Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1852)
- Date
- 1852-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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10 Immobilien einziehen, 1269 legte^ er ihnen ein Abzeichen auf, 1270 nahm er ihnen das Recht, irgend ein Zeugniß vor Gericht abzulegen. Philipp III. verbot 1280, daß ein Christ bei einem Juden in Diensten stehe (noch 171? wurde dies erneuert, 1766 modisizirt.) Wie sehr die Juden damals leibeigen waren, ersieht man daraus, daß Philipp IV. 1296 seinem Bruder einen Juden schenkte, und in demselben Jahre für 300 Livres einen taufte; 1311 verjagte er särmntliche Juden aus dem Königreiche. Ludwig X. ließ sie zwar 1315 wieder zu, aber unter den drückendsten Bedingungen und als zugehörig den Herren der Orte, wo sie wohnen. Philipp V. erließ eine Ordonnanz 1317, die ihnen einigen Schutz für ihr Leben gewährte, 1318 verbot er ihnen alles Ausleihen. Philipp VI. verbot, den Juden, was man ihnen schuldete,zu zahlen. Im Anfang seiner Regierung schien Johann II. den Juden freundlich, er erließ 1360 und 1361 Befehle, die ihnen ein sicheres Wohnen, Handel und Wandel verhieß, aber schon 1362 führte er auf's Strengste die Abzeichen auf den Kleidern wieder ein. Karl V. zeigte sich als Weiser gegen sie, 1368 verbot er, sie zwangsweise in die Kirchen zu schaffen, 1372 und in den folgenden Jahren bestätigte er ihre Privilegien, und verbot von einem getauften Juden eine Anklage gegen einen Juden anzunehmen, wenn er nicht Bürgschaft für die Beweisführung gäbe. Unter Karl VI. das Gegentheil. 1389 fanden jene fürchterliche Metzeleien durch daS Volk statt, welches verschuldete Edelleute aufgehetzt hatten; 1383 legte er ihnen neue Zölle ertra auf, obgleich ihre Zahl durch die Metzeleien sehr verringert war, -mußten sie dieselben Abgaben aufbringen; "1394 verbannte er sie aus seinem Reiche; bis 1397 wiederholen sich die Dekrete, durch welche alle Schuldverschreibungen an Juden für nichtig, alle Schuldner für zur Zahlung unverpsiichtet erklärt wurden. Erst Heinrich II. gestattete .1550 den spanischen, portugiesischen, und avignoner Juden. sich : wieder niederzulassen und den Handel frei zu üben. Diese Privilegien wurden 1575 von Heinrich dem III., 1656 von Ludwig XIV., 1725 von Ludwig XV., 1776 .von Ludwig XVI. bestätigt. Gerade diese Juden affimilrrte 1790 die constituirende Versammlung den übri- -gen Franzosen, bevor sie noch über dir anderen Juden Beschluß-faßte.;v: (Fortsetzung folgt.) tttri o f a ttt. Auch ein Künstlersonper. E. Kossak erzählt im „Echo" nach den Mittheilungen eines Cellisten Folgendes: Das Konzert war zu Ende. Gustkow hatte die beiden Zauberstäbchen in die tiefen Taschen seines weiten seidenen Judentalars gestellt; die hohe schwäre Mütze des Konzertkostüms war mit einer Pelzkappe von gediegener Unrei'nlichkekt vertauscht worden und Gusikow rüstete sich, mit seinen beiden Vettern nach Hause zu gehen. Der Sturm tobte draußen, der Regen stoß in Strömen, aber Das verhinderte den Mann nicht, der so eben zwölfhundert Thaler eingenommen, trotz seiner hektischen Konstitution fünf Groschen für eine Droschke zu ersparen. ' Noch standen wir am Ausgange des Konzertsaales im königlichen Schauspiele, als Gusikow sagte: „Heute bleiben Sie bei mir, heute ist ein festlicher Tag!" Ich war erfreut, denn die heitere Laune des bevorstehenden Soupers würde, so hoffte ich, den elgenthümlrchen Mann zum Sprechen bringen. Wir gingen, hinter uns die Vettern, der jüngere mit dem Holz- und Strohinsirument in einem Sacke, der ursprünglich zu Haber und Häcksel geschaffen worden war. Wir kamen zu Hause an; , aber da waren keine Vorrichtungen zu einem Nachtessen. Statt einer festlichen hellleuchtenden Lampe wurde ein Dreiertalglicht angezündet, ein Tisch vor den großen schwarzen Kachelofen gerückt und wir nahmen alle Viere Platz. „Speisen wir!" rief.der Virtuose in seinem jüdischen Dialekt. Verwundert sah ich mich um. Wat es nicht möglich, daß der Wundermann, der trockenen Hölzern Silberklänge zu entlocken verstand, auch aus einer dürren Tischplatte irgend ein ragout fm oder eine Trüffel- Pastete zaubern konnte? Es ging indessen Alles auf natürliche Weise zu. Gustkow gab dem jüngeren Vetter einen Wink, derselbe öffnete die Ofenthür und zog einen Teller heraus, auf dem von Mittag her ein großer Hechtkopf lag. Gusikow nahm den Teller mit dem Hechtkopf und entkleidete ihn der eßbaren Therle. Die Vettern faßen dabei und sahen auf sein Beginnen, wie zwei Katzendie durch eine besondere Protektion der Köchin beim Zubereiten der Fische in' der Küche verweilen dürfen und stch sittig gebärden, in der geheimen Absicht, so wie die Köchin wegsieht, ein Stück Fisch zu stehlen. Der Virtuose war