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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-12-15 · Heft 51 (15.12.1851) · p. Seite 609

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 51 (15.12.1851)
Date
1851-12-15
Page
Seite 609 (sequence 9)
Language
German
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die Schule, mit vielen Opfern dieses Haus wieder erbaut wurde. Nachdem der Redner noch auf einen Gegenstand, den hebräischen Unterricht, der in der Schule nicht ertheilt wird, aufmerksam gemacht und allen Behörden, die sich sowol in materieller als geistiger Hinsicht um sie Verdienst erworben, Namens derselben Dank abgestattet, schloßer mit einem schönen und innigen Gebete für das Wohlergehen des Königs und Vaterlands, der Regierung und der städtischen Behörden, und endigte mit dem biblischen Segen, den der Herr der Schule in reichem Maaße ertheilen wolle, der Schule, deren glückliches Gedeihen ihm und nicht minder seinen Amtsgenossen so sehr am Herzen liege. Der 15üste Psalm: „Preiset den Herrn in seiner Heiligkeit", der in hebräischem Texte und mit einer diesem Texte ganz angemessenen Melodie gesungen wurde, bildete den Schluß dieser Feierlichkeit. Cs wäre bei einiger Ueberwindung der angeborncn Schüchternheit des letzten Redners wol zu wünschen und am rechten Orte gewesen, da derselbe, wie schon erwähnt worden, als einen Hauptmangel in der Schule den hebräischen Unterricht anführte, ohne jedoch auf die Nothwendigkeit, die übrigens auf der Hand liegt, und den Grund dieses Mangels speziell einzugehen und ihn zu motiviren, wenn er, den günstigen Zeitpunkt wahrnehmend, da sämmtliche städtischen Behörden in der Versammlung vertreten waren, zugleich auf die Nachtheile, Übeln Folgen und religiöse Verwahrlosung aufmerksam gemacht hätte, insofern die jüdischen Schüler der Realschule noch ferner ohne Religionsunterricht blieben. Es sind dies zumeist Schüler, die auch jahrelang die seinigcn waren, und dem Manne, der bisher rühmlich gewirkt und in seinem mühevollen Amte grau geworden, würde man es schwerlich verargt haben, wenn er durch eine Abschweifung für das Seelenheil seiner früheren Schüler das Wort ergriffen und nachgewiesen hätte, daß fast der dritte Theil der Schüler der hiesigen Realschule zwar mit guten Kenntnissen und höherer Bildung ausgerüstet wird, daß aber dieser Theil, da er ohne allen Religionsunterricht heranwächst, eher schädliche als nützliche Bürger dem Staate liefert. Wir sehen sehr häufig die jüdischen Schüler gleich Idioten, während den evangelischen und katholischen Schülern in den Klassen das Heiligthum ihrer Religion erschlossen und gelehrt wird, draußen herumschweifen und die schöne, dem Religionsunterricht geweihte Stunde vertändeln und vergeuden. Es wird ihnen, mit einem Worte, Weisheit ohne Gottesfurcht gelehrt, und hierauf hinzuweisen, sei es von geeigneter oder ungeeigneter Seite, nennen wir verdienstlich, zumal unsers Wissens die Behörden auf diesen Uebelstand noch gar nicht aufmerksam gemacht worden sind. v. Die Schweiz. Aus der Schweiz, 1. Dezember. Die Dr. Baswitz'sche Angelegenheit ist in Neuenburg im großen Rathe von Neuem zur Sprache gebracht worden. Die Gegner der Gewährung eines temporären Aufenthalts stützten sich hauptsächlich auf Baswitz's religiöses Bekenntniß. Dr. Baswitz ist Jude, und die republikanische Schweiz, ja selbst das radikale Neuenburg duldet nicht die Naturalisation von Juden. Piaget selbst mußte in der Großrathssttzung vom 21. zugeben, daß die Naturalisation unthunlich sei, weil im Kanton keine Gemeinde sich einen Juden als Mitglied aufdrängen lassen werde. Dies war wol der Grund, daß die Stimmen gleichstanden und erst das Votum des Präsidenten für die Gewährung entscheiden mußte. Am Freitag ist nun durch Humbert- Droz die Angelegenheit wieder ausgenommen und die Wiederaufhcbung des Beschlusses vom 21. beantragt worden, weil derselbe eine erzwungene Naturalisation in sich schließe. Der Antrag hatte jedoch nur 4 Stimmen für sich, und der grcße Rath ging darüber zur Tagesordnung. Frankreich. Paris, 1. Dezember. Das israelitische Zentralkonsistorium hat heute beim Präsidenten der Republik Audienz gehabt, um die Intervention der Regierung gegen die Verfolgungen der französischen Israeliten in der Schweiz in Anspruch zu nehmen. Der Präsident erkannte vollkommen an, daß dieselben auf sofortige Intervention und Schutz Frankreichs ein Anrecht haben. (Die neuesten Ereignisse werden wol diese Intervention weit hinausschieben.) 51*

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