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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-01-05 · Heft 2 (5.1.1852) · p. Seite 18

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 2 (5.1.1852)
Date
1852-01-05
Page
Seite 18 (sequence 6)
Language
German
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18 zu dem Quell deS wahren Lebens sie nicht führen! Französisch, Lateinisch, Musik, Tanzen, das darf nicht fehlen, da können die Lehrer nicht gediegen, nicht kostspielig genug sein, aber für das Erbe unserer Väter hat man keinen Sinn, da glaubt man genug gethan zu haben, wenn der Lehrer (so heißt der Schochet) mit dem Knaben Dawwnen (hebräisch lesen) und wenn es hoch kommt etwas Chamosch (Pentateuch) mit Raschi und unverstandener Mendelssohnsscher Uebersetzung lehrt. Kennen Sie, lieber Leser, vielleicht aus Ihrer Jugend noch das Cheder? Nun, der Name ist bei uns geschwunden,, aber die Sache geblieben, mit dem einzigen Unterschiede, daß statt des alten bärtigen polnischen Rebbi jetzt ein bartloser, aber oft noch unwissenderer Schochet das Schulzepter führt. Glauben Sie nicht, daß das Gemälde in zu schwarzen Farben aufgetragen, wahrlich es tbut dem Schreiber in der Seele weh, daß. dem so ist, und lieber möchten wir dem Leser ein heiteres Bild vorführen voll Sonnenschein und Blumenpracht, aber wir wollen nicht jenen falschen Propheten gleichen v'Hw 1^1 öiViö. . Dennoch giebt es würdige Ausnahmen und auch für diesen Erdwinkel gilt das bdr-nM ■jEböMsb •»5. Kolb erg hat an dem RabbrnatSkandidatenHerrn Leffer einen würdigen Leiter seinen religiösen Institute. .In Stolpe blüht die jüdische Gemeindeschule unter der Leitung des wackern Räbbinen Dr. Klein, der auch in seiner Gemeinde gemäßigte KultuSreformen eingeführt^ Derselbe ist kürzlich zum Räbbinen in Bromberg erwählt, wird jedoch auf den Wunsch seiner Gemeinde wol in Stolpe bleiben. Auch die kleine Gemeinde zu Belgard hat ihren schon früher eingeführten Verbesserungen durch die Anstellung eines Predigers den geeigneten Abschluß gegeben und ist im rüstigen Fortstreben begriffen. Wir haben Gelegenheit gehabt, in dem dortigen Dr. Jacobsohn, früher in Kempen, einen tüchtigen Redner und ausgezeichneten Schulmann kennen, zu lernen, der einen größern Wirkungskreis verdient, als ihn der kleine Ort zu bieten vermag. Wir machen größere Gemeinden auf diesen Mann aufmerksam, welcher Frömmigkeit mit. den Errungenschaften der neuern Wissenschaft vereint) dessen gediegene, pädagogische Kenntnisse ihn zur Leitung einer hohem, jüdischen Schule befähigen, so wie seine gehaltvollen Predigten den Hörer geistig anregen und erbauen.; Eins Schattenseite hierzu giebt Köslin, -wo seit der Entfernung des Dr. Jolowicz auch chev Reformgottesdienst aufgehört und die Gemeinde sich vollständig aufgelöst hat. Es giebt dort nur noch einen Schochet, welcher sich im Orte/und auf den Dörfern für seinen Unterhalt Subskribenten sammelt Won jüdischem Unterrichte ist keine Rede. Das Gotteshaus steht fast , verödet, einige jüdische neugeborene Knaben sind. nicht in den Bund des Judenthums ausgenommeneine jüdische Ehe ohne nsn nur vor dem Richter geschlossen! Ein Gesuch einiger weniger jüdischer Familienhäupter an die Regierung, die dortigen jüdischen Einwohner zur Erhaltung des:jüdischen Kultus zu nöthigen, ist abschläglich beschieden worden. Wir mögen in diesen Schilderungen nicht weiter fortfahren, es wird uns > weh dabei. und ahnend sprechen wir es aus: Es kann, es wird nicht so bleiben! Wie einst in Hispaniens blühenden Ländern als der Jude frei sich fühlte, und/auch damals wie jetzt der Götze des Tages so Manchen .verlockte, daß er untreu ward der Vater Sitte, plötzlich das Unheil hereinbrach und nun im Unglücke Israels alte Glaubenstreue sich bewährte; sollten auch uns Kämpfe bevorstehen, welche uns aufrütteln aus der Gleichgiltigkeit und der Nichtachtung deS heiligen Erbes der Väter? Borr der Mosel, 29. Dezember. (Privatmitth.) Unser Ländchen wird den Lesern dieses Blattes in diesem Jahre wol keinen: guten Wein schickender früh. eingetretene Frost ließ die Trauben nicht reifen. Als kleinen Ersatz dafür will ich Ihnen einige erfreuliche Mittheilungen über die Zustände der hiesigen jüdischen Gemeinden, und deren Kultus zukommen lassen, die unter dem wärmenden Strahle, des Zeitgeistes und einer reinen Religiosität erblühen und einer schönen Reife entgegensehen. Noch vor wenigen Jahren fand man im Konststorialsprengel Trier die Landgemeinden verwahrlost, ohne Synagoge, ohne Religionsschule, überhaupt ohne jede, einer, Religionsgemeinde nöthige Einrichtung, und daher kam es, daß viele Gemeinden in einen derart verwahrlosten Zustand geriethen, daß man es fürsehr schwierig, wenn nicht unmöglich halten mochte, aus diesem Chaos etwas Schönes, Geordnetes zu schaffend Seit dem Amtsantritt des OberrabbinerS, Herrn Cahn, ist das Alles anders geworden. Ueberall in den Gemeinden

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