Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 49 (1.12.1851)
- Date
- 1851-12-01
- Page
- Seite 581 (sequence 5)
- Language
- German
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881 regixrung wies nämlich darauf hin, daß, nachdem die Josephstadt das Anerbieten gemacht, ein Einlagskapital von 150,000 fl. K. M. zu zahlen, dem §. 4 der G.-O. gesetzlich Genüge geschehen sei, da selbst nach der Berechnung der dritten Kommission die Einlagssumme weniger als 150,000 fl. K. M. beträgt, und erst dann auf 246,000 steigen würde, wenn die unstatthafte Kommentirung des Ausdruckes Gesammtbevölkerung zulässig wäre. Indem die Josephstadt in das Gemeindebudget für das Jahr sofort einbezogen wird, erscheint der Anschluß vollzogen und ist gleichwol ein Entscheid von Seite des hohen Ministeriums in der Geldfrage nicht erfolgt, so scheint die oben angeführte Motivirung der Prager Kreisregierung hierüber keinen weitern Zweifel zuzulaffcn. In einer morgen stattsindenden Sitzung des hiesigen St. V.- Kollegiums dürfte dieser Gegenstand bereits öffentlich zur Sprache kommen. Die Schweiz. 93<tfe(, 14. November. In Basellandschaft hat der Landrath mit 26 gegen 9 Stimmen ein Gesetz angenommen, welches allen Israeliten ohne Ausnahme die Niederlassung im Kanton untersagt. Jeder, welcher einen Juden als Geschäftsgehilfen, Diener rc. aufnimmt, ist mit einer Strafe von 300 Fr. oder entsprechendem Gefängniß bedroht. Den Juden soll ebenfalls alles Hausiren mit Maaren, Mustern rc. untersagt, das Feilbicten Solcher auf den gewöhnlichen Jahrmärkten, so wie der Handel mit Pferden, Horn- und Kleinvieh, Landeserzeugniffen, Thierhäuten rc. gegen Lösung eines Patents jedoch gestaltet sein, wobei sie indcß den Kanton nur mit einem vollkommen regelmäßigen Paffe bereisen dürfen. Zu zeitweisem Aufenthalt soll «in besonderer Erlaubnißschcin gelöst werden. (Ist das nicht höchst liberal vom liberalsten Kanton der freien Schweiz!) Großbritanien. London, im November. Der Prozeß des Alderman Salomons wird in wenigen Tagen vor di« Quern's Bench kommen. Der Sprecher des Unterhauses und die Zahler bei den Abstimmungen, an denen Mr. Salomons theilgenommen hat, werden als Hauptzeugen für die Anklage auftreten. .Zu Vertheidigern hat er Sir F. Kelly und Mr. Peacsck O. C. (Quecn's Counscls) erwählt, die gleich seinen Anklägern, Mr. Edw. James und Mr. Bramwell O. C., zu den berühmtesten Juristen Londons gehören. Palästina. Jerusalem, 28. Oktober. (Privatmitth.) Vor einigen Jahren reiste der Fürst von Hohenlohe in Schillingsfürst bei Ansbach als Pilger mit seiner Frau nach Jerusalem. Ich redete mit ihm allhier und unter anderen Gesprächen bat ich ihn, daß er mir gefälligst einige Bücher kaufen und mir nach Jerusalem senden möge. Dieser liebe Fürst sagte mir ganz kurz: „Hier auf diesem Tische liegt ein offenes Buch, schreiben Sie nur hinein, welche Bücher Sie brauchen." Ich zeichnete die nothwendigsten Bücher für meinen Bedarf, als: eine Anthropologie, Botanik, Geographie, englische Grammatik, Atlas und Sternkarte ein. Nach Verlauf einiger Zeit erhielt ich wirklich von München aus gesendet von dem braven, guten Fürsten einen Brief und ein Paket mit allen oben gezeichneten Büchern. Tiefgefühlten Dank dem lobenswürdigcn Fürsten! Wie oft habe ich durch mehrere Briefe so manchen mir bekannten Menschen gebeten, mir nur ein einziges Buch zu senden, aber weder Antwort noch Buch ersähe ich. O möge das Haus Israel im Auslande sich für sein väterliches Land ein Bischen mehr interessiren, wie für dasselbe die anderen Konfessionen thun, daß ihre Bekenner im höchsten Flor hier leben. Moses Sachs. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Die Juden in der Geschichte der Stadt Magdeburg. (Aus Hoffmann'ö Geschichte.) Schon in sehr alter Zeit kommt kn der Geschichte Magdeburgs das „ Iudendorf" vor, das auf der Stelle des jetzigen Fort Scharnhorst lag. Eine irrige Meinung ist es, daß aus diesem Judendorfe die Vorstadt Sudenburg (gegen Süden) entstanden sei. Beide existirten lange Zeit neben einander. Zwischen dem Judendorf und der