Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-01-01 · Heft 1 (1.1.1852) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 1 (1.1.1852)
Date
1852-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225768-3225770--12161-3242312
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

5 jede verfassungsmäßige Hilfe gern gewahren. — Dies ungefähr ist der Sinn des von der Mehrheit angenommenen Gutachtens, welches neben dem eigentlichen Resultate dem Senate zugleich mitgetheilt werden soll. Weimar, 1. Dezember. Die offizielle „Weiinarsche Zeitung" erörtert heute abermals die Folgen des Bundesbeschlusses vom 23. August und kommt zu dem Resultat, „daß weder das Ablösungsgesetz, noch die Gesetze über die Verbindlichkeit zum Kriegsdienst, über Aufhebung des IagdrechtS, über die Emanzipation der Juden, über die Angelegenheiten der Schule, über Aufhebung des Lehnsverbandes, noch die «über die Justizreform erlassenen Gesetze und Vorschriften, mit den Bundesgesetzen und den ausgesprochenen Bundeszwecken im Widerspruch ständen. Krefeld, 15. Dezember. (Privatmitth.) Das Haus M. A. von Rothschild in Frankfurt hat zum Baue der hiesigen neuen Synagoge der Gemeinde ein Geschenk von 500 Thlrn. gemacht, was gewiß verdient veröffentlicht zu werden. Der Bau schreitet rasch voran und schon erhebt sich über dem schönen Gebäude ein hohes Balkenwerk, welches eine stolze Kuppel verspricht. Es ist eine Freude zu sehen, wie trotz der außergewöhnlichen Lasten, die die hiesige — im Allgemeinen nicht sehr vermögliche — Gemeinde jetzt zu tragen hat, doch noch Jeder — selbst der Aermste — willig sein Schärslein zur Ausschmückung im Innern des Gotteshauses hergiebt. Gebe Gott, daß ihm die wahrhaftige Ausschmückung — der erhebende, zur Andacht stimmende Gottesdienst nicht mangeln werde, denn wir müssen leider bekennen, daß hier diese hochwichtige Sache noch sehr im Argen liegt; aber wieder erfreulich ist zu hören, wie selbst der starrste Orthodoxe sich gesteht, daß es so nicht bleiben könne — und fragt uns Einer verwundert, warum es bis jetzt so geblieben, so dürfen wir kühn ihm antworten, daß der Grund größtentheils in der Räumlichkeit deS bisherigeu Bethauses zu suchen sei. Hier, in diesem, steht die Menge der frommen Seelen dicht gedrängt beisammen; kehrt der Eine sich, gleich müssen sich ein halbes Dutzend wenden und — — hin ist alle Andacht. Wie kann auch das Herz sich ruhig stimmen, wenn die Rippen noch in Gefahr schweben. Alles Ordnen wäre verschwendete Mühe gewesen. Doch müssen wir auch gestehen, daß in unseren Mauern auch manches wilde Pflänzchen der Hyperorthodorie noch wuchert; — aber unser würdiger Rabbine denkt schon besorgt daran, wie Noth eS thue, den neuen Tempel durch restaurirten Gottesdienst zu weihen. Freilich darf man keine Riesenschritte erwarten und wären Solche auch nicht weise, denn nur das allmälige Vorwärtsschreiten thut dem Geiste und Gemüthe gut. Herr Oberrabbiner Bodenheimer hält noch immer allsabbatlich seine religionsphilosophischen Vorträge über das Buch Kosri, welche von dem größten Theile der Gemeinde gern gehört werden. W. Oesterreichischer Kaiserstaat. SSSien, 17. Dezember. Mit dem neuen Jahre erhofft man auch die Organisation der jüdischen Synagoge und ihres Unterrichtswesens. Peflh, 17. Dezember. Dem Const. Bl. a. B. schreibt man: An den Vorstand der israelitischen Gemeinde kam von Seite der Statthalterei der Bescheid, daß der projektirte Bau eines neuen Tempels erst dann in Angriff genommen werden kann, wenn die Organisation der Schul- und KultuSangelegenheiten vollendet sein wird. Lemberg, 10. Dezember. Die Partei des Obskurantismus im Judenthume findet sich durch die neuesten Maßregeln, welche die Regierung zur Verhinderung eines weitern Umsichgreifens deS Chassidismus in Galizien erlassen hat, nicht abgeschreckt und wirkt nun im Geheimen durch Verbreitung von zahlreichen, für di'e Moral und die Gesellschaft gleich schädlichen Schriften. Man versuchte in den letzten Monaten auch kabbalistische Werke aus den früheren Jahrhunderten, durchgehend mystischen Inhalts, namentlich aber auch den berüchtigten Schar, die in vormärzlicher Zeit in Oesterreich verpönt waren, in neuen Auflagen zu veröffentlichen. Es soll hier nur bemerkt werdet:, daß eben diese Literatur jenen geist¬ und gemüthverderbenden Chassidismus begründete. Wahrend des Ausnahmezustandes, in welchem bei uns jede Drucklegung das Imprimatur der kompetenten Behörde zuerst erhalten muß', wußte Män auch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.