Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 44 (27.10.1851)
- Date
- 1851-10-27
- Page
- Seite 523 (sequence 7)
- Language
- German
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523 als vortrefflicher und hinreißender Kanzelredner besitzt, herbeigezogen hatte. Referent dieser Zeilen, welcher dieser Mehrzahl mit angehörte, fühlt sich zu dem Bekenntnisse gedrungen, daß die Gottesfcier, der er wiederholt beiwohnte, eine würdige und erhebende war, und allen jüdischen Gemeinden zur regsten Nacheiferung empfohlen werden müsse. Schließlich knüpft sich hieran noch die Bemerkung, daß der Organist der Gemeinde, Herr Musikdirektor Ebell, das musikalische Ritual in der vorhin erwähnten Weise vollständig zum gottesdienstlichen Gebrauche geordnet hat, und ebenso auch alle zur Gottesfeier nöthigen vierstimmigen Gesänge komponirt hat. Derselbe beabsichtigt später seine zweckdienlichen Arbeiten zum Gebrauche aller jüdischen Gemeinden, welche einen ähnlichen Gottesdienst einführen sollten, im Subskriptionswege herauszugeben, durch dessen Betheiligung jede Gemeinde in musikalischer Hinsicht vollständig versorgt sein würde. Ein unparteiischer Nichtisraelit. Köln, 20. Oktober. Der hiesige Gemcinderath hat auf Antrag des Magistrats einen Zuschuß für die israelitische Schule beschlossen. Frankfurt am Main, 14. Oktober. Zu den Wahlen für die neue gesetzgebende Versammlung unscrs Staates hat der konservative Verein aus seiner Wahlliste alle Juden ausgeschlossen, dergothaerVerein mehr als früher ausgenommen; die demokratische Partei wählt bekanntlich gar nicht. Frankfurt am Main, Der ultra-konservative Verein, der s. g. „Reformvcrein" hat geradezu erklärt, daß es sein Bestreben ist, die Juden und Landleute wieder zu „entrechten". Uebrigens bei der Wahl des Wahlkollcgiums haben in der ersten und zweiten Abtheilung (Gelehrte und Kaufleute) die Gothaer, in der dritten (Handwerker) die Ultrakonservativcn gesiegt. In der zweiten Abtheilung stimmten unter 950 Bürgern 800 Juden mit, und erkennen wir diese lebendige Theilnahme rühmend an. München, 13. Oktober. Das Ministerium wird demnächst über „das Matrikelwesen der Juden" ein Erleichterungsgesetz an die Kammern bringen. GroßbritanLen. London, 10. Oktober. Die Blätter melden, daß der Prozeß gegen den Alderman Salomons, von welchem man sich eine Lösung der Judenemanzipationsfrage verspricht, wirklich stattsinden wird. Mr. Salomons Sachwalter empfing am Sonntage die übliche Anzeige; der Prozeß wird vor dem Queen's- Bench-Gericht in den ersten Dezembertagen zur Verhandlung kommen. Die Anklage lautet auf „Votirung im Hause, vor gesetzlich vorgeschriebener Eidesablegung". —. Dienstag früh fand man in Whitechapel einen jungen Mann von etwa 26 Jahren auf dem Bett in seiner Schlafkammcr todt liegen. Er hieß Mr. Hiram Sharp, war aus Holland gebürtig und Kommissionär in einem großen Handlungshause. Der Arzt Mr. Siddcll, den man rief, kam zu spät, um zu Helsen. Bei der Todtenschau erklärten die medizinischen Beisitzer, daß Sharp, der als frommer Jude an dem Versöhnungstag streng gefastet hatte, sich dadurch einen töbtlichen Herzkrampf zuzog, dem ihn sein asthmatischer Habitus ausfetzte. Italien. Rom, im Oktober. Die Juden des Kirchenstaats sind wieder unter die Inquisition gestellt, und kein Jude darf eine Reise machen ohne Erlaubniß des Großinquisitors. —. Die ArcJi. isr. de Fr. melden wörtlich: Ein Israelit kaufte in der Zeit der ephemeren römischen Republik eine Kutsche, an der Nichts bezeugte, daß sie einem Kardinal gehöre. Nach der Restauration Pius' IX. glaubte er den kompetenten Behörden, die mit der Revision aller während der Abwesenheit der päpstlichen Regierung geschehenen öffentlichen Käufe beauftragt waren, eine Anzeige zu machen. Trotz dieses loyalen Schrittes wurde die Kutsche, da sie als Eigenthum des Kardinals Brignol erkannt wurde, in Beschlag genommen, und der Israelit in's Gefängniß geworfen, und, weit entfernt ihm die geringste Entschädigung zu gewähren, mußte er noch 60 Kronen für einige Veränderungen zahlen, die er hatte anfertigen lassen. Nachdem er endlich die Gefängnißstrafe überstanden, glaubte er sich nunmehr sicher vor aller weitern Verfolgung. Aber nein, die Sache wurde