Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-11-10 · Heft 46 (10.11.1851) · p. Seite 542

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 46 (10.11.1851)
Date
1851-11-10
Page
Seite 542 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225714-3225761--12062-3242213
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

542 Iudenthunrs eingezeichnet werden, obschon sie erfolglos waren. *) Da drangt sich um so eher die Frage auf: sollen unsere Glaubensgenossen nicht auch unter den gegenwärtigen Verhältnissen gemeinsam sich anstrengen das aufrecht zu erhalten, was ihnen zugetheilt worden, und was schon längst als das natürliche und vernunftgemäße Recht anerkannt worden? oder doch durch gemeinsame Kundgebung darthun, daß sie gegen jede Verkürzung ihres Rechts als Bürger protestiren? Dennoch glaube ich kaum dazu rathen zu können. Es giebt auch ein imponirendes Stillschweigen; es giebt Lagen, in denen man über sich kommen läßt, was einmal nicht zu ändern ist, wo, ist man erst von der Erfolglosigkeit seiner Bemühungen überzeugt, jedes Betteln und Suchen eher eine Erniedrigung als ein Zeichen des Charakters ist. Unsere Sache liegt so, daß, sollte eine Zurückführung in die früheren Zustande beliebt werden, dies sich selbst so charakterist'ren würde, daß man Nichts weiter dazu zu thun braucht, und darin sich ein so bestimmter, entschiedener Wille ausgesprochen hatte, der sich vor keiner öffentlichen Stimme beugt. Das „Jetzt" ist vom „Früher" wesentlich verschieden. Zn früherer Zeit konnte man zweifelhaft sein darüber, was eigentlich in den Juden lebt, und welche Ansprüche sie selbst an die Gesellschaft machen. Seitdem ist so Vieles geschehen, daß ein Zweifel nicht mehr möglich ist, und daß Niemand im Stillschweigen der Juden etwas Anderes als eine stumme Protestation gegen die Rechtsberaubung erkennen kann. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 29. Oktober. Die N. O. Z. meldet: Das Ministerium gedenkt, nachdem cs das Gutachten des berliner Kammcrgerichts und der Juristenfakultät der berliner Universität darüber erfordert hat, den Kammern einen Gesetzentwurf bezüglich der Zulassung der Juden zu Aemtcrn richterlicher Qualität vorzulegen, nach welchem Juden nur in solchen fungiren könnten, mit denen keine Eidesabnahmen verbunden *) S. Jost, neuere Geschichte der Juden, Th. I. S. 23. sind. Da aber jeder Richter praktisch in die Lage kommen kann, einen Eid abnehmen zu sollen, so würde diese Berechtigung der Juden eine illusorische werden. Man könnte Juden nur zu Staatsanwälten und Rechtsanwälten machen. Die Ernennung hierzu ist in das reine Belieben des Justizministers gestellt, so daß also die Judenemanzipation nach dieser Seite ganz bedeutungslos erscheint. —. Aus Breslau schreibt man, daß sich die Hutmacher ergeben haben, daß aber jetzt wieder die französischen Handschuhmacher aufgetreten, keinen Juden anzunehmen. Aus der Provinz Posen, 26. Oktober. (Privatmitlh.) Die letzte Nummer des bromberger Amtsblattes brachte das Verzeichniß der Vorlesungen, welche während des nun beginnenden Wintersemesters auf der Albcrtus-Universität zu Königsberg gehalten werden sollen. Hieraus entnehmen wir, daß der Prediger Dr. Saalschütz 1) die hebräische Sprache doziren, 2) auscrwählte Psalmen erklären und 3) über die Zusammenstellung mosaischer und römischer Gesetze lesen wird. — Das bromberger Gymnasium hat im letzten Schuljahre unter 208 Schülern nur 33 jüdische gehabt. — Auf der Realschule zu Mcseritz sollen auch nicht mehr als 14 jüdische Zöglinge gewesen sein. Beide Erscheinungen nehmen uns sehr Wunder. Die Letztere thut es aber noch weit mehr denn die Erstere. — Das Fr.-W.-Gymnasium zu Posen, welches gewöhnlich über 400 Schüler zählt, ist immer beinahe zur Hälfte von Juden besucht. Das dortige Marien- Gymnasium hat dagegen nicht Einen jüdischen Schüler aufzuweisen. Im katholischen Schullehrerseminar zu Posen sollen aber jetzt wieder über 10 jüdische Jünglinge hospitiren. Auch eine sehr wunderbare Erscheinung. — In Gnesen reichen 5 Klassen nicht mehr aus, und es soll daher die jüdische Schule um eine sechste Klasse vermehrt werden. — Die Predigerstelle in Bromberg ist noch nicht besetzt. Ebenso in Rakel, wo der Kampf der Parteien immer heftiger wird. In Fordon dagegen soll Herr Caro aus Pinne den Rabbinerstuhl akquirirt haben. — In Schncidemühl harrt man noch immer in großer Spannung der Dinge, die da kommen sollen. Nach Berlin sind Aller Augen gerichtet. Doch das dasige Rabbinat läßt lange auf seinen Bescheid warten. Der aus Schneidemühl exilirte alte Rabbiner

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.