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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-12-15 · Heft 51 (15.12.1851) · p. Seite 608

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 51 (15.12.1851)
Date
1851-12-15
Page
Seite 608 (sequence 8)
Language
German
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608 sprechenden Gottesdienstes mitbringen, um ihn in seine Gemeinde zu übertragen, oder diese doch dafür vorzubereiten. Dazu aber gehört noch mehr, als daß, wie es angegeben nsird, der auszubildende Lehrer den erforderlichen Unterricht im Vorbetcn und Vorlesen der Tora erhalte. — Wir wiederholen: wir wollen nicht, daß der Anstalt die geforderte Unterstützung versagt werde, hätten wir auch erst in spaterer Zeit Auffindung und Einschlagung des richtigen Weges zu erhoffen, welcher in gerader Mitte zwischen den bezeichneken divergirenden Extremen hindurchgeht. Aber einestheils durch diese Kritik den Weg selbst aufsindcn zu helfen, andecntheils die Gemeinden zu veranlassen, die fortdauernde Bewilligung ihrer Beiträge an den Wunsch oder die Bedingung zu knüpfen, daß die Einschlagung auch dieses extremen Weges vermieden und den Bedürfnissen der Zeit bei der Ausbildung der Lehrer mehr Rechnung getragen werde — das ist der Zweck dieser Zeilen. Krotoschin, 19. November. (Privatmitth.) Die Einweihung der hiesigen israelitischen Elementarschule fand heute um 10 Uhr Vormittags statt. Die festlich gekleidete Schuljugend begab sich vor Beginn der Feierlichkeit aus der Wohnung des ersten Lehrers, wo sie sich versammelt hatte, unter Leitung der Lehrer, in geordnetem Zuge nach der Schule und nahm zum Theil in dem geräumigen vierten Klassenzimmer, der erwachsenere Theil aber in dem daran stoßenden zweiten Klassenzimmer, in welchem die Feier später stattfand, Platz ein. Hiernach fanden sich ein: der königliche Landrath, der Schulinspektor, die städtischen und Korporationsbehörden und der Direktor der Realschule, welche sämmtlichc sowol vom Schulvorstande als den Lehrern empfangen wurden. Unter Leitung des Kantors Grünwald sang nun die Jugend einen schönen Choral, dessen Inhalt zum Theil Bezug halte auf die gegenwärtig stattfindende Feierlichkeit. Dann hielt der Schulinspektor die Einweihungsrede, die zum Texte hatte: Wenn der Herr das Haus nicht bauet, so mühen sich vergebens seine Erba'uer daran, und voller Geist, Gcmüth und Ermahnungen war, zunächst gerichtet an die Lehrer, zur ferner» Thätigkcit und Ausdauer in dem ihnen zu Theil gewordenen schwierigen Amte, mit Hinweisung auf ihre ernsten Pflichten gegen den Staat und die Familie; dann an die anwesenden Schulkinder, daß sie stets gehorsam sein mögen ihren Lehrern, die sie lehren Gott den Herrn, derHimmcl undErde erschaffen, erkennen und anbctcn, sie für alles Gute, Schöne und Nützliche empfänglich machen, mit Liebe für König und Vaterland ausrüsten und zu nützlichen Bürgern des Staates heranbilden, und schloß dann mit einem innigen Gebete für das Wohl und Gedeihen der Schule. Nachdem ein zweiter Choral in lieblicher und zugleich herzerhebendcr Melodie gesungen worden war, hielt der erste Lehrer der Schule, Herr Cunow, einen längcrn Vortrag. Zunächst gab er der anwesenden Versammlung einen klaren Einblick in die Entstehungsgeschichte der Schule. Im Jahre 1826 wurde sie, in Fürsorge gegen die verwahrloste jüdische Jugend, auf Anordnung der königlichen Regierung gegründet. Ich wurde zu jener Zeit herberufcn, diese Schule zu gründen. Mein erstes Auftreten geschah auf verwundenden Dornen; nur unter mannigfachen Kämpfen und Widerwärtigkeiten, unter hemmendem Einfluß von Zeloteneifcr und blindem Fanatismus wurde ihre Gründung endlich zu Stande gebracht. Aber die ein Jahr darauf in hiesigem Orte erfolgte Feuersbrunst, die besonders die jüdische Gemeinde hart traf und sie für die Erhaltung ihrer Institute augenblicklich unfähig machte, bewirkte die Auflösung der kaum in's Leben gerufenen Schule. Unverdrossen jedoch ging ich an ihre Neubildung. Es war mir keine Last, sobald nur ein geeignetes Lokal beschafft worden war, bei geschmälertem Solde und Nahrungssorgen, mehr als 150 Kinder ganz allein zu unterrichten. Es war damals nur ein entschlossener Mann*) in der Gemeinde, der mir nicht nur in meinen Unternehmungen beistand, sondern auch für die Erbauung eines neuen Schulhauses mit Eifer und Energie Sorge trug. „Dieser Mann voller Entschlossenheit ist heute als bescheidener Greis in dieser Versammlung und freuet sich gewiß seines in's Leben gerufenen Werkes!" Fünf Jahre sind cs nun, fährt der Redner fort, daß das alte Schulgebäude baufällig und die Schule wieder unstät bald in diese, bald wieder in jene unbequeme Lokale verlegt worden, bis endlich in diesem Jahre, trotz dem Jndifferentismus des intellcktuellern Theilcs in der Gemeinde und trotz der Lauheit desselben gegen *) Salomon Krüger.

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