Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 50 (8.12.1851)
- Date
- 1851-12-08
- Page
- Seite 597 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225714-3225765--12122-3242277- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
587 gelöst werden, nachdem der eventurüe Vorstand derselben erklärte, daß alle Auslagen derselben ausschließlich von den Religivnsgenoffen getragen werden müssen. Literarische Nachrichten. EUen, im November. Ueber daS Lefersche Sprachbuch in Bezehung auf den Unterricht im Hebräischen. Die hebräische Sprache ist und bleibt ein intcgrirender Theil des Unterrichts in jüdischen Schulen, mag man nun über das Qualitative und Quantitative auch verschiedener Ansicht sein. Wir für unfern Theil meinen, daß in dieser Sprache, die wir für den Lebensnerv des ZudenthumS halten, nicht leicht zu viel, wol aber zu wenig geleistet werden kann. Wir wollen nicht allen Ursachen nachforschen, die auf diesen Unterrichtsgegenstand nachtheilig influirt haben; eine von diesen ist sicherlich der Mangel an einem recht brauchbaren Lehr- und Uebungsbuch für Schulen. Herr H. Leeser in Dülmen hat das große Verdienst, durch Herausgabe eines Solchen, von dem vor einigen Wochen der zweite Theil erschienen ist, diesem tiefgefühlten Bedürfnisse abgeholfen zu haben. Da wir schon seit drei Jahren nach diesem 'Buche unterrichten, so dürfen wir uns wol für kompetent halten, über den Werth desselben ein Urtheil abzugeben. Was entscheidet hauptsächlich über die Brauchbarkeit eines Schulbuches? Wenn es nach den Grundsätzen der geistigen Entwickelung des Kindes abgefaßt ist, als» vom Einfachen zum Zusammengesetzten, vom Leichten zum minder Leichten und später zum Schweren führt. Insofern nun die Sprache eines Volkes der Abdruck, daS Bild seiner entwickelten Geisteslhätigkeit ist, die offenbar auch nach den Gesetzen der Allmäligkeit stattgefunden, müssen wir namentlich von einem Lehrbuche, welches das Kind in eine fremde Sprache einführen soll, fordern, daß es mit der ersten Operation des Geistes vermittelst der Sprache, d. h. mit dem nackten Satze beginne und an der Hand des Erlernten immer höher steige, aber ohne Sprünge zu machen, die gewöhnlich von nachtheiligen Folgen sind. Das Leesersche Uebungsbuch entspricht diesen Anforderungen vollständiger, als irgend eins von denen, die wir bksheran keimen zu lerne» Gelegenheit hatte«; es ist nach strenger Stufenfolge ausgearbritet und giebt ebenso wol Zeugniß von den gediegenen Sprachkenntnissen de« Verfassers, als von dem eisernen Fkeiße desselben. Selbst Lehrer, hat er dafür gesorgt, daß praktische Uebungen stets den anfgestellten Regeln in reichem Maaße folgen, und Beide vereint bilden gleichsam, wie Körper und Seele, ein lebensvolles Ganze. Den Aufgaben zum Uebersetzen aus dem Hebräischen in's Deutsche folgen stets passende zum Uebersetzen aus dem Deutschen in's Hebräische und dir Form, so wie auch der Stoff der Sätze, ist größtenthrits rein biblisch, wovon der Nutzen jedem Sach- und Fachkenner einleuchten muß. Auf diese Weise vermittelt das Buch in Wahrheit daS Verständniß der heiligen Schriften, was durch trocknes Regelwerk nimmer erreicht wird. Der eben erschienene zweite Theil ist von demselben Geiste wie der erste durchweht, von dem Geiste der Selbstständigkeit in Rücksicht auf Anlage und Behandlung des Stoffes, von dem Geiste fleißiger Forschung. Er behandelt die fünf letzten Konjugationen und befähigt den venkenden Schüler, sich derselben mit Gewandtheit und klarer Einsicht zu bedienen. Es versteht sich von selbst, daß die Aufgaben dieses TheileS weit schwieriger sind, akS die des ersten und daher das Denkvermögen vollauf in Anspruch nehmen; die Schwierigkeit verschwindet aber, wenn das Vorhergehende stets gründlich durchgearbeitet und genau eingeübt worden ist, so daß keine Lücken entstehen. Dem ganzen Werke setzt das Ende die Krone auf, welches zur Wiederholung alles Borgekommenen eine Bearbeitung der fünf ersten Kapitel de« Buches Tobias und der Geschichte vom Äal und Drachen zu Babel bringt. Es ist dem Verfasser gelungen, das Hebräisch im ungekünstelten, einfache» Bibelstil zu geben, den wir in solcher Schönheit vergebens in ähnlichen Arbeiten von Pleßner rr. suchen; Dieser Theil enthält auch einen Abschnitt über dieLaut- und Zeichenlehre der hebräischen Sprache, der in gedrängter Kürze mehr bietet, als manche dickleibige Grammatik. Ueberhaupt wird cs dem aufmerksamen Lehrer nicht entgehen, daß Herr Leeser in vielen Stücken von Gesenius, Ewald rc. abgewichen und zu interessanten Resultaten gelangt ist. Den eben erwähnten Abschnitt über die Lautlehre rc. hatten wir im ersten Kursus für zweckmäßiger gehalten, weil es der Gang des Unterrichts also verlangt. Als eine sehr willkommene Zugabe müssen wir ferner noch, außer dem Wörterverzeichniß für jede Aufgabe, das am Schluffe des Buches befindliche alphabetische Register der in den Aufgaben des ersten und zweiten Kursus vorkommenden hebräischen Wörter erwähnen. Wir hätten auch ein ähnliches der deutschen Wörter un» 50*