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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-12-15 · Heft 51 (15.12.1851) · p. Seite 605

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 51 (15.12.1851)
Date
1851-12-15
Page
Seite 605 (sequence 5)
Language
German
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605 für Oberbaiern, in München, war ein Israelit, Herr v. Hirsch, Obmann, und der im Jahre 1846 freiwillig in den Ruhestand getretene Hauptmann Herr Isidor Marx daselbst ist kürzlich mit dem Charakter als Major befördert worden. Religionslehrer Ober- und Mittelfrankcns haben bei der Kammer ein Gesuch um Aufbesserung ihrer Stellen aus Staatsmitteln eingcreicht, das sich der Abgeordnete Herr Dr. Morgenstern angeeignet hat. In der 5üten Sitzung hat die Kammer dasselbe, nach einer kurzen Motivirung Teilens des gedachten Herrn Abgeordneten, in Erwägung zu ziehen beschlossen und dem zuständigen Ausschuß zugewiesen. Ob die Religionslehrer, deren Lage in der Thal eine so beklagenswerthe wie hilfsbedürftige ist, die geeignete Stelle und in ihr die eine Abhilfe verbürgende Persönlichkeit gewählt haben, ob überhaupt der Zeitpunkt der beste, vom Staate Gelder für israelitische Religionszwccke zu erhalten, ist, werden die nächsten Tage lehren. Ohne den Unglückspropheten machen zu wollen, dürfte wol die empfehlende Zuweisung an das Staatsministerium das Höchste sein, was ihrem Begehren zu prognostiziren ist. Die in dem piusvereinten Augsburg erschienene, von einem Baron Scharfenstein herausgekommene Schmähschrift: „EinBlick in das gefährliche Treiben der Judensippschast", welche öffentliche Blätter einen Ausbund stupidester Rohheit, Unsiltlichkeit und - Brutalität nennen, und die, nachdem sie von den Ultramontanen vielfach verbreitet war, konsiszirt wurde, hat in diesen Blättern bereits Erwähnung gefunden. Gewiß außer allem Zusammenhang damit steht der Umstand, daß der Verfasser laut öffentlicher, nicht widersprochener Nachricht nach Frohsdorf berufen und zum Vorleser beim Herzog von Bordeaux ernannt worden ist. Durch die Zeitungen lief vor einiger Zeit die Nachricht, es wird im Ministerium eine Vorlage zur Abschaffung des Matrikelwesens ausgearbeitet. Bisher ist aber eine derartige Vorlage bei der Kammer nicht erfolgt, wird auch kaum bei dieser Session mehr erfolgen. Dagegen ist in wiederholtem Falle bei Erfüllung aller vvrgeschriebcnen sonstigen Erfordernisse die Ertheilung eines Nachmatrikels verweigert worden. Am 3. Oktober starb in Lehrbcrg im 60sten Jahre der tüchtige, vielgeprüfte Lehrer, Herr Marx Gotthelf, Bruder des Redakteurs des „Eilboten", und am 8. November im 65sten Jahre der Distriktsrabbiner Herr Uri Beitel in Dittenheim. Nach einem sehr bewegten Leben hatte der Letztere bei einem mäßigen Einkommen und einem überaus glücklichen Familienleben den Hafen der Ruhe gefunden und wahrhaft fromm und bieder und einer mäßigen Reform zugethan, besonders auch wegen seiner Uneigcnnützigkeit, die Liebe seiner Gemeinden und die Achtung Aller sich erworben, während Erstercr fortwährend mit dem Elend und der Kleinlichkeit zu kämpfen hatte. In beiden Fällen hatte der Distriktsrabbiner Herr Grünbaum aus Ansbach durch ertemporirte Vortrage dem gerechten Schmerz würdigen Ausdruck gegeben, sich selbst aber viele Herzen auf's Neue gewonnen. — Da der Distrikt Dittenheim in dem seltnen Fall ist, eine erhebliche Stiftung zum Rabbinaisgehalte zu besitzen, so wird hier nach Umfluß des der Wittwc zu gewährenden einjährigen Nachsitzes ein Rabbinatskandidat eine Stelle finden. Schwabach aber ist bereits angeschlossen, d. h. die das Rabbinat Schwabach bisher gebildet habenden Gemeinden sind, mit Ausnahme Thalmessingcns, das sich an Sulzburg angeschlossen, dem Rabbinate Dettingen definitiv zugetheilt, das allmälig ein kleines Bisthum zu werden scheint. Ein erfreuliches, seltnes Vorkommniß ist aus der jüdischen Handelswelt zu berichten. Die Herren G u tmann aus Feuchtwangen haben durch Befahren der Schrannen mit einer großen Quantität Weizen, den sie freiwillig zu ermäßigtem Preise erließen, so wie durch billigen Verkauf an Minderbemittelte in ihrer Umgebung, dem Wucher und der Verlheuerung gesteuert und dadurch ein wahres üwn wp veranlaßt. Ehre diesen Männern! Herr von Rothschild in Frankfurt a. M. scheint in neuerer Zeit bei seiner bekannten Wohlthätigkeit dem Grundsatz der Gleichheit huldigen zu wollen. Bekanntlich empfangt von demselben jeder Bettler aus sein schriftliches Gesuch einen preußischen Thaler. Nun hat sich vor einiger Zeit die kleine Gemeinde Heidenheim in Mittelsranken, deren Synagoge abbrannte, mit einer devoten Bitte um eine Beisteuer zum Wiederaufbau ihres Gotteshauses an gedachtes Haus gewendet, und siehe da! auch sie erhielt einen preußischen Tresorschein. Es muß auffallen, daß das neue interessante Werk vom Herrn Rabbiner Dr. Adler in Kissingen: Pirke

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