Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1852)
- Date
- 1852-01-05
- Page
- Seite 16 (sequence 4)
- Language
- German
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der Israeliten besprochen. Der verehrte Redakteur dieser Blätter hat Recht, wenn .er darauf hinweist, wie Noth eS thue, daß die Juden im Kampfe gegen die Unduldsamkeit zusammenstehen; unb vereint mit den Stoffen des Waffen des Geistes auf der Arena erscheinen. Prinz Karl v. Wallerstein, ein Ritter deS königl. baierschen ReichsrathS, zugleich württembergischer Standesherr, ist Berichterstatter. Er will die Juden auf den antediluvianischen Standpunkt zurück versetzt wissen. Judenschutz- und Dienstgelder vermehren das hochfürstliche Aerar, er möchte ungern davon lassen. Direktor des Obertribunals v. Harpprecht sagt: Ihm wäre eine Rückkehr zu den früheren staatsrechtlichen Verhältnissen der Juden, nach Aufhebung der Grundrechte, lieber gewesen, und er wünsche nur, daß sich die Gerichte niemals über diese Vorschriften aussprechen müssen. Die Juden seien durch dieselben außerordentlich begünstigt, was sie eigentlich nicht verdienen, wenn man ihr politisches Betragen seit dem März 1848 betrachte. Außerdem verbinde, nach Ansicht der Juden, der in den Grundrechten vorgeschriebene Eid sie nicht und nur der talmudische sei ihnen heilig — more judaico? —; auch habe man ihre verderbliche Hofmezgerei nicht verboten. DepartementSchef Freiherr v. Linden nimmt die Juden in Schutz und verspricht durch baldige Einbringung eines Gesetzentwurfs ihre bürgerlichen Verhältnisse zu regeln. — Ueber die Aeußerung des Herrn v. Harpprecht sollte die israelitische Oberkirchenbehörde resp. ihr gelehrtes theologische Mitglied sich auSsprechen, da der Talmud gerade in Beziehung auf die Eidesleistung sehr skrupulös sich ausspricht und die Juden den Ruf der Heilighaltung deS EideS sich durch alle Zeiten bewahrt haben. Im königl. Staatsanzeiger ist die Stelle eines Vortragenden Mitglieds bei der königl. israelitischen Oberkirchenbehörde mit 900 fl. Gehalt ausgeschrieben. Meldungstermin drei Wochen. — Rabbiner Kauffmann in Laupheim ist durch königl. Mimsterialbeschluß seiner Stelle enthoben und eine Sustentation ihm zuerkannt worden. Auf das Rabbinat Laupheim wurde Rabbiner Wälder aus Berlichingen befördert. Ein Kuriosum muß ich aus einem württembergisch-baierscben Grenzorte berichten. In Ederheim, RabblnalS Wallerstein, ist der Kopf einer jüdischen Frau sörmllch in Brand gerathen, auS dem Haupthaar sprühen glühende Funkendie zünden: Die' ganze medizinische Welt ist über dieses Phänomen in Attarm gebracht. Die Frau glaubte sich von Dämönen geplagtdie in ihrem Innern hausen und Funken sprühen. Ein Rabbiner von hyperorthodorer Richtung hat mit Amuletten die Dämonen vertreiben wollen; aber Dämonen lieben gewöhnlich cherthvolle Kameen, sie sind nicht gewichen. Dem Arzte aber waren sie gehorsamer, er ließ die Kopfhaare abrasiren, daS Haupt mit Lehmumschlägen bedecken und daS Feuer ist gestillt. . In der Literatur der rite kommt ein derartiger Fall nicht vor, selbst Liebig hat ihn bis jetzt nicht gekannt. Seesen, 2. Dezember. In diesen Tagen ist unsere Jacobsonsschule durch daS Ableben ihres im Schulamte ergrauten Veteranen Herrn Gerson Rosen st ein in Trauer versetzt worden, und wenn auch sein Andenken ohne weitere Anregung in den Herzen seiner zahlreichen Schüler und. Freunde stets fortleben wird, so hat er es doch wol verdient, daß ihm auch in diesen Blättern ein Denkmal der Erinnerung gesetzt werde. Am 11. Dezember 1790 in Holzminden an der Weser geboren, zeigte er schon früh treffliche Anlagen, für deren Entfaltung er in der damals neugegründeten Jacobsonsschule, in die er wegen der Mittellosigkeit seiner Eltern kurz nach ihrer Eröffnung (1801) ausgenommen wurde, die günstigste Gelegenheit fand. Wol mochte er eS damals noch nicht ahnen, daß die Anstalt, der er die Grundlage seiner Bildung verdankte, auch der Schauplatz seines Wirkens für seine ganze Lebensdauer werden' würde, daß die Schule, die in ihm die schlummernden Kräfte des Geistes geweckt, diese in ihrem eigenen Dienste zurückfordern würde, bis sie einst versiegt sein würden. Nach einem sechsjährigen Aufenthalte in der Jacobsonsschule, wo er sich die.Liebe aller seiner Lehrer erworben hatte, kehrte er 1807 in seine Heimath zurück, frequentirte zu seiner weitern Ausbildung zwei Jahre daS dortige Gymnasium und wurde dann durch die abermalige Unterstützung seines, menschenfreundlichen WohlthälerS/ des Präsidenten Israel Jacobson, in den Stand ^gesetzt, noch ein Jahr daS Martineum in Braunschweig zu besuchen. Hierauf wurde er als Lehrer an die