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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-11-10 · Heft 46 (10.11.1851) · p. Seite 543

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 46 (10.11.1851)
Date
1851-11-10
Page
Seite 543 (sequence 3)
Language
German
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543 Schaye hat seinen Wohnsitz in Berlin aufgeschlagen. — Aus Wittkowo erfahren wir, daß von dem ersten Lehrer an der dastgen jüdischen Schule ein Religionskursus eröffnet worden, an welchem alle jüdische Kinder, männlichen wie weiblichen Geschlechts, welche die Schule bereits verlassen, das 18. Lebensjahr aber noch nicht hinter sich haben, unentgeidlich Theil nehmen können. Der Bortrag geschieht jeden Sonnabend Nachmittag von 2 bis 4 Uhr im Schulgebäude und ist stark frequentirt. Aus Mecklenburg, 29. Oktober. (Eingesandt.) Unseren Gemeinden steht demnächst ein bedeutender Verlust bevor. Der Landesrabbiner vr. Einhorn hat einen von der Resormgemeinde in Pesth erhaltenen Ruf angenommen, und wird schon zu Neujahr 1852 in seinen neuen Wirkungskreis eintreten. Zu keiner andern Zeit aber hätte dieser Verlust schmerzlicher für uns sein können, als jetzt; denn zu keiner andern Zeit wäre uns ei» geistlicher Führer, der mit besonnenem Muthe die Bahn des ruhigen Fortschrittes verfolgt, nöthiger gewesen, als jetzt. Unsere Regierung, abgeneigt den gegenwärtigen Bestrebungen im Judenthum zur Wiedererweckung des religiösen Lebens, scheint den Verfall unserer religiösen Institutionen zu begünstigen, da sie einzelnen Mitgliedern der Gemeinde nicht nur gestattet, von diesen sich loszusagen und ihren Gottesdienst nach dem alten Ritus abzuhalten, sondern sie auch aller Beiträge zu derselben und aller Beziehungen zu dem israelitischen Oberrathe entbindet. Muß dies nicht die Auflösung vieler Gemeinden sowol, als auch des Instituts des Landesrabbinats und des Oberraths zur Folge haben? Und wer anders hätte dieses Uebcl abwenden können, als der Landesrabbiner, der vermöge seines Berufes und seines geistigen und moralischen Gewichtes am Geeignetsten hierzu ist? Und was sollen diejenigen, denen die Erhaltung und Fortbildung des Judenthums am Herzen liegt, lhun, wenn sie sich von dem, der die Stütze ihres Strebens, ihr Führer und Bcrather war, verlassen sehen, und ihnen auch die Aussicht, einen Solchen wieder zu erhalten schwindet? Denn, ob die Stelle des Landesrabbinats überhaupt wieder besetzt, oder ob sie mit einem geeigneten Manne, der den unseren Gemeinden einmal gegebenen Impuls zum Erfassen und Ergreifen des geläuterten Judenthums sorgfältig nähren und pflegen wird, besetzt werde, ist noch sehr in Frage. Es will uns darum bedünken, daß Herr Dr. Einhorn gerade in dieser schweren Zeit seinen Posten nicht hätte verlassen, seine Gemeinden nicht diesen Schwankungen überliefern dürfen. Es ist wahr, seine Stellung war seit einigen Jahren, insbesondere in der letzten Zeit eine höchst mißliche, die auch .den entschiedensten Willen zuweilen niederbeugen konnte, doch lebt in den meisten mecklenburger Israeliten noch so viel religiöser Sinn — und davon geben die bedeutenden, mit rühmlicher Bereitwilligkeit bestrittenen Ausgaben in den Gemeinden Zeugniß —, daß sie trotz allen Machinationen treu zu ihrem Rabbinen gehalten und dessen Bestrebungen möglichst zu fördern gesucht hatten. — Da es nun einmal geschehen ist — und gewiß hat dieser edle, gottesfürchtige Mann seine besonderen Gründe —, so liegt es nun an uns, unser Möglichstes zur baldigen Wiederbesetzung der erledigten Stelle zu thun. Alle Gemeinden müssen hierum den Oberrath dringend angehen; alle Gemeinden müssen aber auch in ihrer Eingabe erklären, daß sie zur Tragung der Kosten, die aus der Wiederbesetzung entstehen, vor wie nach gern bereit sind. Einen solch einmülhigen Willen wird gewiß die Regierung berücksichtigen. — Möchle dieses wohlgemeinte Wort nicht leer ausgehen! 6. F. Manchen, 28. Oktober. Die N. Z. giebt an: Gegenwärtig wird hier eine Broschüre verbreitet und auch auf dem Lande durch die Klerikalen überall hin gesendet, die an Gemeinheit und Rohheit Alles was der Art bisher da gewesen, übertrifft. Sie ist betitelt: „Ein Blick in das gefährliche Treiben der Judensippschaft" und beginnt damit, daß geradezu zu dem Morde der Juden aufgefordert wird. Erst nachdem dieses Schmutzerzeugniß schon zu Tausenden umlief und zuerst die „Volksbötin" darauf aufmerksam gemacht hatte, wurde dasselbe mit Beschlag belegt. Das Ding geht von dem Piusverein in Augsburg aus und hat einen, von dem Protestantismus in den Schooß der römischen Kirche übergetretenen Baron Scharffen» stein zum Verfasser. A«S Baiern. (Fortsetzung aus No. 42.) Den Leser will ich nicht, wie es mir geschah, einen Mezgergang nach Burgebrach machen lassen, sondern ihn gleich nach Bamberg führen. Das jüdische Gemeindeleben hier hat mit der Vorstandschaft des Herrn

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