Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-12-01 · Heft 49 (1.12.1851) · p. Seite 584

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 49 (1.12.1851)
Date
1851-12-01
Page
Seite 584 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225714-3225764--12105-3242259
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

584 Jüdische Briefe. 1. Geehrtester Herr Redakteur! Erlauben Sie mir, daß ich Ihnen einige Briefe schreibe, deren Inhalt über jüdische Schulen handelt, wie sie sind und wie sie sein sollten. Ihr Blatt interesstrt sich ja auch für diesen Zweig jüdischer Angelegenheiten ganz besonders, vielleicht werden Ihnen darum meine Briefe genehm sein. — Wenn ich sage, daß wie überhaupt von der Schule alles Lebensglück des Menschen, so vornehmlich von der jüdischen Schule das Wohl des Juden abhangt: so wird das wol Niemand widerlegbar finden. Die jüdische Schule hat den Zweck, Juden zu erziehen, die Heranwachsenden Glaubensgenoffen mit den Lehren und Pflichten unserer Religion bekannt zu machen, sie soll — so viel sie es nur immer kann — darauf sehen, daß der junge Bekenner sich in die Religion hinein lebt und, was für uns von jeher eine Hauptsache war, darauf sehen, daß er gewappnet dastehe gegen böswillige Verleumdungen und irrige Auslegungen von feindlicher Seite. Wenn Viele in heutigen Tagen es mit Nichts leichter nehmen, als gerade mit der Religion, so liegt die Schuld davon an den Schulen, die nicht das Rechte leisten, oder auch an den Gemeinden, die für gute Schulen keine Sorge tragen. *) Das ist ein wichtiger Punkt. Ist es nicht lächerlich, daß es Gemeinden, und oft recht große, giedt, die keine jüdische Schule haben? Eine Gemeinde ist eine Vereinigung, und einer Vereinigung muß doch eine Idee, ein Zweck zu Grunde liegen, der die Einzelnen zusammenführt. Bei den jüdischen Gemeinden soll dieser Zweck die Handhabung des Judenthums, oder besser, der jüdischen Religion sein, und traurig ist es, wenn man sich umsteht, hierhin und dorthin, es sind viele Gemeinden, alle sind die Sprossen eines einzigen Stammes, alle haben ein Streben, aber sehr wenig sind so verständig, daß sie den rechten Weg treffen. Gikzie- *) Da ist doch der Schule zu viel zugeschrieben. Von welcher Bedeutung für die Erziehung ist doch das Haus, ja selbst der besten Schule gegenüber! Und nun die Zeit nachdem die Schule verladen worden, was bei der Mehrzahl der Schüler mit dem 14ten Jahre geschieht, jene Lehrlings- und Gehilfenzeit, in der alle Einwirkung aus den jungen Menschen rein zufällig ist! Wie viele gute Eindrücke von der Schule her gehen da verloren! So wie aber das Gute nicht allein Werk der Schule ist, so kann sie auch nicht allein für das Böse verantwortlich gemacht werden. Redakt. hrrng und Gottesverehrung nur alki« sind die rechten Wege, und Nichts kann ein deutlicheres Bild von dem sittlichen Werthe einer jüdischen Gemeinde geben, als der Zustand, in welchem sich ihre Schule und ihre Synagoge befinden. Wo schlechte oder gar keine Schulen sind, da ist keine Gottesfurcht, — da steht es schlecht um die Moralität der Glaubensgenossen! Wo es wild und wüste in der Synagoge hergeht, da ist sie auch leer, denn es fehlt das Herz, das sie füllen muß, es fehlt die Andacht. Andachtslose Menschen sind gottvergessene Geschöpfe. Sagen Sie ja nicht, geehrtester Herr, Redakteur, daß ich übertreibe, sagen Sie auch nicht, ich schreibe Ihnen Gemeinplätze, die Nichts fruchten. Man darf über einen Fehler nicht schweigen, wenn er gefährlich ist. Bonn, 21. November 1851. Eduard Wolffberg. Literarische Nachrichten. Leipzig, im November. Die Krankheit des Dr. Philippson hat das Forlerscheinen seines großen Bibelwerks auf unangenehme Weife unterbrochen. Jetzt ist nun die Fortsetzung in lebhaften Angriff genommen, und bereits die 16te Lieferung des Hl. Theiles vollendet und ausgegeben. Sie befaßt den Schluß des Buches Jjob, nämlich die Kapitel 36—42, und die Einleitung zu diesem Buche. Auf Letztere dürfen wir wol besonders aufmerksam machen, da sie ebenso wol. an Scharfe der Deduktion, an Klarheit in der Beantwortung aller der Fragen, die über dieses wichtige Buch schweben, wie an Gründlichkeit im Erfassen der Ideen und Formen dieses Buches nach dem Höchsten strebt. Durch die jüngste Bearbeitung des Buches Jjob durch Ewald ist das Verständniß desselben eher wirrer als klarer geworden, und in falscher Beurtheitung der Entwickelung hat er gerade die Krone des ganzen Werkes in den Staub geworfen. Der neue Kommentar und diese Einleitung mögen von dem, durch Jenen eingeschlagenen Weg zurückführen. Das Hohelied Schelomo^s ist bereits unter der Presse.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.