Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-10-27 · Heft 44 (27.10.1851) · p. Seite 524

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 44 (27.10.1851)
Date
1851-10-27
Page
Seite 524 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225714-3225759--12042-3242191
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

524 nochmals einer Untersuchung unterzogen, und der unglückliche Israelit wurde für dieselbe Sache, die kein Vergehen genannt werden kann, noch einmal eingezogen und nochmals zu einer Gefängnißstrafe von 6 Monaten verurtheilt. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Pädagogische Aphorismen. Von E. Wolffberg. (Schluß aus No. 25. 33. 34.) 16) Ein Lehrer, der sich bemüht, seine abweichende religiöse Ansicht, gleichviel ob mystische Schwärmerei oder ob unvernünftige Freisinnigkeit, seinen Schülern anzubilden, handelt unverantwortlich gegen die menschliche Gesellschaft. Er vergißt seine Aufgabe, den Menschen zur Vernunft zu führen, welche selbst urtheilt und die Kraft hat, sich frei zu halten von jeglicher Leidenschaft. Und gedeihen denn zarte Pflanzen in rauhem Klima? 17) Wir müssen voraussetzen, daß alle Kinder gut sind, und in der Erziehung ihnen dann mit solcher Liebe entgegentreten, daß jede eigentlich strenge Zurechtweisung unnöthig wird. Liebe schaffet Gegenliebe, flößt dem kindlichen Herzen Vertrauen ein gegen Gott und die Menschen, sie macht die Kinder aufrichtig und schützt sie vor Lügenhaftigkeit. Liebe und Strenge sind zwar keine Gegensätze, bewirken aber in der Erziehung sehr oft das Gegentheilige. 18) Das innerliche Leben des Menschen ist objektiv ein stetes Abwechseln von Freud und Leid; die Erziehung, welche unausgesetzt durch Belohnung und Bestrafung angenehme und unangenehme Gefühle zu erwecken strebt, ist auch hierin die Vorbereitungsschule. 19) Da es schon dem aufrichtigen Lehrer so recht innig wohl thut, wenn er sieht, wie sein Eifer, mit dem er in der Schule arbeitet und jede seiner Pflichten treu zu erfüllen sucht, in seinen Schülern herrliche Früchte trägt: wie wohl muß nicht erst den um das Glück ihrer Kinder besorgten Eltern der Gedanke thun, daß ihre Kinder in der Schule wohl bewahrt sind, daß sie mit Ernst und Liebe zu allem Guten angehalten und gewöhnt, und in nützlichen Kenntnissen unterrichtet werden. 20) Je kleiner das Kind ist, desto mehr bedarf es der Leitung und Hilfe der Erwachsenen. — Der Lehrer, welcher den Kindern den ersten Unterricht, den Grund giebt, worauf alles Wissen für ein ganzes Leben hingebaut werden soll, also der Elementarlehrer, sage ich, muß mehr verstehen, als lesen, schreiben rc., er muß einen ziemlich hohen Grad der geistigen und sittlichen Reife erlangt haben, wenn er die Elemente der Schulerziehung richtig erfassen und alle ihm anvertrauten, so verschiedenen Kinder mit Weisheit und Liebe so behandeln soll, wie es deren Eigentümlich gemäß ist. 21) Daß Kinder, ferngehalten von Gott und Religion, zu guten Menschen erzogen werden können, ist rein unmöglich, und unglücklich sind die Menschen, deren Jugendlehrer irrgläubig waren, und nicht Gottes, sondern ihr Bild in die Kindesseele pflanzten. Solche Erzieher bilden Menschen, die ihr ganzes Leben nicht zur Klarheit über die Welt, sich selbst und die Religion kommen können, solche Erzieher erschweren die harmonische Entwickelung von innen heraus und verderben den schönen, den Kindesseelen natürlichen Wahr hei tssinn für das ganze Leben. Belletristisches. Wer unbekannte Uabbi. Eine Novelle. (Fortsetzung.) 5. Ein Tempel und eine Kirche. Ich freuete mich, als sie mir sagten: Laßt uns in's Gotteshaus einziehen! Psalm. Der Festtag war gekommen. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, als wir, alle drei festlich gekleidet, in's Dorf hinabgingen. Ein dichter Nebel bedeckte das ganze Thal und befeuchtete die Matten, an den Grasspitzen blinkerten die Thautropfen, die Berge waren in Morgenroth gehüllt. Wir schritten vor dem Schloß vorbei, in welchem der adlige Gutsherr wohnte, die Scheiben der gewölbten Fenster blitzten von dem Widerscheine, den der Purpur des Morgenhimmels hineinwarf, auf dem Platze vor dem Portal standen noch Pommeranzenbäume und breite Hortensientöpfe, Alles war still und feierlich. Das Dorf war früher ein bedeutender Marktflecken, der im dreißigjährigen Kriege zerstört worden war und seit dieser

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.