Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 43 (20.10.1851)
- Date
- 1851-10-20
- Page
- Seite 515 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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515 für den Fall aber auch, daß jener in den Ruhestand verseht worden wäre, so war im Projekt, daß das Rabbinat Berlichingen aufgehoben und unter seinen Nachbarn verviertheilt werben sollte. Wir haben in Württemberg 13 Rabbinate— und 13 ist nach der Volksanschauung eine unheilvolle Zahl, darum will man sie auf ein Dutzend reduziren. Diese Gerichte hörte Amson, ob sie wahr oder falsch waren, können wir nicht beurtheilen, und in der Verzweiflung machte er, kaum in Stuttgart angelangt, seinem Leben durch einen Pistolenschuß ein Ende. Seine letzten Worte, die in meinen Händen sind, sind rührende Zeugnisse seines braven, aber umdüsterten Gemürhes. „Verzeiht mir/' sagt er seinem Vater und seinen Geschwistern, „den man nicht mehr ungeschehen machen kann. Ich leide schon lange Zeit und zu sehr, als daß mir das Leben noch langer erträglich wäre. Gott wird mich gnädig richten, er allein kennt die tiefen Wunden, die mir das Mißgeschick geschlagen. Ich ziehe den Tod einem für immer unglücklichen Leben vor." Wie trostlos muß die Lage dieses unglücklichen jungen Mannes, wie hart sein Kampf gewesen sein. Und Niemandem hat er sich anvertraut. Ein Kreis gewählter Freunde geleitete ihn still zu Grabe und Vorsänger Eichberg sprach rührende Gebetesworte ihm in die Gruft nach. Mancher Freund weint auf den Sarkophag dieses zu früh Verblichenen eine Thräae, wenn diese Trauerkunde ihn trifft. Ruhe seiner Asche, Gott Hab ihn selig!! An der treuen Freundschaft liebender Jugendgenossen richtete ich mein Gemüth auf. Ich besuchte das Atelier des Bildhauers Güldenstein, Bruders des Rabbinen in Buchau. Das Atelier eines Künstlers gleicht dem Boudoir einer Dame, nur besonders Vertrauten steht es offen, deren Diskretion man versichert ist. Ich will deshalb von den Arbeiten, die noch embryonisch sind, nicht berichten, damit das Sprichwort: „Narren kein halbes Spiel zu zeigen" auf mich keine Anwendung finde. Doch muß ich die Geschichte des Gnomen Rübezahl erzählen, wie ihn der geniale Künstler modellict hat. Eine Künstlergesellschaft, die Glocke, feierte ihren Stifrungstag und jeder der namhafteren Künstler sollte ein Arbeit zur Verherrlichung des Festes liefern. Güldenstein allein war trag, wurde von den Freunden geschmält und einen Tag vor dem Feste entschloß er sich, auch sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. Am Feste stellte er den Gnomen Rübezahl auf, dessen treffliche Auffassung allgemeine Sensation erregte. Ich sah diesen Berggeist Rübezahl. So dachte ich mir ihn wie er in das bescheidene Leben von Steffen und Ilse helfend eingreift, der Frau beisteht und dem Manne Schabernack übt; wie er schmunzelnd über die Naivität der Frau Ilse ihre Püffe aushalt und denkt: „dergleichen handfeste Erfahrungen in der Menschenkunde sind mir noch nicht vorgckommen;" es liegt in seinem Wesen das Erhabene und Komische gepaart, was eben den rechten Humor macht. — Von dem frühem Werke Güldensteins: ein Hirsch erjagt von drei Wölfen, haben Sie in der Augsburger Allgemeinen ausführlichen Bericht gelesen; sein Brunnen steht in Erz gegossen auf der Villa Sr. königl. Hoheit des Kronprinzen und seine Reliefarbeiten sind vielfach beschrieben. Eine Solche, die eine Szene aus Hackländers Mahrchen darstellt, hat mich unendlich angesprochen. Ein weiterer Kunstgenuß wurde mir durch das Konzert des Pianisten Krüger zu Theil, dessen seelenvolles, virtuoses Spiel in englischen und französischen Blättern schon seine Würdigung gefunden hat. Aber auch ein Dilettant, Herr Siegmund Benedikt, entfaltete sein schönes Talent in einer vierhandige Komposition mit dem Konzertgeber, indem derselbe die schwierigsten Passagen mit seltener Sicherheit, Eleganz und Rundung vorzutragen verstand, so daß ec Herrn Krüger den Rang fast streitig machte. Der Schwäbische Merkur, anerkennend zwar, daß ein Dilettant mit einer capialio benevolenliae vor dem Publikum auftrete, ließ in seiner Kritik Herrn Benedikt volle Gerechtigkeit und ehrende Anerkennung wegen seines meisterhaften Spiels zu Theil werden und rühmte es, daß derselbe ein Beschützer der Musik in der schwäbischen Residenz sei, deren ähnliche noch zu wünschen wären. Einem Berichterstatter des Staatsanzekgers aber diente die jüdische Abstammung des Herrn Benedikt zur Folie Malkontentes zu sagen und so hangt eben immer der Perruquenzopf des Judenhasses noch Hinten, wenn er auch parfümirt oder gepudert ist. Eine sehr interessante Persönlichkeit ist der junge Literat Adolph Levi, Schwager des Professors Di\ Gustav Weil in Heidelberg. Ein Mann, der fast alle europäischen Sprachen wie die Muttersprache handhabt. Aber eine zum Stolz gewordene Bescheidenheit fesselt ihn in der Studierstube und als ich ihm darüber Vorwürfe machte, und seinen Ausflüchten entgegenhielt, wenn er unter minder günstigen Verhältnissen geboren, für seinen Erwerb sorgen müßte, er gezwungen wäre, seine Studien der Mitwelt zu Nutze zu machen, erwiderte er mir: Lieber würde er dann Steine klopfen, als gegen seine Neigung den literarischen Markt betreten. Derselbe junge