Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 50 (8.12.1851)
- Date
- 1851-12-08
- Page
- Seite 598 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225714-3225765--12123-3242278- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
598 ter Bezugnahme auf die entsprechenden hebräischen daneben gewünscht, weil dadurch dem Schüler das Mittel an die Hand gegeben wird, die dem Gedächtnisse entschwundenen Wörter bei häuslichen Arbeiten leicht aufzufinden. Die Ausstattung ist gut, der Druck sehr korrekt, der Preis für den Umfang beider Theile mäßig, nämlich Sgr. für jeden Kursus. Wir bemerken jetzt noch, daß wir den Knaben nach zurückgelegtem 8ten Jahre den ersten Kursus in die Hand geben, die Aufgaben in der ersten Zeit aber nicht schriftlich machen, sondern, nach vorhergegangener Erklärung, auswendig lerne» lassen. In zwei Jahren kann derselbe durchgemacht sein, wobei man noch dem Satze: „Wer langsam geht, geht sicher," huldigen kann. Mag nun auch der zweite Kursus drei Jahre in Anspruch nehmen, so hat ihn der Schüler doch mit vollendetem dreizehnten Jahre beendet; und wenn die Erfahrungen, die wir über die Erfolge beim Gebrauche des ersten Kursus gemacht, zu einem Schlüsse in Beziehung auf den zweiten berechtigen, so dürfen wir wol behaupten: daß die Schüler der meisten Schulen biSheran im Hebräischen nicht so weit gekommen sind, als dieser sie führt. Wir wünschen daher diesem Buche vor allen Dingen guten Absatz und empfehlen es unseren Kollegen und allen denen, die an der Spitze jüdischer Schulen stehen, recht warm, wahrlich weniger im Interesse des Verfassers, als der heiligen Sache, der er dient. An uns ist eS» diesem Werke Bahn zu brechen und die Schwierigkeiten zu überwinden, die sich der Einführung desselben entgegenstellen können. Man spreche nicht von Mangel an Zeit zur Behandlung dieses UnterrichtsgegenstandeS. Wo das wirklich der Fall ist, da mag dir Schule Alles sein, eine jüdische ist sie nicht. Man spreche uns nicht von Mangel an Mitteln zur Anschaffung solcher Bücher, sondern bemühe sich Wege zu finden, durch die es möglich wird, den Unbemittelten die Sorg« für derartige Bedürfnisse abzunehmen. Und so möge denn die heilige Sprache immer mehr Bode» gewinnen — sie hat jetzt wirklich ein kleines Terrän — und zur Heiligkeit führen Israels Söhne in Worten und Werken. Zephanja Kap. 3. V. 9. Blumenfeld, Lehrer. Belletristisches. Der unbekannte Nabbi. Eine Novelle. (Fortsetzung aus No. 37. 38. 39. 42. 44. 45. 46. 48.) Was der Mann schrieb und woran er sich so sehr ergötzte, war nichts weniger, als eine Bittschrift inklusive Bericht an den Landesfürsten selbst. Er stellte demselben mit lebhaften Farben die Noth des armen Judenschusters vor, wie derselbe eigentlich um denselben großen Preußenkönig litt, für den auch Serenissimus in vielen Schlachten gekämpft und geblutet hätte, er setzte weitläufig auseinander, daß die Aufnahme eines solchen Mannes ein wahres Bedürfniß für Sammetloch wäre, denn leider fehlte es erstens den hiesigen Schuhmachern ganz und gar an allem Patriotismus, wie erst ein ärgerlicher Fall am gestrigen Abend genügend bewiesen hatte, zweitens wäre die Gilde übermüthig durch die viele Nahrung, die die nahe Verbindung mit Preußen dem Orte brächte, so daß sie nur neues Schuhwerk machte und sich höchst ungern oder gar nicht mir dem Flicken des alten abgebe — der Judenschuster, als wahrer Flickschuster 68 pr0t6580, würde somit ein Wohlthater für die Armuth und reißende Jugend desOrtes werden — und endlich fügte er diplomatisch hinzu, daß der Schutz des besagten Juden von Neuem der Welt den Beweis geben würde, wie das Licht der Aufklärung und der Duldung immer Heller in diesem deutschen Reichsfürstenthume aufginge und das christliche Herz seines Monarchen die Menschen aller Religionen mit gleicher Liebe und Gnade umfaffete. So schrieb der Bürgermeister eine ganze Stunde lang, mundirte das Manuskript dann sorgfältig und stand strahlend vor Freude von seinem Sitze auf. Hier, sagte er zu Jossels Vater, ist eine Suplik an unfern gnädigen Fürsten, in meinem Namen und, wie Er sah, von mir selbst verfaßt. Aber er muß sie selbst abbringen und übergeben, denn geht es erst durch Regierung und Kammer, dann hat es lange Wege, dann werden zuvörderst die Schuster gefragt und die werden sich hüten. Euch aufzunehmen. Er muß es bei Seiner Durchlaucht gut machen und eindringlich sprechen, versteht er mich, da Ihm ja der Schnabel recht gewachsen ist, steht Er! Aber noch Eins. — Er klingelte und befahl dem eintretenden Polizeidiener, den Altmeister Jordan herzubescheiden. Bald kam dieser, mit dem gestrigen Verbände noch um die Stirn, an> und war nicht wenig erstaunt, seinen Ret-