Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 49 (1.12.1851)
- Date
- 1851-12-01
- Page
- Seite 579 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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579 fahrt Elija's hannovi!" antwortete: „was ist das für ein Vergleich, die Himmelfahrt Elija's ist doch wahr Darum war sie aber auch nicht herrschsüchtig; sie fand ihre Herrschaft in sich selbst; sie hatte ihre Säulen auf den Geist gestellt; wer gelehrt und rein war, der überstrahlte seine Genossen, und dem ward die Herrschaft entgegengebracht, ohne daß er sie beanspruchte und erzwang. Daher kömmt es, daß wo noch Ueberreste der wahren alten Orthodoxie gefunden werden — aber sie sind selten und werden immer seltner — da haben sie die Liebe und die Verehrung Aller, die mit ihnen in Berührung kommen, da wird Niemand sie antasten und verletzen. Solche Ueberreste sind im Stande, ganze Gemeinden zu beherrschen, blos durch ihr Dasein, wahrend sie Auflehnung und Widerspruch fanden, sobald sie — herrschen wollten. Aber sie können dies gar nicht wollen, weil es nicht in ihrer Natur liegt. Wie ganz anders die jetzige, sich so nennende Orthodoxie! Alle die Tugenden ihrer Mutter hat sie in's Gegentheil gewandt. Sie kennt die Welt, die ganze Welt und kostet immerfort von ihr, und will doch ihre Welt apart behalten, unberührt und in voller Glorie; sie will den Kran; und das Szepter beider Welten haben und halten; sie thut Alles mit Absicht und um eines Lohnes willen; entsagt sie, soll ihr Alles dafür danken; betet sie, soll Alles dafür lohnen; spricht sie, soll Alles sich ihr unterwerfen; donnert sie, soll Alles in den Staub sinken. Sie ist finster und zieht die Stirn in gewaltige Falten; sie ist widrig, denn auch ihre Abgeschmacktheiten giebt sie für heilig aus; sie glaubt selbst nicht mehr an den Buchstaben — denn wo sie sich unbeachtet meint, da krisirt sie ihn selbst — und doch will sie Alle zwingen, daran zu glauben; ihr fehlt die alte Innigkeit, aber sie will, daß auch ohne Innigkeit die Form erhalten werde. Noch übler wenn sie den Flittermantel der Neuzeit umthut, aber darunter den verkümmerten Greisenleib des Mittelalters konservirt, wenn sie sich ausschmückt und aufstutzt, wenn sie mit Wort- und Gedankenbildern sich putzt, wenn sie dem geraden, einfachen Sinn des Alterthums modernen Gedankenwitz imputirt, und glaubt jenes damit reproduzirt, neu erschaffen zu haben. Dann ist sie um so widriger, als sie dann selbst auf die alte Orthodoxie mit noch größerer Verachtung hinabsieht, als auf ihre modernen Gegner. Nein! die naive Welt der alten Orthodoxie ist vorüber, und was sich jetzt für diese ausgiebt, ist recht häßlich. Unsere Leser wissen, daß wir hiermit noch lange nicht dem bis zur Grenze der Negation, bis zum Fanatismus der Leugnung gelangten modernen Rationalismus das Wort reden. Dieser btasirte, alles Geschichtliche, weit es geschichtlich ist, hassende, alle Form, außer der, die er selbst gemacht hat, zurückstoßende, spöttische und zersetzende moderne Hochmuth leidet wirklich nicht an wenigeren Fehlern und befriedigt nicht um ein Iota mehr. Was er noch an Positivem, was er an Lehre hat, das hat er aus dem geschichtlich überlieferten Judenrhum, und doch schmähet er dieses!.. . Machen wir es uns vielmehr klar! Die Orthodoxie der Form hat sich überlebt, aber ore Orthodoxie des Geistes muß die Fahne erheben und die Bekenner vereinigen und erfüllen. Diese Orthodoxie des Geistes, welche die Geschichte des Judenthums anerkannt nach ihrem Geiste, nach ihrem ganzen Gedankeninhalte, welche sich als nichts Anderes als ein neues Glied dieser Geschichte anerkennt, welche daher den Lehrinhalt des Judenthums, so wie er auf der ewigen Basi'S des Mosaiömus sich entwickelt hat, als die Wahrheit anerkennt, und die Formen des Judenthums in geschichtlicher, zusammenhängender Fortolloung halten will, diese Orthodoxie des Geistes, die ihren Lebensmittelpunkt in immer innigerer und innerlicherer Erfassung der Lehren und höchsten sittlichen und gesellschaftlichen Gesetze des Judenrhums, und in immer kräftigerer Belhärigung der Lehren als unerschütterliche Treue am und entschiedene Unumwundenheit im Bekennmiß, und der sittlichen und gesellschaftlichen Gesetze als Werke der Liebe und des Rechts, findet! Diese Orthodoxie des Geistes erkennt die alte jüdische Orthodoxie, wo sie sich in ihrer Ursprüglichkeit, in ihrer naiven Abgeschlossenheit, in ihrem reinen Fürstchsein erhalten, als vollberechtigt an; aber sie weiset jenen Mischling von sich, der die stabile Form vergöttert, weil er es will, oder weil er hineingepfropft was ibm beliebt; sie weiset jene Halbheit von sich, die heute orthodox, morgen modern ist, für die Personen alle mögliche Freiheit, für die Gesammlheit aber die ängstlichste Stabilität will; sie weiset endlich jene moderne Negation von sich, welche Nichts als die zersetzende Kritik der Geschichte ist und sich dann doch Etwas heraussucht, was sie noch festhält, was sie schont und wofür sie doch nur wieder die Geschichte als Erweis hat. Die Orthodoxie des Geistes will Ueberzeugung, wie sie aus dem Herzen quillt und im Verstände wurzelt, sie will Wärme der Empfindung, Hingebung, Begeisterung, sie will Wahrhaftigkeit und That, sie will Uebereinstimmung der Religion und des