), bildete sich der Zug zur Übersiedelung nach der neuen Synagoge. Dort angekommen öffnete der Herr Rabbiner die Thüre mit dem Spruche: Ps. 118- 20. Darauf folgte Ps. 30 als Responsorium. Alsdann ein hebräischer Gesang: 'ii während der üblichen Umgänge (niOpn) und nach Beendigung derselben Einsetzung der Torarollen unter Absingung des Ps. 150. Darauf sprach der Herr Rabbiner bei geöffneter Lade " * * * * und ein deutsches Weihegebet. Nach, der Schließung der Lade begann ein deutscher Choral und der Herr Rabbiner bestieg die Kanzel. Derselbe, anknüpfend an die Wokte - "i-irrr (Mal. 3, 22.), welche oberhalb der-heiligen Lade in goldenen Buchstaben glänzen, predigte über Jes. 56, 7.: „Mein HauS soll ein BethauS genannt werden für alle Völker." Der erste Theil setzte auseinander, um was und wie man beten solle, und im zweiten, gestützt auf die „Bestimmung der israelitischen Bethäuser zu Bethäusern für alle Völker", folgte eine Vertheivigung des JudenthnmS und seiner Bekenner gegen den Grundsatz des religiösen Separatismus. Indem Redner ferner die Verfolgungen beklagte, welche Israel in Folge falscher Anschuldigungen seines religiösen Denkens und Lebens bisheran geduldet hat und zum Theil noch duldet,-forderte er die zahlreich versammelte christliche Bevölkerung der Stadt (die städtischen Behörden an der Spitze) zur Ablegung aller falschen Vorurtheile gegen und zum einträchtigen Zusammenleben mit Israel auf. Darauf folgte ein Schlußchoral, Schlußgebet und Segen und endlich ein musikalisches Nachspiel, woran sich das gewöhnliche sabbatliche Abendgebet reihte, mit Einlegung deutscher Gebete und Gesänge. Dieses Abendgebet verrichtete wieder Herr Kantor und Lehrer Alsbach. Den vollständigen Schluß bildete wieder ein deutscher Choral, gleich allen früheren Gesängen, mit Posaunenbegleitung. Am Sabbatmorgen hatte der gewöhnliche, aber bereits' schon früher durch Gesänge und deutsche Gebete in Etwas verbesserte Gottesdienst statt. Vom Streben nach weiteren Verbesserungen ist die ganze Gemeinde beseelt. Alt und Jung betheiligt sich am Chorgesang:-S Den Altärdienst verrichtete wieder Herr-Kantor und Lehrer Alsbach, die Predigt hielt Herr Kantor und Lehrer Weinberg. Unter den freiwilligen Spenden zeichnete sich die des Herrn Obervorstehers Hellwitz aus Soest - mit i 100 Thaler ruhmvoll auS. Die gehaltenen Reden werden im Druck erscheinen. Ein Konzert hatte am Freitag-, Harmoniemusik und Ball am Samstagabend unter überaus großer Betheiligung eines nahen und fernen Publikums statt. Die städtische Gesellschaft hatte bereitwillig ihre Kastnoräume dazu hergegeben und war auf dem Konzerte sehr zahlreich vertreten. Auf' dem Balle, der von israelitischen Theilnehmern überfüllt war, fehlten indeß auch die -christlichen nicht. Die kirchliche wie weltliche Feier hat auf fämmtliche Theilnehmer den besten Eindruck gemacht und die angenehmsten Erinnerungen zurückgelassen. Oesterreichischer Kaiserstaat. ‘ Wien, im Dezember. (Oestr. Bl.) An der hiesigen Universität ist kürzlich der Fall vorgekommen, daß ein Israelit die Rigurosa aus dem kanonischen Rechte machte. DaS Diplom als vr. juris canonici ist auch auSgefertigt, aber bis jetzt nicht unterschrieben worden. - —. An den Vorstand der jüdischen Reformgenossenschaft in Pesth ist kürzlich eine Weisung des VizebürgermeisterS ergangen, die von der Genoffenschaft abgesondert geführten Trau- und Geburtsmatrikeln unverzüglich dem Oberrabbiner Schwab zu übergeben, und künftig weder Trauungen, noch sonstige bürgerlich-religiöse Handlungen vorzunehmen. Die Schweiz. Bern, 19. Dezember. Der französische Botschafter in der Schweiz, Graf Reinhardt, soll, nach der Versicherung der Zeitung Patrie, in einer Note an den BundeSrath. erklärt haben, daß, wenn die Regierung von Baselland den 20. Dezember die Juden auS dem dortigen Kanton verweise, dasselbe-Schicksal ohne weiteres fämmtliche in Frankreich angesessene Schweizerbürger'am 1. Januar 1852 treffen werde. Der BundeSrath habe hierauf; sogleich einen eidgenössischen Kommissär nach Liestal abgeordnet. Die