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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-12-01 · Heft 49 (1.12.1851) · p. Seite 578

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 49 (1.12.1851)
Date
1851-12-01
Page
Seite 578 (sequence 2)
Language
German
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578 Meisten an der Pfanne kleben? Wir Juden. Ein Rezensent in der Köln. Zeit., der mit Mühe die einzelnen Lichtblicke im Romanzero aufsucht, sagt doch: „Ebenso enthalt der Romanzero widrige Frivolitäten in Fülle, daneben auch manche Stelle matten, prosaischen Geversels, und des jüdischen Krams mehr als billig — für die Knoblauchwürze mit allerlei talmudischem Zeug, Schadday, Tausves-Jontof, Kadosch, Schalschelet und so weiter, wird uns denn doch gar zu viel Geschmack zugetraut; was um Gottes willen z. B. hat Amram, Jochebed, Moses in einer Romanze zu schaffen, die uns nach Mexiko und zu Ferdinand Cortez versetzen soll?" Und das ist noch sehr gelinde gesagt. Warum wir noch einmal hierauf zurückkommen? Um auszusprechen, daß mit diesem Romanzero dieser verweste Kram nun endlich begraben werde. Nachdem es langst außer Mode gekommen, den Juden als Träger aller Menschenfeindlichkeiten a la Shylock, oder wieder als Mittelpunkt aller Großmuth wie Nathan den Weisen, Schewa u. A. darzustellen, höre man auch auf, ihn zum Popanz aller Abgeschmacktheiten zu machen, und wie Heine der Erste war, der den Juden in dieser Gestalt in die deutsche Belletristik einführte, so sei er mit seinem Romanzero auch der Letzte. Der geschichtliche Jude ist kein Shylock und kein Nathan, aber ebenso wenig ein Hirsch Hyazinthos und Marchese Gumpelino, er ist kein Tyrann und kein Narr — er ist ein Charakter, ein Charakter im vollsten, strengsten Sinne deö Wortes, ein Charakter, der von allem dem Etwas hat, aber vor Allem Charakter ist. So fasse man ihn auf, und man wird ebenso wenig die Gesetze der Schönheit wie die Wahrheit der Geschichte zu verletzen brauchen, und man wird in ihm allerdings eine Tiefe finden, welche der Ausbeute eine Fülle darbietet. Das haben wir mit dem belletristischen Theile dieser Zeitung von ihrem Beginn an konsequent geltend zu machen gesucht, und darum hatte dieser Theil mehr als das bloße Jntereffe vorübergehender Unterhaltung. Sollte der Romanzero Heine'S diesen Erfolg haben, daß endlich ein energischer Widerwille gegen die ewigen jüdischen Abgeschmacktheiten allseitig einrrete, und diese durch den Verlust ihres Reizes allgemach verschwanden — so wäre dies allerdings ein nicht geringer Gewinn, der uns endlich zu Dank stimmen müßte. Die Orthodoxie. Die alte jüdische Orthodoxie, als* sie noch der Lebensnerv des jüdischen Lebens und des Judenthums war, war etwas ganz Anderes, als wie sie sich jetzt darstellt, jetzt, wo sich die ganze Welt um sie verändert hat, und sie sich auch. Das darf man.nicht außer Acht lassen, wenn sie jetzt noch ihr Lebensrecht aus dem Grunde geltend macht, weit sie das unverändert Bestehende sei. Sie wird dies leugnen, aber ste kann es nicht. Die alte Orthodoxie war liebenswürdig; liebenswürdig durch ihre unbeschreibliche Naivetat, durch ihre Kindlichkeit, nicht blos im Glauben, sondern auch in ihrem Thun und Wesen; wie sie nichts Anderes wußte als sich selbst, und von nichts Anderm, als von sich selbst, so that sie auch Alles aus sich heraus, ohne Zweck und Nebenzwecke, als weit es so in ihrer Natur lag; sie hatte ihre eigne, abgeschlossne Wett, und erhielt diese nicht aus Absichten, die außer dieser Welt lagen. Darum war sie auch ernst und würdig, aber nicht zurückstoßend und widrig. Darum trug sie ihre Opfer nicht als Opfer, und wollte für diese nicht etwas Besonderes haben und erhalten, als was ste sich selbst versprach und leistete. Darum war sie auch nicht verfolgungssüchtig, denn sie leugnete lieber alles was außer ihr war, als daß sie dagegen ankampfte und es zu vernichten suchte. Die wenigen Falle von Verfolgungen Solcher, die sich nicht zu ihr bekannten, liegen schon nicht mehr innerhalb der echten alten Orthodoxie. Ob einige polnische Rabbinen die Uebersetzung Mendelssohns verbannten und verbrannten; darum lebte Mendelssohn dennoch im innigsten Frieden mit dem berliner Bet Din, und Niemand kümmerte sich darum. Uns schwebt dabei immer das wirklich erhabene Beispiel eines echten alten Rabbinen aus unsrer Kindeszeit vor, der zu seinem Sohne, der einen Genossen anklagte, er habe sich am Sabbat für einen Sechser ein gekochtes Ei gekauft, sagte: „Das ist nicht wahr/' „Ich Hab' es doch gesehen, Vater/' „Du hast auch Nichts gesehen." „Ich war aber doch dabei." „Du warst auch nicht dabei; das thut kein Jude." Das war die echte, alte, liebenswürdige, ihrer selbst bewußte, aber der ganzen übrigen Welt unbewußte Orthodoxie! Oder jenes braven, tief gelehrten Rabbi, der noch in unsre Jünglingszeit hineinreichte, und zu einem Schüler sprach: „wie können doch die aufgeklärten Christen an die Himmelfahrt eines Menschen glauben?" und als dieser erwiderte: „nun, Rabbi, wir glauben doch an die Himmel-

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