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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-11-10 · Heft 46 (10.11.1851) · p. Seite 545

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 46 (10.11.1851)
Date
1851-11-10
Page
Seite 545 (sequence 5)
Language
German
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545 werden. Auf der nahen „Ermitage" hat Se. Majestät gerade zu jener Zeit das Gesetz über die Abschaffung der juridischen Ausnahmsgesetze gegen die Juden durch seine Unterschrift sanktionirt. Bei der allgemeinen Vorstellung war auch Dr. Aub zugczogen worden, und Se. Majestät geruhten sieben Fragen über persönliche und allgemeine Verhältnisse an denselben zu richten. Auf der Rückreise von dort berührte ich die kleineren Gemeinden Forchheim und Forth, die ihre Religionslehrer, wie gewöhnlich, so schlecht besolden, daß sie auf Mittel bedacht sein müssen, ihre und ihrer Familien Subsistenz durch einen anderweitigen Nebenverdienst zu fristen. Länger weilten wir in Schnaittach, welches mit den Gemeinden Ottensoos, Forth und Hüttenbach ein Rabbinat bildet. Auf dem Wege dahin ward ich von Freundes Mund gefragt, ob es rathsam sei, einen Sohn dem jüdischen Schulfache zu widmen. Ich nannte solches Beginnen ein 'mil£3 ö'til. Schnaittach, eine der ältesten baierschen Gemeinden, wohlhabende und dem Fortschritte huldigende Gemeindeglieder in großer Menge zählend, lebt in beständigem Unfrieden mit seinem Rabbiner Herrn Nekarsulmer und tragen, wie immer in solchen Fällen, beide Theile die Schuld. Derselbe entwarf seiner Zeit die für Mittelfranken giltige Synagogenordnung und doch wird sie nirgends weniger gehandhabt, als gerade hier. Da herrscht völlige Ungcnirtheit und noch Etwas mehr, und der Rabbiner wendet sein Antlitz beharrlich der Wand zu. Rühmliche Erwähnung verdient die Gnade der königl. Regierung, welche auf die Dauer der Krankheit des dasigen Lehrers — und sie wird leider lang andauern — den Gehalt des Verwesers ganz aus Staatsmitteln leistet. In Ermangelung eines jüdischen Kandidaten mußte mehrere Monate ein christlicher als Verweser verwendet werden. — Ueber Nürnberg, das seine Thore freiwillig wieder den Juden öffnet — es befindet sich bereits auch ein jüdischer Gasthof, bezeichnender Garküche, dort — gehen wir nach Fürth, woselbst, Dank einer alle separatistischen Gelüste der hyperorthodoxen Minorität niederhaltenden Entschließung unsers weiland Morgenroth-Ministeriums, dermalen Friede herrscht. Herr Rabbiner Dr. Löwi weiß seine Predigten selten und daher wirksamer zu machen. Die dazumal auch gegebene Erlaubniß zur Anbringung einer Orgel in der Synagoge benützt man nicht. In der Neuzeit wurde hier Herr Dr. Brentano, Vorstand eines Erziehungsinstituts, an der öffentlichen Handelsschule regierungsseits, wol das erste Beispiel dieser Art bei uns, angestellt. — In dem nicht fernen Schwabach starb vor mehr als Jahresfrist, wie in diesen Blättern gemeldet ward, Rabbiner Wechsler. Ist es nun charakteristisch für unsere Zustände, daß die königl. Kreisregierung vor wenigen Monaten noch weder von diesem Ableben noch von der eingetretenen Verwesung des Rabbinats Kenntniß hatte, vielleicht sie heute noch nicht hat, so ist es dies noch mehr, daß die Auflösung des Rabbinats so viel als schon vollzogen ist. Herr Rabbiner Dr. Feuchtwanger verwest die Stelle und der Ertrag derselben fließt der Wittwe Wechsler zu. Allen Respekt vor der Uneigennützigkeit des Herrn Dr. Feuchtwanger und dem frommen Willen der Gemeinden, welche der Wittwe einen einjährigen Nachsitz ermöglichten. Wenn aber diese Verwesung sä cslenäss grsecss währen soll, so möchte man doch fragen, ob denn die Stelle der Wittwe wegen da sei? und ob Herr Rabbiner Dr. Feuchtwanger in die Länge auch im Stande ist, diese entfernten und theilweise entlegenen Gemeinden nach den Anforderungen der Zeit und der Gemeinden zu befriedigen? Man darf billig daran zweifeln und der Hoffnung sich hingeben, daß der Abminderung der Rabbinate nicht noch mehr Vorschub geleistet wird. — In der kleinen Gemeinde Windsbach ward voriges Jahr eine neue Synagoge eingeweiht und die dortigen Gemeindeglieder wetteifern seitdem nicht nur in der Stiftung angemessener Bekleidungen der Tora's, der heil. Lade rc., sondern was noch mehr ist, man hält dort auf die strikte Durchführung der Synagogenordnung für Mittelfranken» und verdient bei so vielen Hindernissen der große Eifer des neuen Vorstehers, Herrn Nußbaum's, eine öffentliche Anerkennung. Möchte er sich ferner nicht beirren lassen. stisb -I133N rpcai Mit diesem sind auch wir, wenn auch ohne 1132 erwarten zu dürfen, an's Ende unserer Mittheilungen gelangt, die Einblicke in unser Gemeinde- und Kirchenleben gewähren. Eine Darstellung unsers sozialen rc. Standpunkts wird mein Monatsbericht demnächst geben. K. Frankfurt am Main, 30. Oktober. Die Juden werden hier jetzt von den beiden extremen Seiten angegriffen. Als die 75 Wahlmänner für die

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