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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-12-01 · Heft 49 (1.12.1851) · p. Seite 580

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 49 (1.12.1851)
Date
1851-12-01
Page
Seite 580 (sequence 4)
Language
German
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880 Lebens — nicht auf dem Gebiete der Formen, sondern auf dem des Thuns und Handelns, des Lebenswandels, auch nicht als blos berechnet-, von der Religion losgelöste Sittlichkeit, sondern als vom Gottglauben und Gottesgedanken durchdrungen, empfundene und gedachte Sittlichkeit! Als solche Orthodoxie erwartet sie ihre Wiederauferstehung in den Geistern, ihre Verjüngung, ihr frisch durchwehtes Dasein! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 21. November. Die beiden Freiherren von Rothschild, welche am Dienstag Berlin verlassen haben, besuchten am vergangenen Sonnabend noch die Synagoge der hiesigen orthodoxen jüdischen Gemeinde und wohnten daselbst der Predigt des Herrn Dr. Sachs bei. Auch haben dieselben 100 Thaler zur Vertheilung für die an der Synagoge angestelllen Unterbeamten zurückgelaffen. —. Die „Schles. Ztg." bringt aus Neisse eine Korrespondenz voll bitterer Klagen, in welcher es heißt: „Wir haben in der Verfassung vom 31. Januar 1850 einen Artikel 12, in dem es heißt: „Der Genuß der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte ist unabhängig von dem religiösen Bekenntniß." Hiernach steht Herrn Fricdländer als Gutsbesitzer ganz unzweifelhaft das Recht zu, auf den Kreistagen zu erscheinen. Trotzdem ist derselbe zu dem bevorstehenden nicht nur nicht eingeladen worden, sondern man hat ihm auch mitgetheilt, warum es nicht geschehen. Es ist an den Kreislandrath ein amtliches Schreiben des Inhalts ergangen, daß vielseitig mit Mißfallen bemerkt worden wäre, wie jüdische Gutsbesitzer zu der Theilnahme an den Kreistagen aufgefordert würden. Das dürfe für die Folge nicht mehr Vorkommen, da diesen Personen das Recht nicht zukomme, dergleichen Versammlungen beizuwohnen. Herr Friedländer ist, wie ihn der Korrespondent schildert, ein äußerst konservativer Mann, der in den Jahren 1848 und 1849 „mit ebenso viel Entschiedenheit als Aufrichtigkeit seine konservativen Gesinnungen bei jeder Gelegenheit an den Tag legte und bei der Frage, ob man auf dem alten Kreistage wieder erscheinen solle, seinen Freunden empfahl, den Berhällniffen Rechnung zu tragen und den Willen des Ministeriums zu respektiren." (Man erinnere sich an den, vor einiger Zeit in dieser Zeitung mitgetheilten Fall, in welchem einem Juden die Uebernahme eines Erbschulzenamtes, das auf dem von ihm erkauften Bauernhöfe haftet, verwehrt wurde — er ist noch nicht entschieden. Red. d. A. Z. d. Jud.) Halle, 20. November. (M. Z.) Bei den gestern beendigten Ersatzwahlen unserer Stadtverordneten ist diesmal der erste Fall cingetreten, daß man einen Stadtverordneten israelitischen Glaubens gewählt hat, den Rentier Bernheim. Oesterreichifcher Kaiserstaat. Wien, im November. Die Ghettofrage Lembergs ist gegenwärtig in eine neue Phase der Entwickelung getreten. Die Landesstelle fand sich nämlich bewogen, den bekannten Magistrakserlaß vom 15. Juli l. I., zufolge dessen die in sogenannten unbefugten Bezirken wohnenden israelitischen Handelsleute die Gewölbe, bei sonstiger Anwendung von Zwangsmaßregeln zu räumen haben, seinem ganzen Inhalte nach zu bestätigen und di« ergriffenen Rekurse der betroffenen Handelsleute abweislich zu bescheiden. —. Die seit sechs Wochen unterbrochenen Berathungen der unter dem Vorsitze des Herrn Gubernialrathes Ritter v. Sacher versammelten Kommission israelitischer Vertrauens- und Fachmänner soll am 17. d. in Pesth wieder ausgenommen und in den folgenden Tagen fortgesetzt werden. Herr Oberrabbincr Löw von Szegedin wird bei dieser Gelegenheit seinen im Auftrag oberwähnter Kommission ausgearbeiteten Entwurf in Betreff der Kultus- und Schulangelegenheiten der Israeliten in der Versammlung vortragen. Prag, 19. November. (Ll.) Die Anschlußfrage der Josepystadt an die Hauptgemcinde ist nunmehr zu einem Definitivum gelangt. Die Präger Kreisregierung hat bekanntlich dem hiesigen St. V.-Kollegium schon vor Wochen den Auftrag ertheilt, die Josephstadt in das Budget der Hauptgemcinde aufzunehmen. Dagegen hat nun das St. B.-Kollegium eine Vorstellung eingebracht, welche, wie ich aus bester Quelle vernehme, unbeachtet geblieben. Di« Kreis-

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