Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 50 (8.12.1851)
- Date
- 1851-12-08
- Page
- Seite 593 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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593 Berlin, 27. November. (Privatmitth.) Es existiren hier drei jüdische Schulanstaltcn, von denen jede bis jetzt unter der Leitung eines besonder» Direktors steht. Die jüdische Gemeinde-Knabenschule unter Leitung des Herrn Baruch Auerbach, die Mädchenschule unter der Leitung des Herrn Engelmann und endlich die Naunsche Anstalt unter der des Herrn Cassel. Zwischen dem Direktor der ersten Anstalt und den Borstehern der Gemeinde sind vor 18 Monaten einige Streitigkeiten ausgebrochen, so daß der Borstand sich autorisirt glaubte, Herrn B. Auerbach zu kündigen und das Direktorat einem Andern, Herrn Horwitz, zu übertragen. Herr Auerbach wies die Kündigung zurück und erlangte bei der Schulbehörde die Anerkennung, daß das Recht auf seiner Seite sei und er die Schule unter seiner Leitung noch ferner behalten solle. Der Vorstand konnte gegen diesen Ausspruch Nichts vornehmen und die Anstalt blieb wieder unter Auerbach. Doch blieb dem Vorstande noch ein Mittel übrig, die Auszahlung den Lehrern vorzuenthalten, und dies that er auch wirklich. Der Vorstand schloß mit Herrn Horwitz einen Kontrakt und nahm sich vor, die Lehrer, die unter Auerbach unterrichteten, nicht zu besolden. Doch anders hat es das Schicksal gewollt. Herr Horwitz kam um Konzession ein, erhielt jedoch keine, da er im Jahre 48 gegen die Regierung so manches Wort fallen ließ. So verzog sich die Sache Ein und ein halbes Jahr, bis es endlich in diesen Tagen zur glücklichen gegenseitigen Entscheidung kam. Herr Auerbach gab sein Direktorat auf, die Lehrer erhalten ihr Honorar und Herr Cassel soll nominell Direktor der Anstalt, das natürlich nicht umsonst sein wird, werden. ... r Aus der Provinz Posen, 24. November. (Privatmitth.) Bei der Neuwahl eines Abgeordneten zu den Kammern, welche neulich an einem Sabbat in Bromberg stattgefunden, haben 2 anwesende jüdische Wahlmänner gegen den Wahlakt protestirt, weil derselbe gerade an einem Tage vorgenommen worden, an welchem es den meisten jüdischen Wahlmännern zu erscheinen nicht möglich gewesen. Daß dieser Protest keine Berücksichtigung finden wird, läßt sich leicht vermuthen. Während der letzten Schwurgerichtsperiode inGnesen ist der Prediger Herr vr. Gebhardt Seitens deö Vorsitzenden des Schwurgerichtshofes und anderer hohen Beamten dringend angegangen worden, — da die anwesenden Gcschwornen und Mitglieder des Gerichts am Sonnabend Vormittag wegen der Sitzung in den Tempel zu kommen behindert — an einem Freitag Abende einen Vortrag zu halten, welches Gesuch jedoch-von Herrn vr. G. — weil derselbe, um den Wünschen Einzelner zu genügen, keine Abweichung von der bestimmten Kultusordnung zugeben mochte — entschieden abgelchnt worden. Bei der Kollekte, welche auf Befehl unserS Oberpräsidenten in den jüdischen Gemeinden des Großherzogthums für den Synnagogenbau zu Wittkowo stattgefunden, ist — wie wir hören — eine Summe von nur 245 Thalern eingegangcn und die königliche Forstkaffe in W. von der Regierung angewiesen worden, den genannten Betrag an den dortigen jüdischen Vorstand auszuzahlen. Bei einer der letzten Schwurgerichtssitzüngen zu Posen hat ein Rechtsanwalt Tsch. seinen Klienten, der einen Juden auf der Landstraße angefallen und beraubt hatte, dadurch zu vertheidigen gesucht, daß den Hebräern vor dem Gerichte nicht so viel Glauben zu schenken sei, einerseits, weil sie noch größtentheils zu den ungebildetsten Volksschichten gehören, anderseits aber auch, weil anzunehmen sei, daß die Juden fast nur aus Rache gegen ihre christlichen Mitbrüder zeugen, als gegen Menschen, mit rpelchen sie bis vor einigen Jahren vor der Justiz nicht gleichgestellt gewesen. Der saubre Advokat ist übrigens in der vorletzten Nummer der P. Z. ganz gebührlich abgefertigt worden. *) Zu der, schon seit mehreren Monaten als vakant angezeigten Rabbinerstelle in Neustadt b. P. hat sich — obwol mit derselben ein nicht unbedeutendes Einkommen verbunden — bis jetzt noch Keiner gemeldet (vergl. P. Z. No. 275), ein Beweis, daß es hier nicht nur an Lehramts-, sondern auch an Rabbinatskandidaten großen Mangel hat. Auch keinWunder. Aus Württemberg, 27. November. (Monatsbericht. Oktober und November.) Die königl. Verordnung über den Fortbestand der Gleichstellung der bürgerlichen Rechte der Israeliten in Württemberg wurde in den Spalten dieses Blattes mitgetheilt; es *) Blos das? warum thut man gegen solche öffentliche Auslassungen keine weiteren Schritte? Redakt'