Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1852)
- Date
- 1852-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Durch das Resultat dieser Wahl sind wir zu dem Schluß berechtigt,, daß, wenn, wie unsere Tories behaupteten, die Wiederwahl eines Konservativen im siebenten Bezirk ein Zeichen der Aenderung der öffentlichen Meinung war, diese öffentliche Meinung sich wieder völlig geändert hat. Am Dienstag begab sich Herr Joel For auf das Rathhaus und leistete in Gegenwart des MayorS C. Winter Esq. den Huldigungseid und gab die Erklärung seiner Befähigung ab, wie sie für Personen jüdischen Glaubens vorgeschrieben ist. Die Schweiz. Baselland, 15. Dezember. (Privatmitth.) Erlauben Sie mir, Ihnen zwei Korrespondenzen aus dem gediegensten Schweizerblatte, dem Ln Bern erscheinenden „Bund" mitzutheilen, um die hiesigen Verhältnisse richtig zu beurtheilen. „Schreiber dieses hat sich nicht zur Aufgabe gemacht, eine Apologie der Juden zu geben. Allein haben die Juden ihre Fehler, so sind auch die Christen nicht vorwurfsfrei. Soll im 19ten Jahrhundert über eine ganze Religionsgenossenschaft so unbarmherzig, mir Nichts dir Nichts, der Stab gebrochen werdend Ist so mancher Vorwurf, der den Juden gemacht wird, nicht unbegründet, so ist es die Aufgabe des Gesetzes, dafür zu wachen, dieselben in Schranken zu halten. Sind die bestehenden Strafgesetze nicht hinreichend, so können dieselben verschärft werden; aber nicht gerecht ist eS, die Gesammtheit für den Einzelnen verantwortlich zu machen. Uebrigens hat Baselland durchaus nicht Ursache, mit solcher Schärfe gegen die Juden einzuschreiten. Die Zahl der Juden, die in unserm Kanton Waarenlager haben, beträgt im Ganzen 4, welche sämmtlich in ihren Gemeinden als thätige, steißige und rechtliche Männer bekannt sind, denen sonst kein Vorwurf gemacht werden kann. Es ist daher ebenso lächerlich als ungerecht, wegen unbegründeter und übertriebener Besorgnisse ein so hartes, drakonisches Gesetz zu erlassen. Gestehen wir es uns offen, der ganze Gruud des erhobenen Sturmes gegen die Juden ist, daß man ihre Konkurrenz nicht dulden will. Aber machen nicht die Schweizer auch in anderen Ländern Konkurrenz??*) Und was wür¬ *) Man denke z. V. an die schweizer Konditoren, die den wir sagen, wenn auch andere Länder gegen uns so hart verfahren würden? Je nun was wir nicht gerne haben das man uns thue, daS sollen wir auch keinem Andern thun, möge er Christ oder Jude sein." Die züricher Korrespondenz, welche Sie (aus der Magdeburger Zeitung) in No. 50 Ihres Blattes wiedergeben, verdient die Berichtigung, baß in St. Gallen den Juden ja gestattet ist eine Wohnung zu miethen und eigenen Herd zu führen, worüber in Ihrem Blatte No. 3 dieses Jahres hinlänglich Erwähnung gemacht worden. Ferner: „Veto gegen das Judengesetz. Es hat sich vor wenigen Tagen im waldenburger Thal ein Konnte von 7 achtbaren Männern gebildet, die einen gedruckten Aufruf ergehen ließen zur Ergreifung dieses Veto. Die Sprache dieses Aufrufes trifft so ziemlich mit dem Volksgeschmacke zusammen. Uns hatte eine in Einzelnheiten würdigere Sprache den Behörden gegenüber mehr zugesagt. Die darin enthaltenen Befürchtungen wegen der Regierung von Frankreich finden wenig Glauben. Gegenseitige Beschuldigungen werden bereits in der Bevölkerung laut. Die, welche die Ausweisung der'Juden betrieben, werden angeklagt, nur den eigenen Vortheil im Auge gehabt zu haben; die, welche nun das Veto betreiben, werden jetzt wieder mit gleicher Münze zurückbezahlt. Namentlich will sich ein zwar unverbürgtes Gerücht geltend machen, die Juden hätten einentheils Versprechungen gemacht, anderntheils ihre Schuldner mit Betreibungen bedroht. Die Regierungsbeamten sind der Ansicht, mit dem Durchdringen des Veto vergebe Baselland für immer das Recht, die Juden fern zu halten, und bedauern (!!) die Folgen dieses Rechtsverlustes. Die in Liestal erscheinenden Blätter haben die Sache noch nicht besprochen. Der „Bafelbieter" ist entschieden für das Veto, wie er entschieden ein Gegner der Regierung ist. Landrath Walser sagt in seinem „Volksblatt": „Dieses Veto wäre Wasser auf unsere Mühle, weil wir uns im Landrath gegen das fragliche Gesetz ausgesprochen haben. Dennoch rächen wir, die Sache lieber liegen zu lassen wie sie liegt, wenn man nicht den Muth oder die Kraft hat, bas ganze Unrecht abzuschaffen, und die Juden mit anim Auslande sich Reichthümer erwerben und Bedürfnisse erwecken, die nicht zu den unentbehrlichsten gehören. Red. d. A. Z. d. Zud.