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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-01-05 · Heft 2 (5.1.1852) · p. Seite 15

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 2 (5.1.1852)
Date
1852-01-05
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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15 Liner und der Kantor Dich in die Pforten einführten und Dir feierlichst -Trost zuriefen. — O, dachte ich und sah unverwandt nach dem Fenster, da steht mein armer Michel und sieht mit . feinen von Thränen befeuchteten Augen Ln das erleuchtete Gotteshaus, und die vielen brennenden Lichter blenden ihn ganz gewiß und es erfüllt ihn mit großer Wehmuth, wenn er denkt: da drinnen sind so Biele, die Alle ihre Weiber noch zu Hause haben, und wenn sie heimkehren, finden sie den Tisch gedeckt und die Lampe schon angezündet und rufen ihnen: Friede mit Euch! mit . Euch Friede! zu.; Dü . ab er harrest hier als Leidtragender auf den Einlaß, und wenn Du heim kommst, ist Deine Rosa nicht mehr da, und es ist leer und unheimlich in dem Stübchen. So oder ähnlich hast Du gewiß gedacht, Michel, und als ich mir das vörstellte, kamen auch mir Thränen der Rührung in die Augen, aber ich betete dann für Dich, daß unser Herr Gott Dir Trost und MUth in's Herz senken Möchte und bei dem PsalmverS: „Schön-ist's, dem Ewigen zu danken!" sagte ich still: Ja für das Gute und für das Böse. — Nun also, lieber Michel, Deine Rosa ist tobt Und alles Weinen und Härchen bringt sie nicht wieder zurück. Will Dir auch nicht mit dem gewöhnlichen, wenn auch ganz wahren Tröste kommen, daß Du Deine Rosa einst wieder im Himmel antreffen und Dich mit ihr dort wieder vereinen werdest. Das weißt Du auch, hilft aber doch für den Augenblick wenig, vielmehr wünsche ich, daß diese neue Bereinigung noch recht lange vom lieben Gott hinausgeschoben werde, daß Du also noch lange hier auf Erden lebestdenn Du mußt noch Deine Kinderchen erziehen und sollst an ihnen noch Freude erleben. Aber ich will Dich noch an Anderes erinnern. Wenn Du so recht Deine Rosa vermissest, wenn Du zum Beispiel am Abönd heimkehrst, nachdem Du am Tage Deinem Geschäfte obgelegen, um Dich und Deine Kinderchen zu ernähren und mit Ehren zu bestehen, wenn dann Dein Weib fehlt, die Dir den schweren Packen abnimmt und Dir trockne Wäsche reichet und die Speisen von Mittag wärmt und theilnehmend fragt: Wie. ist es gegangen, lieber Michelhat Gott Deinen Weg . beglückt? wenn Dir dann, so schlecht zu Müthe ist und Du Dich rmgkücklich fühlst — dann, ja dann trete doch auch an's leere Bett Deines Weibes, worüber seit vielen Äonaten Meder die weiße Decke gebreitet ist, und denke: Nunist sie aller ihrer Schmerzen ledig, nun braucht -sie nicht -mehr zu seufzen und zu stöhnen, nun liegt sie nicht mehr ick stechenden Schmerz und im brennenden Fieber, nutr ist alle ihre Angst und Nottz vorbei und die geschwollenen Füße ürtb die zerstörten Eingeweide plagen meine Rosa nicht mehr und verwesen im Grabe. Düs ist doch der größte Trost, wenn wir Wissen,' unsere Lieben leiden nicht mehr und, da der irdische' Atzt die Glieder nicht heilen konnte, hat sie der ewige, himirtlische Arzt, unsek Herr Gott, geheilt und sanft gebettet. Aber, wenn auch die Glieder im Grabe verwesen, der Geist Deiner Rösci, der mit so vieler Liebe für Dich üNd Deine Kinder gesorgt, der immer Alles voraüsfah, waS euch fehlen oder gut thun konnte, der kann doch nicht, wie die Glieder, verwesen. Sagt nicht auch die Schrift: Der Staub kehrt zum. Staube zurück, von dem et genommen, aber der Geist zu Gott, der ihn gegeben. Ja, lieber Michel, die Liebe Deiner Rosa liegt nicht im Grabe. Wenn sie aber da nicht ist, so muß dieser liebe Geist sich überall hinbegeben können, wo er will, wenn er auch nicht überall zugleich sein kaün, wie der große allmächtige Geist, unser Herr Gott. Wo wird aber der Geist deiner Rösa am Liebsten weilen? Wird er nicht sv viel wie möglich bei Dir und ihren Kendern sein, euch umschweben, an eueren! Freuden Und Leiden Theil nehmen, für euch sorgen Und Längeneuch beschützen, wo und wann er es vermag und endlich für euch beim großen Gött und Vater beten und bitten, da Rosa ihm jetzt so nahe steht. Darum, lieber Michel, Deine Rosa hat Dich nicht Verlässen, sie ist noch in Deinem Stübchen, sie steht Noch her den Bettchen Deiner Kinder, sie sieht sie, wenn sie sich niederlegen, wenn sie schlafen und aüfstehen, sie hört noch ihr Weinen und ihr Rufen, ihr Singen und ihr Beten. Nein, lieber Michel, sie ist nicht fort, Deine tteue Rösa, das kranke Gebein ist nur kort, sie selbst wirb Dich nie verlassen, besonders wenn Du Deine Kinderchen' fein zu Gott änhältst und zu frommen und btäven Israeliten und ssekßigett Bürgetn erstehest/ Das habe ich Dir nur sagen wollen, sieh varäri'meine Theklnahcke und wie lieb ich Dich habe. Nun/leb* wohl, schreibe Dir wol bald wieder. Drin Freund S. Zeitnngsnachrichten. Deutschland. Aus WÄrttembeeg, 25. Dezember. (Privatmitth.) Die Kammer der Skändesherren h«t in ihren Verhandlungen auch die königl/ Verordnung rN Betreff der Regelung der bürgerlichen Vethältniffe

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