Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1852)
- Date
- 1852-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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11 indessen ein Mann von Mäßigung; als geborenes Genie hatte er Achtung vor allen großen Köpfen und schonte den Hecht in den wesentlichen Theilen; er schob also denselben dem älteren Vetter zu. Dieser entblödete sich nicht, den Hechtkopf einer strengen Prüfung zu unterwerfen; lange und mit wissenschaftlicher Genauigkeit wandte er ihn hin und her, endlich war kein Stoff zur Untersuchung mehr vorhanden, und der jüngere Vetter, derselbe, der den Sack getragen hatte, erhielt den Hecht. Hatte ich bisher mit stummer Bewunderung, die nicht ganz frei von sehr viel Ekel war, der Kunstreise des Hechtes zugesehen, so stieg jetzt mein Staunen auf den höchsten Grad, als ich den jüngeren Vetter mit einer Meisterschaft , die von jahrelanger Uebung zeigte, feine Präparationsversuche beginnen sah. Bisher hatte ich geglaubt, daß nur die Präzision der Katzen mit dieser herrlichen Oekonomie Fische essen können; dieser Vetter stand über den Katzen. Endlich verschwand der Teller, ich weiß nicht, ob noch Jemand seiner harrte; meinen Blicken ward er aber entzogen. Während dieser Zeit hatte der Virtuose, seinen edelgebildeten patriarchalischen Kopf in die blasse Hand gestützt, den Vettern zugesehen, mit einem Lächeln, in dem sich Mißbilligung über der Vettern Gefräßigkeit und Unersättlichkeit nicht verkennen ließ. Wir sprachen unterdessen von seinen Reisen; ich fragte ihn, denn diese Frage durfte ihm wol die liebste sein, wo er das meiste Geld verdient habe? „Wo denken Sie wol?" fragte er mit einem verschmitzten Lächeln. Ich riech auf einige Landstriche in der Wallachei, wo, wie ich wußte, die Dukaten noch zu gedeihen pflegten. Er schüttelte ironisch lächelnd seinen Lockenkopf. „In Sibirien." „In Sibirien!" rief ich erstaunt, denn ich konnte mir bei dieser geographischen Reminiszenz nur einen Landstrich denken, statt Beifall nur Prügel klatschten und wo man keine andere Musik hörte, als die Seufzer der Unglückseligen. „Za in Sibirien!" Und er erzählte noch Vieles von der Wohlhabenheit der Städte, von ihrer aufblühenden Kultur, welche von all den Verbannten herrührt, die sich nach übcrstandener Strafzeit dort niederlassen und ihren Geist, den man in Rußland nicht dulden wollte, den fernen Völkern einimpfen. So viel erzählte er, daß ich am Liebsten noch an demselben Abend nach Sibirien gegangen wäre. Mittheilungen aus dem Oriente. (Fortsetzung.) Die Elementarschulen der Muhamedaner in Jerusalem. ■ Ihr Zustand läßt am Besten auf den Grad der Wissenschaft und Bildung schließen. In einigen Straßen findet man feuchte, finstere Keller, in die daS Licht durch eine offenstehende Thüre kömmt; Fenster giebt eS keine. Auf dem, Boden ist eine große Strohdecke auSgebreitet, auf dieser sitzen, die Füße untereinandergebogen, in einem Kreise 10—15 Knaben von 5—12 oder 15 Jahren. In der Mitte sitzt der Lehrer mit langem Stocke. Fast jeder Knabe hat eine kleine hölzerne Tafel vor sich, worauf einige arabische Buchstaben gezeichnet find. Ein wenig Lesen und Schreiben das ist der Glanzpunkt der orientalischen Schulen. Man findet hier wenige Bürger, die ihre Mutter- oder Landessprache lesen oder schreiben können (man findet darum besondere kleine Nieschen, worin hochgelehrte Männer sitzen , die für's Geld Briese lesen und schreibend.), wer es wirklich vermag, der gehört zur höchsten Klasse. In den Schulen wird besondere Aufmerksamkeit gerichtet auf das Gebetelesen und auswendigsagen, zumal all die Formeln singend oder girrend vorgetragen werden. In weiter Entfernung ' hört man das Gebrumme der Knaben. Beim Unterrichte im Beten sind sie so unruhig, wie es die alten Juden gewesen und noch find. Sie schütteln mit dem Kopfe .bei ihrer Andacht — und so scheint nun diese Gewohnheit, die noch jetzt in Polen so gebräuchlich ist, eine orientalische Sitte zu sein. — Ein blinder oder krüppelhafter Muhamedaner wird gewöhnlich um sich seine Existenz zu sichern — Lehrer. Zn der Mitte des .Schulzimmers oder Kellers ist gewöhnlich die Gruft eines Schechs, und sie fitzen an dem Grabe umher und halten ihr womento mori. Ihre Schulzimmer sind oft elender wie ein Viehstall in Europa und ein Leichengeruch verpestet die Luft. Die Lektüre der Muhamedaner beschrankt sich nur auf den Koran, gedruckte Werke sind ihnen ein Greuel, und Druckereien kennen die Muhamedaner nicht. Ihre Erdkunde reduzirt sich auf null, und mir erzählte einst ein sehr gelehrter Derwisch, Laß er von Sudan (in Mitrelafrika) in einigen Wochen zu Land nach > Ostindien reiste, das in der Nähe biege (?). Der gelehrte Europäer und Forscher: ist dem Muhamedaner eine lächerliche Person und wird „Zteida Müschnun“, dieser ist wahnsinnig, genannt. Das begreifen sie nicht, wie solche unbedeutende Spielereien Interesse haben können.