Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 46 (10.11.1851)
- Date
- 1851-11-10
- Page
- Seite 547 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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547 aber — es werden schon einige hyperorthodoxe Rabbinen es zu Hintertreiben wissen. Hingegen haben wir Hoffnung, ein anderes Projekt eher in Erfüllung gehen zu sehen — nämlich ein jüdisches Hospital. Es sind zu diesem Zwecke an den vergangenen Festtagen schöne Spenden geschehen, allein noch lange nicht ausreichend, um ein Grundstück zu erwerben. Jndeß hoffen wir, daß es unserm ehrwürdigen Konsistorialpräsidenten, Herrn Louis Ratisbonne, der erst im vorige Jahre ein Haus für die „Arbeitsschule" (eeole 6e travail) gekauft, und es auf seine Kosten einrichten ließ, in welchem ein großer, schöner Speisesaal, luftige Schlafsäle und bedeutende Studirsäle nebst einem Logis für den Hausvater sich befinden, wol gelingen wird, auch durch Beschaffung eines Hospitals seinen Namen zu verewigen. Derselbe wurde noch unter Louis Philipp dekorirt, und in diesem Jahre einstimmig von Stadt und Land wieder in's Konsistorium gewählt. Am eben verflossenen!-nin nna» spendete er einen neuen silbernen Becher zum Kiddusch, und Wein — guten — für alle Arme. Einer der thätigsten und wohlthätigsten Männer unserer Gemeinde ist auch Herr Louis Bloch, in dessen Hause täglich 6—8 Arme gespeist werden. Seine Gattin will sich an die Spitze stellen, um eine großartige Lotterie zum Besten des projektirten Hospitals einzurichten. Ich glaube, da wir als Grenzstadt von deutschen Glaubensgenossen sehr in Anspruch genommen werden, daß es auch Pflicht der deutschen Glaubensgenossen sei, mindestens durch Ankauf von Loosen dieser Lotterie die Errichtung des Hospitals zu unterstützen. Sehr erleichtert wird diese-durch das Anerbieten eines unserer bedeutendsten Aerzte, des Herrn vr. Herz, das Hospital als Arzt zu bedienen. Unsere Gemeinde gehört nicht zu den reichsten, aber sicher zu den wohlthätigsten. Wir haben hier sehr segensreiche Vereine, z. B. den Verein nip'2 ü^Vm, der jedem armen Kranken fast vollständiges Wochenlohn reicht, was wol das denkbar wohlthätigste Thun ist. L. Großbritanien. London, im Oktober. Der RabbinerDr. Schiller in Manchester, bekanntlich ungarischer Flüchtling, hat ebenfalls eine Adresse an Koffuth gerichtet. Belletristisches. Wer unbekannte Nabbi. Eine Novelle. (Fortsetzung.) „Ich thue es nicht," rief ihr der Mann barsch zu, „oder wißt Ihr was, bringt mir den Gulden Zinsen vom vorigen Jahr, dann will ich Euch drei Gulden leihen." Strutzberger lachte über seinen eignen Witz. Das Weib ging hinaus und rief: „Nun, dann will ich Euch noch die Silbertreffe vom Tallis (Gebetmantel) bringen, dann wird das Pfand vollgiltig sein." Ich schlich ihr nach. Vom Herrli hatte ich beim Abschied eine große, alte Silbermünze bekommen, die steckte ich ihr in die Hand. „Hier ist was," flüsterte ich ihr erröthend zu, „bringt dem alten Kerl die Tressen nicht!" Die Frau kehrte um und zeigte meinem Vater die Münze. In Euerm Kinde, sagte sie ihm, zeigt sich schon früh „der Mann der Tugend und Wohlthatigkeit", es hat mir die Münz' gegeben, Ihr wißt Nichts davon. Mein Vater nahm die Münze, steckte sie in die Tasche und gab dem Weibe ein Almosen in die Hand. Mit Ingrimm sah ich auf das „Licht des Gesetzes", der Mann hatte allen Glauben bei mir verloren. Der baut eine prächtige Laubhütte, dachte ich, und hat wahrscheinlich gestern den ganzen Tag keinen Piut *) ausgelassen und denkt nicht an die Vorschrift: Du sollst keinen Zins von deinem Bruder nehmen! Nicht lange wahrte es, mein Vater war im Gespräch mit dem Manne, da kam ein junger Mann mit einem schwarzen Käppchen auf dem Kopf auf den Hof, trat ehrfurchtsvoll vor Hirsch und prasentirte ihm — eine Rindslunge und ein Rinderherz auf einer Schüffel. Es war der ehrsame Schächter der Gemeinde. Er hatte beim Schlachten eines Rindes eine Nadel am Herzen gefunden, die aus dem zweiten Magen durch's Zwergfett in das Herz gedrungen war, darob waren auch die Lungen unter einander verwachsen, das Zellgewebe hatte sich aber leicht und kunstgerecht trennen lassen, das Rinderherz war aber mürbe und entzündet geworden. Nun frug es sich: Kann der Jude von dem Fleische de6 Thieres essen oder nicht? In der Praxis war der Fall dem Jüngling noch nicht vorgekommen, auch die Theorie hatte ihn verlassen und nun flüchtete er kn seiner Gewissensangst zum tiefgelehrten Hirsch Strutzberger, der, wie Gottesdienstliche Gedichte.