Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 45 (3.11.1851)
- Date
- 1851-11-03
- Page
- Seite 530 (sequence 2)
- Language
- German
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530 14, 31., nachdem die Israeliten am Rothen Meere beim Anrücken der Egypter gemurrt und geschrieen, dann aber trocknen Fußes hindurchgezogen und das egyptifche Heer in den Wellen umgekommen war, heißt: 'ns waan VW NBSSI „da glaubten sie an den Ewigen und an seinen Diener Mosche" (vgl. Ps. 106, 12.) — wenn das. 19, 9. Gott spricht: „ich komme zu dir in der Dichte des Gewölks, damit das Volk höre, wenn ich mit dir rede, Dbi?b lavaar * *p &:n und auch an dich glaube auf ewig" — wenn 5 Mos. 1, 32. Mosche die Israeliten anklagt, 4 Mos. 14, 11. beklagt, daß trotz den vielen wahrgenommenen Zeichen dieser Glaube sehr schwach war, und darin selbst Mosche und Aron 4 M. 20, 12. sich schwach erwiesen — wenn 5 Mos. 9, 23. die Israeliten einem bestimmten göttlichen Befehle nicht nachkamen, sondern dawider murrten, ib ünanrrn tfVi und ihm nicht vertraueten, daß Er es siegreich durchführen würdeso ist es klar, daß von einem allgemeinen Glauben an Gott, wie die Modernen ihn verstehen, in der Tora überall nicht die Rede ist, sondern nur von dem Glauben an einzelne Zusicherungen Gottes oder nach voraufgegangenen wahrnehmbaren Erweisen. (Treffend hierfür die Stellen: 2 M. 4, 5. 8. 31. 4, 1. 1 Mos. 45, 26.. vgl. noch 1 Kön. 10, 7.) §3. Sehen wir aber nun andere Bücher der Schrift nach. <A. Sehr gern. Im ersten Ieschaja finden wir nur eine bemerkenswerthe Stelle, 7, 9., die aber auch nur den Glauben an einen prophetischen Ausspruch, für den er ein Zeichen als Erweis zu geben sich erbietet, im Sinne hat. (Vgl. 28, 16.) K. Wie verhalt es sich aber Ln den Psalmen? A. In dem Davidischen P. 27 *) heißt es V. 13: tnvn 'n sw manb vi^aan abib „so nicht zu schauen ich geglaubt des Ewigen Güt' im Land des Lebens...." Es ist also der Gegensatz, daß, wahrend den Sänger Todesschrecken umgeben, ec aus der Ueberzeugung, daß Gottes Güte sich bewahren müsse, dies aber nur im Leben geschehen könne, er fest vertraute leben zu bleiben. Ebenso wie bei der angeführten Stelle von Abram ist also nur eine einzelne Glaubensmeinung aus dem ganzen Komplex der religiösen Anschauung herausgehoben, die immer noch nicht das klare Licht auf diese Letztere selbst und ihren Ursprung wirft. Von geringerer Bedeutung ist die Stelle in dem Aßaphischen Psalm aus der Schelomonischen Zeit 4) Ps. 78, 22., wo den Israeliten in der Wüste der Glaube an Gott abgesprochen wird, wie ganz ebenso 2 Kön. 17, 14. den Israeliten im Heit. Lande. K. Müßten wir also für den allgemeinen Glauben an Gott in der Schrift jeden Anhalt au das Wort aufgeben? A. Nicht ganz. Je mehr in Folge der entstandenen Aweifelsucht der gegensätzliche Begriff eines Glaubens an Gott trotz der Zweifel sich klarer bilden mußte, je mehr im strikten Gegensatz zu dem Heidenthum der Völker der israelitische Glaube an Gott eine bestimmte Konsistenz erlangen mußte: desto leichter konzentrirte sich dieser in dem Worte *)?aa. Eine glänzende Stelle finden wir daher schon beim zweiten Ieschaja (kurz vor dem Ende des babylonischen Exils) 43, 10.: „Ihr seid meine Zeugen, spricht der Ewige, und mein Knecht, den ich erkoren, "»b W3Nm wn *p?ab damit ihr erkennet und mir glaubet, und einsehet, daß ich es bin: vor mir ward kein Gott gebildet, nach mir wird keiner sein." Hier wird also die Einsicht von einem einzigen Gotte zurückgeführt auf Erkenntniß und Glauben. Allein Sie übersehen sicherlich nicht, daß dem Glauben das Erkennen vorangeht, und daß Beide doch wieder auf den geschichtlichen Erweis an Israel und dessen bevorstehender, durch die Siege des Kyros vorbereiteten Erlösung zurückgeführt werden. — Bei Weitem scharfer tritt die Phrase in allgemeiner Bedeutung in dem spaten nachexilischen Volksbuche 2) Jona 3, 5. auf, wo sofort auf die Verkündigung des Propheten vom nahen Untergang Nineve's es heißt: s^nbas srwvs vztta i^aMi „die Leute von Nineve glaubten an Gott", in dessen Namen der Prophet sprach. Ebenso 2 Chron. 20, 20., wo der Chronist den König Jehoschaphat die Israeliten aufrufen laßt: lavann ös^nba 'ns „glaubet an den Ewigen, euern Gott!" K. Was ziehen Sie nun hieraus für rin Resultat? <Ä. Daß die Schrift in dem Worte pN allerdings die feste Ueberzeugung von Gott, gegenüber den, Zweifel setzenden Ereignissen des Lebens und heidnischen Irrungen, das unbeirrte Vertrauen auf Gott konzentrirt, indeß — und dies ist die Hauptsache für unsere Untersuchung — keineswegs diesen Glauben als einen in sich selbst alleinigen Ursprung und Befestigung findenden aufstellt, also keineswegs als den unbedingten, sich selbst *) S. mein Bibelwerk III. S. 70. *) S. das. S. 204. 2) S. das. S. 1549.