Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1852)
- Date
- 1852-01-05
- Page
- Seite 17 (sequence 5)
- Language
- German
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17 Jacobsonsschule berufen. Daß er diesem Institute, seiner mütterlichen Führerin, lieber als jedem andern Wirkungskreise 'seine Kräfte weihte, versteht sich von selbst, und so begann denn mit dieser Berufung eine neue Epoche in dem. Leben unserS Hingeschiedenen. Mit unermüdlichem Eifer bemüht, die Zwecke der Anstalt zu fördern, war er nicht blos in der Schule als' treuer Lehrer thätig, sondern er ließ eS sich auch angelegen fein, als Chorführer und Organist im Tempel. den Gottesdienst zu heben und an dessen zeitgemäßer Umgestaltung mitzuwirken, und daß er selbst in seinem Alter noch dafür ein reges Interesse empfand, davon giebt seine 1849 erschienene Sammlung von Choralmelodien, so wie das theilweise vorbereitete Material zu einem projektirten Merkchen über die Liturgie des Jacobstempels in Seesen genugsam Zeugniß. Durch seine im Jahre 1835 eingegangene Verehelichung mit Dina Wohlwill, gewann er eine treue Lebensgefährtin, die bald Gelegenheit zur thätigen Mitwirkung in seinem Amte fand, als er 1840 die Stelle des Hausvaters an der Jacobsonsschule übernahm. Die musterhafte Uneigennützigkeit und die seltene Redlichkeit mit der er dieses Amt verwaltete, verdienen lobend anerkannt zu werden. So floß sein Leben, getheilt zwischen dem Amte und der Familie, ruhig hin, bis es durch den Tod der geliebten Gattin 1848 einen heftigen Stoß erlitt. Der Kummer über diesen herben Verlust war es auch ohne Zweifel, der seine sonst kräftige Gesundheit untergrub. Da überdies die Verwaltung der ökonomischen Verhältnisse deS Institutes durchgreifend reformirt werden sollte, so trat er auS seiner bisherigen Stellung aus, behielt aber düs Lehramt, die Chorführung und die Kaffenverwaltung bis an sein Ende bei. —Im Jahre 1850 schritt er zur zweiten Ehe, die nur zu schnell durch den Tod aufgelöst Werden sollte. Am 18. v. M. noch in seinem Amte thätig, zog er'sich eine Erkältung zu, zu der sich ein Lungenfieber gesellte, das den in der letzten Zeit ohnehin schwachen Greis so sehr angriff, daß er am 28. desselben MonatS seinen Geist aufgab, nachdem er 41 Jahre an der Jacobsonsschule gewirkt. Von der Theilnahme und Anerkennung, die der Hingeschiedene innerhalb und außerhalb seines Kreises gefunden, zeugt die trotz des schlechten Wetters zahlreiche und herzliche Betheiligung an seinem Leichenbegängniß, so wie die angemessene und würdige Todtenfeier, die ihm zu Ehren in dem Tempel veranstaltet wurde. Außer seinen vielen Freunden und Bekannten betrauern ihn eine betrübte Gattin und zwei niedergebeugte Kinder. Friede seiner Asche! Preußen. AuS Hinterpommer«, im Dezember. (Pr,- vatmitth.) Schon in längerer Zeit haben wir Nichts auS diesem Winkel unsers Vaterlandes mitgetheilt, der entfernt von den Hauptstätten geistiger Regsamkeit so wenig darbietet, was für größere Kreise der Aufmerksamkeit werth wäre. ES ist ein Stillstand eingetreten in dem Leben deS Judenthums, so weit wir es hier vor uns haben, der traurig und öde, dem .schauenden, geistigen Auge einen unerquicklichen, ja schmerzlichen Anblick gewährt und die Seele mit trüben Ahnungen erfüllt. Was soll aus der Zukunft des Judenthums werden, wenn es, was Gott verhüten wolle, allenthalben so wäre! Die Alten gedankenlos die gewohnten Formen der Religion übend, ohne Sinn, ohne Gefühl für deren geistigen so lebensvollen Inhalt; die Jungen ohne Kenntniß wahren Judenthums, über die Formen leichtsinnig, ja spöttelnd sich hinwegsetzend, nur materiellem Erwerbe nachjagend und in sinnlichen Genüssen die Kräfte deS Geistes und des Körpers vergeudend, das ist das Bild der Judenheit hier zu Lande! Und die Gemeinden? Was können sie wirken, was bieten, wenn die Individuen des Interesses für die väterliche Regierung ermangeln, welches allein die Opfer bewirken kann, die zur Erhaltung gemeinsamer Institute nothwendig? Es ist in der That nur noch Gewohnheit, welches in den meisten Städten das lose Band zusammenhält und oft leider nur Oppositionsgeist, der das Interesse wach erhält. . Wie sollte aber es auch anders sein? Es ist häufig genug in diesen. Blättern wiederholt, nur die Schule (natürlich nicht ohne Haus) kann uns das Judenthum erhalten. Tüchtige, von ihrem Berufe erfüllte Jugendlehrer sind die unserer Zeit, die wie einst in jener uralten Zeit der Zerrüttung, den väterlichen Glauben bewahren und weiter tragen für die Zukunft. Ach, könnten wir doch dies Wort eindringlich machen allen jüdischen Familienvätern, die ihren Kindern Alles lehren, lassen, was dazu gehört, das Leben zu erhalten und zu verschönern, und