Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 47 (17.11.1851)
- Date
- 1851-11-17
- Page
- Seite 554 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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554 agogen schließen, in welchen der Kultus eine bessere Gestalt angenommen; sie will alle Religionslehrer, wie sie auch genannt ftien, bannen und verbannen, denen das Zuoenthum eine Religion der Wahrheit, d. h. eine Religion des Lichts, der Liebe und des Lebens ist; sie will gute Einkünfte, fette Pfründen für ihre Speichellecker u. s. w. Und das sei das Alte im Zudenthume? Lüge, Lüge! Das ist etwas Neues, etwas Niedagewesenes im Zudenthume! Das ist eine Neuerung im Zudenthume, neuer als die Abschaffung eines Dip“’ neuer als ein Gottesdienst in jeder beliebigen Sprache, denn den kannte die Mi sch na bekanntlich schon ganz gut und billigte ihn. Wie war die alte Orthodoxie so bescheiden, wie erstrebte sie weder Herrschaft, noch Geld, wie lebte sie zurückgezogen von der Welt, allein in ihre Studien versenkt, welche einfache, nur auf Vertrauen und Verehrung gestützte Stellung nahm das Rabdinat in der Gemeinde ein! Wo ist da je solche Prätension vorhanden gewesen? Aber jetzt. Sie weiß es, sie kann sich den Gemeinden nur mit Gewalt aufdrangen, nur mit Gewalt in die Herrschaft setzen, nur mit Gewalt sich darin erhalten! Wolan, hoffen wir, daß sie das nicht will, daß es falsche Gerüchte, ausgesprengt non Mißwollenden sind. Aber seien wir wachsam! Der erste wirkliche Schritt, und wir sind es uns, unseren Kindern, unserm Zudenthume schuldig, solche Neuerung fern zu halten, und der Staatsregierung die wahren Zustände und wahren Bedürfnisse vorzurragen und klar zu legen. Darum: aufmerksam! * Magdeburg, 9. November. Heine s Romanzero. Fliegt dir das Glück vorbei einmal. So fass' es am Aipf-l. Heine's Romanzero. „Auch die Bücher haben ihr Geschick", sagt der alte Horaz. Es giebt Schriftwerke, die, von größtem Verdienste, zu ungünstiger Zeit an's Licht treten, und deshalb nur eines sehr zweideutigen Dämmerlichtes theilhaftig werden — bisweilen geht ihnen das Licht erst nach vielen Zahrzehenden auf. Und es giebt Schriften, denen die allgemeine Aufmerksamkeit entgegenfliegt — wohl, wenn sie diese dann befriedigen. Es giebt Momente, in denen sich die Nation nach immer neuen Erscheinungen sehnt, wie nach ^frischender Lust, nach erquickendem Trank, und glücklich, wer dann mit Befriedigendem zu ihr tritt/ er hat seinen Rühm auf Jahrhunderte von diesem einen Momente aus befestigt. Ein solcher Moment war jetzt. Ermüdet und ennuyirt von Allem, was wir hier nicht aufzählen wollen, sieht sich Deutschland schon lange nach einer erfreulichen, die Herzen berührenden, erfüllenden Erscheinung um, am Liebsten auf dem Felde der Dichtung, welche das Vorrecht hat, politische und religiöse Spaltung ignoriren zu können, und doch Alle zu treffen, zu erquicken, zu starken. Der Moment war da — ein neues Werk, neue Gedichte von H. Heine wurden angekündigt — Alles greift begierig danach — er konnte das Glück, das er an sich vorübergeflogen bejammert, noch einmal „am Zipfel fassen" — er hat's verfehlt, es ist vorbei — man wird dieses „Romanzero" enttäuscht niederlegen. Sonst pflegt man zu sagen: „über Tobte Nichts außer Gutes". Man könnte es ausdehnen, auch über Kranke, Leidende nur Gutes — wenn sich aber das Kranke noch in den Kreis des Gesunden drängt, und da eine gewisse Herrschaft ausüben will, so muß es zurückgewiesen werden, gleich dem Todten, das unter die Lebenden sich einschmuggetn will. Doch es ist hier nicht der Ort das Verfehlte, das Leere, Weitschweifige, Nüchterne der meisten Plücen dieses „Romanzero" zu bezeichnen. Es ist eine völlig verstimmte Lyra, deren schlaffe, zerrissene, angerostete Saiten wol hie und da noch einen einzelnen Metallklang anklingen, der sich aber um so mehr unter den Mißtönen verliert, welche ächzend, schwirrend, kurz mißbehaglich sich hervordrängen, wenn jene berührt werden. Wir greifen nur das heraus, was uns in diesem Blatte insonders interesfirt. Es ist eine alte Bemerkung: wenn sie Nichts mehr wissen, womit sie anfangen sollen, fangen sie mit den Juden an; wenn die deutschen Dichter vergebens nach etwas Pikantem, Kuriosem, die Aufmerksamkeit Erregendem suchen, flugs quartieren sie sich bei den Juden ein, und picken da einige Gerstenkörner auf, blinde Hennen, die nur selten ein gutes, gesundes Korn finden. Heine nun gar, der Weltbürger, der Heide, der französirte, der Pariser, ist so recht eigentlich niemals aus der Judenheit herausgekommen, er hat feine jüdischen Witze, wie seine Witze über Juden und Judenthum niemals loswerden können, und so wie er sie immer wieder vornahm, so nahmen sie ihn immer wieder vor, und wenn