Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 47 (17.11.1851)
- Date
- 1851-11-17
- Page
- Seite 556 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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wird. Er beschreibt die hellerleuchtete Synagoge, wo der schmucke Chasan die weiße Hand an die Schläfe und Kehle drückt. Trällert vor sich hin ganz leise, Bis er endlich lautaufjubelnd Seine Stimm' erhebt und singt: Lecho Daudi likras Kalle! Lecho Daudi likras Kalle — Komm, Geliebter, deiner harret Schon die Braut, die dir entschleiert Ihr verschämtes Angesicht! Dieses hübsche Hochzeitskarmen Ist gedichtet von dem großen, Hochverühmten Minnesinger Don Jehuda den Halevy. Diese Braut besingt er, die schöner als die Königin von Saba, Die, ein Blaustrumpf Aethiopiens, Durch Esprit brilliren wollte, Und mit ihren klugen Rathseln Auf die Länge fatigant ward — (etwas, was genau auf diese Heine'sche Muse paßt —) Die Prinzessin Sabbat, welche Ja die personisizirte Ruhe ist, verabscheut alle Geisteskampfe und Debatten — (das nenne ich poetisch und Vers! —) Sie erlaubt dem Liebsten Alles, Ausgenommen Tabackrauchen — „Liebster, rauchen ist verboten, Weil es heute Sabbat ist. Dafür aber heute Mittag Soll dir dampfen, zum Ersatz, Ein Gericht, das wahrhaft göttlich — Heute sollst du Schalet essen!" Schalet, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium! Also klänge Schiller's Hochlied, Hatt' er Schalet je gekostet. (Heine's Schalet ist aber diesmal nur ein aufgewärmtes Gericht, da er früher schon öfter es besungen! —) Wir übergehen die folgenden Verse, in denen Schalet bis zum Sinai zurückgeführt wird- Das ist Heine's erste „hebräische Melodie". Die zweite ist überschrieben „Jehuda ben Halevy". (48 Seiten!) Die Hauptingredienzen sind die bekannten Sagen über diesen großen Dichter und Denker. Man sieht es hier Heinen an, daß es ihm eigentlich Ernst war um diesen Gesang — ahn er kann aus dem burlesken Kreis, in den er gebannt ist, mit aller Macht nicht hinaus, und so wird auch dieser — abgesehen von der oft überaus nüchternen Lange und Langstiligkeit — gänzlich verfehlt. Er erzählt zuerst die Zugendgeschichte Halevy's, höchst prosaisch, wann und wo er geboren, wie sein Vater ihn zu Tora und Talmud erzogen. Man lese Verse wie: Für Entwicklung seines Geistes Sorgte früh der strenge Vater, Und der Unterricht begann In dem Gottesbuch, der Tora, Diese las er mit dem Sohne In dem Urtext u. s. w. Auch der Targum Dukelos, Der geschrieben ist in jenem Plattjudaischen Idiom, Das wir aramäisch nennen — Lernte gleichfalls früh der Knabe, Und es kam ihm solche Kenntniß Bald darauf sehr gut zu Statten Bei dem Studium des Talmuds. So geht es viele Seiten fort, und man muß gestehen, es heißt viel auf die Geduld des Publikums rechnen, das für Poesie hknnehmen zu sollen! Er beschreibt den Talmud, wie man ihn in Halacha, „eine große Fechterschul'" und Hagada „einen Garten" trennt, wobei der Garten der Semiramis hineingeflickt wird; wie Halevy ein großer Dichter ward, wobei die provenzalischen Troubadours beschrieben werden, wie er nach Jerusalem ging und starb. Hieran reiht sich noch ganz wunderliches Zeug. In No. III. nämlich beschreibt er das Juwelenkastchen, das Alexander im Zelte des Darius erbeutete, und welche Schicksale die Juwelen gehabt, bis An dem Hof der Tuilerken Kam die Schnur zuletzt zum Vorschein, Und sie schimmerte am Halse Der Baronin Salomon— in das Juwelenkastchen aber steckte Alexander die Gesänge Homer's — er aber, hätte er das Kästchen — er ist jetzt auf der 7ten Seite — würde er die Gesänge