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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-11-10 · Heft 46 (10.11.1851) · p. Seite 546

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 46 (10.11.1851)
Date
1851-11-10
Page
Seite 546 (sequence 6)
Language
German
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546 gesetzgebende Versammlung ihre Sitzung hielten, kam es zu einer heftigen Szene, als ein Mitglied des ultrakonservativen Reformvereins Protest gegen die Giltigkeit dieser Wahlen einlegte, weil die Juden zugelaffen seien — der Präsident des WahlkoUegs war selbst ein Jude, Dr. Goldschmidt — und diesen Protest zu Protokoll gegeben haben wollte. Es wurde dieser Schritt von der Mehrheit als revolutionär und als eine Auflehnung gegen die Autorität des Senats bezeichnet. Die Sache wurde zuletzt gütlich vermittelt, allein das betreffende Mitglied des Neformvereins will sie nicht auf sich beruhen lassen. — Der Reformverein wird, wie man vernimmt, zunächst beim Senat eine Eingabe bezüglich der Wiederherstellung des betreffenden Artikels der Konstitulionsergänzungsakte, die Wiederaufhebung der Gleichberechtigung der Juden betreffend — stellen und sollte er hier Nichts ausrichten, sich an die Bundesversammlung wenden. Es ist indessen Thatsache, daß der Letzlern bereits eine Petition für Aufrechthaltung der Verfassung von 1816 überreicht wurde, so wie auch der Bundesversammlung von Hamburg, Bremen und Lübeck Petitionen für Aufrechthaltung der vormärzlichen Verfassungszustände zugingen. — Andrerseits macht die Demokratie in ihrem Organ, dem „Frankfurter Volksblatte", den Juden Vorwürfe, daß sie ihr abtrünnig geworden, sich in die Arme der gothaer Partei, deren beantragtes Bündniß die Demokratie von der Hand gewiesen, geworfen. Unter einem Theile der Demokratie, heißt es in dem betreffenden Artikel weiter, habe dies sehr böses Blut gesetzt, weil die Juden nur der Demokratie ihre Errungenschaften zu danken haben. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 28. Oktober. Aus Tarnopol wird bemeldet: Se. Majestät empfing sämmtliche Korporationen, auch eine Deputation der Judengemeinde, welche eine Dankadresse für die ihnen verliehene bürgerliche Gleichstellung überbrachte, und wobei Herr Dr. Horwltz das Wort führte, ungemein liebreich, und geruhte zugleich zu äußern: „Ich hoffe, die Israeliten werden wie bisher treu und würdig dieser Wohlthat sich bewähren." Se. Maj. besuchte auch das jüdische Spital. Prag, 26. Oktober. Das Unterrichtsministerium aht bezüglich des Religionsunterrichts für israelitische Studenten in neuester Zeit verordnet, daß vorläufig die den Gymnasien zunächst sungirenden Rabbiner oder an israelitischen Schulen angestellte Religionslchrer ermächtigt werden sollen, den israelitischen Gymnasiasten diesen Gegenstand, der für jeden israelitischen Studenten obligat ist, vorzutragen. Der Religionslehrer wird zugleich ermächtigt, für seine Vorträge von den Studirenden ein angemessenes Honorar zu beanspruchen. Ofen, im Oktober. Mit dem Baue des neuen Tempels der ofner Israeliten ist es nunmehr wirklich Ernst. Es wurden dieser Tage mehrere Sitzungen der dasigen Kultusgcmeinde gehalten; und es handelt sich nunmehr blos um den Platz, wo die neue Baute aufgcführt werden soll. Sobald hierüber etwas Definitives beschlossen sein wird, beginnt der Bau und soll bis zum neuen Jahr der Israeliten im September künftigen Jahres vollendet da stehen. Frankreich. Paris, 26. Oktober. Zwei Juden haben diesmal von der Akademie auf dem Gebiete der vergleichenden Philologie Preise zuerkannt erhalten, nämlich Medaillen im Werthe von 1200 Frcs., die Herren DD. phil. Steinthal und Munk. (Letzterer für seine Abhandlung über einige hebräische Grammatiker des 10. und 11. Jahrhunderts.) Straßburg, 13. Oktober. (Privatmitth.) Unsere Feiertage sind Gott sei Dank! sehr gut und erbaulich vorübergegangen, da der Gottesdienst bei uns durch unfern meisterhaften Vorsänger und einen gediegenen vierstimmigen Chorgesang vortrefflich und musterhaft ist. Freilich! wünschte man noch die unsäglich ermüdenden Piutim hinweg, die von vorn herein jede Ordnung auf die Länge unmöglich machen — auch wäre unser ehrwürdige Großrabbine, der, beiläufig gesagt, uns durch seine Vorträge an den Feiertagen außerordentlich erbaute, ganz gern dazu bereit — allein man hält dafür, daß dies nur durch eine Synode geschehen könnte, und diese zu berufen liegt allein in der Hand des Zentralkonsistoriums in Paris. Die Herren des Letztem aber fühlen kein solches Bedürfniß, da sie — doch nicht in den Tempel kommen. Man spricht zwar davon, daß so etwas im Werke sei,

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