Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 48 (24.11.1851)
- Date
- 1851-11-24
- Page
- Seite 566 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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566 Der Rabbi bleibt Nichts schuldig. Er hebt an: „Um für deine Saat zu düngen Meines Geistes dürren Acker, Mit Mistkarren voll Schimpfwörter Hast du mich beschmissen wacker. So folgt Jeder der Methode, Dran er nun einmal gewöhnet, Und anstatt dich drob zu schelten. Sag' ich Dank dir, wohlversöhnet." Er widerlegt ihm mit Witzen die Dogmen, spricht aber seinerseits die verkehrtesten Fabeln aus, wie er z. B. den Leviathan beschreibt: „Doch sein Fleisch ist delikat, Delikater als Schildkröten, Und am Tag der Auferstehung Wird der Herr zu Tische beten Alle frommen Auserwahlten, Die Gerechten und die Weisen — Unsres Herrgotts Lieblingsfisch Werden sie alsdann verspeisen, Theils mit weißer Knoblauchbcühe, Theils auch braun in Wein gesotten. Mit Gewürzen und Rosinen, Ungefahr wie Matelotten. In der weißen Knoblauchbrühe, Schwimmen kleine Schadchen Rettig — So bereitet, Frater Jose, Mundet dir das Fischlein, wett' ich! Auch die braune ist so lecker. Nämlich die Rosinensauce, Sie wird himmlisch wol behagen Deinem Bauchlein, Frater Jose?" Aber vergebens lockt der Eine wie der Andre. „Nach dem Juden sprach auf's Neue Der katholische Bekehrer; Wieder schimpft er, jedes Wort Ist ein Nachttopf, und kein leerer." Der Rabbi erwidert, aber hält immer noch seinen Eifer zurück. „Er beruft sich auf die Mischna, Kommentare und Traktate, Bringt auch aus dem Tausves-Jontof Viel beweisende Zitate. Aber welche Blasphemie Mußt er von dem Mönche hören! Dieser sprach: der Tausves-Jontof Möge sich zum Teufel scheren!" Da reißt dem Rabbi die Geduld: „Gilt Nichts mehr der Tausves-Jontof, Was soll gelten? Zeter! Zeter! Rache, Herr, die Missethat, Strafe, Herr, den Uedelthater! Denn der Tausves-Jontof, Gott, Das bist du! Und an dem frechen Tausves-Jontof-Leugner mußt du Deines Namens Ehre rachen." Und jetzt ergießt sich der Strom der Flüche. Der Kapuziner replizirr, zwölf Stunden dauert der Kampf, der Hof wird ungeduldig, der König fragt die Königin: wer hat Recht von diesen Beiden? „Donna Blanka schaut ihn an, Und wie sinnend ihre Hände Mit verschränkten Fingern drückt sie An die Stirn und spricht am Ende: Welcher Recht hat, weiß ich nicht — Doch es will mich schier bedünken Daß der Rabbi und der Mönch, Daß sie alle beide stinken." Damit enden die „hebräischen Melodieen" Heine's, die, man kann es nicht anders sagen, wirklich — stinken.... Wir haben die obigen Umrisse mit einigen bezeichnenden Stellen nackt hingestellt, um dem Urtheil des Lesers durchaus nicht vorzugreisen. Es wird deren geben, welche alles dies für verborgnen Humor, für tief angelegte Laune ausposaunen werden, aber wir scheuen es nicht zu sagen, daß uns dieser Humor zu verborgen und diese Laune zu tief, wol aber das Gemeine recht klar und anschaulich ist. Es werden dabei die Sympathieen von Tausenden auf eine sehr wohlfeile Weise verletzt, und man ist froh zn enden, was Einen nirgends befriedigt. Das Interesse, mit welchem man Heine's Romanzero entgegensah, war durch ein Gerücht gesteigert worden, das von Zeit zu Zeit aus Paris herüberdrang. Heine habe seinem Heidenthum abgesagt, und sei gottgläubig geworden. Man glaubte in dem „Romanzero" den Kampf ausgesprochen zu finden, der in einem Geiste