Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 45 (3.11.1851)
- Date
- 1851-11-03
- Page
- Seite 533 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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533 ebenfalls zugegen. — Aus Wittkowo erfahren wir, daß — wie im vorigen Jahre — auch diesmal die dortige jüdische Elementarschule den königl. Geburtstag am Abend des 15. im Schulgebäude durch Illuminationen, Gesang und Festrede (Letztere gehalten durch den ersten Lehrer der Anstalt) sehr würdig gefeiert. — Für heute noch einen kurzen Bericht über zwei Festlichkeiten anderer Art. — In Schmiegel hat sich an die Feier des königl. Geburtstags am vergangenen 15. Oktober auch die des 25jährigen Amtsjubiläums des israelitischen Elementarlehrers Herrn Naphtali Priebatfch angeschloffen. Diese letztere Feier wurde in den Räumen des herrlich geschmückten jüdischen Schulhauses begangen. Eröffnet wurde dieselbe durch einen erhebenden Choral, vorgetragen durch den dortigen Gesangverein, in Verbindung mit sehr vielen (lauter christlichen) Lehrern des Kreises, welche zur Beglückwünschung des Jubilars nach Sch. gekommen waren. Hierauf wurde ein passender Psalm (deutsch) gesungen. Dann hielt Herr Rabbiner Feldblum die Festrede. Nach ihm sprachen noch einige Lehrer und der Jubilar selbst. Gesang endete die Feier. Von der jüdischen Gemeinde zu Sch. ist dem Jubilar ein sehr schöner, reichverzierter silberner Pokal verehrt worden. Auch von seinen Zöglingen, den gegenwärtigen wie den ehemaligen, und von der schmiegler Lehrerkonferenz hat Herr P. sinnreiche Geschenke als Beweise der Liebe und Achtung empfangen. Die herzliche Theilnahme der Lehrer des kostncr Kreises an der gedachten Feier verdient sehr lobend anerkannt zu werden. Die Gemeinde von Sch. aber könnte Herrn P. keinen bessern Beweis ihrer Liebe zollen, als wenn sie ihn jetzt, nachdem er ihr ein Vierteljahrhundert so treu gedient, seines schweren Amtes enthöbe und ihm eine Pension sicherte, die es ihm möglich machte, den nun bald herannahenden Abend seines Lebens frei von Sorgen und Kummer genießen zu können — das wäre die schönste Gabe, und wir wollen hoffen, die Gemeinde Sch. wird mit derselben nicht lange ausbleiben. — In Rogasen hat der jüdische Arzt vr. Michelson am 17. d. M. sein 25jähriges Doktorjubiläum gefeiert, woran nicht nur die dortige jüdische Gemeinde, sondern auch die ganze Stadt und Umgegend den herzlichsten Antheil genommen. Hannover, 21. Oktober. (Wcs.-Ztg.) Das vom Ministerium der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten mehrfach versprochene, aber bisher nicht vorgelegte Gesetz, das die Ehe zwischen Christen und Nichtchristcn möglich machen und reguliren sollte, stellt sich immer mehr als dringend nothwendig aus. Gestern hat eine christliche Frau, die mit einem hiesigen jüdischen Lackirfabrikanten sich zn verheirathen beabsichtigte, bisher aber durch den Mangel des erwähnten Ehegesetzcs gehindert war, sich vom Christenthum losgcsagt und ist nach den vorbereitenden „Belehrungen" des Rabbiners mit den gebräuchlichen Förmlichkeiten zum Judenthum übergetretcn. Gleichzeitig mit jener Frau ist auch eine andere aus einem benachbarten Orte ganz aus denselben Motiven zum Judenthume übergegangen. Frankfurt am Main, 24. Oktober. (Köln. Zeit.) Die hiesigen Blätter haben bereits gemeldet, daß der sogenannte frankfurter (ultrareaktionäre) Resormverein damit umgeht, gegen die letzten Urwahlen, wofür er selbst mitgestimmt, aus dem Grunde zu protestiren, weil Israeliten dabei mitwirkten, wie das nach dem Gesetze vom 10. Februar 1849, welches, wie die Durchführung der Beschlüsse der konstituirten Behörden und der Gesammtbürgerschaft vom 19. und 21. Oktober 1848, rechtsgiltig bei uns ist und vom Senate auch diesmal, wie natürlich, angeordnet war. Ein Theil dieser patriotischen Bürger und namentlich Herr vr. S., sollen auch sehr thätig dafür sein, eine Protestation an den Bundestag gelangen zu lassen, damit die Konstitutionsergänzungsakte von 1816 auch in den Bestimmungen wieder eingcführt werde, welche die Rechtsungleichheit der Städter, Landleute und Beisassen aussprechen, und welche durch jene Gesetze endgiltig abgeschafft sind. Heute, in der Versammlung der gewählten Wahlmänner, welche die definitive Wahl der Abgeordneten Vornahmen, verlas Herr Buchbinder Stephanus eine Protestation in diesem Sinne. Daß die Wahlen sämmtlich im konservativ-liberalen Sinne aussielen, versteht sich von selbst. Bcmerkenswerth ist, daß das Kollegium seinen Alterspräsidenten, Herrn vr. Goldschmidt, einen geachteten Juristen jüdischen Glaubens, bei der nachmaligen Abstimmung als Präsidenten bestätigte. Derselbe wurde auch, nebst drei anderen seiner Glaubensgenossen, mit großer Stimmenmehrheit