Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 43 (20.10.1851)
- Date
- 1851-10-20
- Page
- Seite 512 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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512 risprudenz, welchen Einfluß übt dann die Religion der die Parteien vertretenden Advokaten, zumal Letztere bei der Promotion zu doetores juris civilis et canonici ernannt werden? In der Thal werden Ehcprozesse wie andere Streitigkeiten vor die richterlichen Instanzen gebracht, und nur wenn es sich um gütlichen Vergleich, um Wiedervereinigung der Gatten handelt, mag die Funktion des Geistlichen beginnen. In diesem Falle aber wird sich ein jüdischer Advokat ebenso wenig oder nicht mehr den Bestrebungen des wohlwollenden Geistlichen widersetzen als ein christlicher. Oesterreichifcher Kaiserstaat. Wien, 6. Oktober. Die eine zeitlang suspendirten Sammlungen für arme Israeliten in Palästina sind neuerdings wieder gestattet worden. Rußland. Warschau, 27. September. Die Zöglinge der warschauer Rabbinerschule sind wegen ihres Eifers in Erlernung der russischen Sprache öffentlich belobt worden. Dieselben bestanden neulich in Gegenwart des Minister-Staatssekretärs Turkull und anderer christlichen Kommissäre ihre Prüfungen. (Man erinnere sich, daß die warschauer „Rabbinerschule" längst keine Rabbiner mehr bildet, sondern nur eine höhere Bürgerschule ist. Redakt.) Jnowraelaw, 1. Oktober. (Voss. Ztg.) Seit längerer Zeit sind bekanntlich in Polen höhern Orts Befehle über die Kopfzahl der Juden ergangen. In jeder Stadt revidirt zu Zeiten der Bürgermeister mit einigen Lawniks Straßen und Häuser, und wo sich ein Bart oder Scheitel vorfindet, wird er ohne Einwand abgeschnitten und vom Kopfe gerissen. So wurde am 20. v. M. in der Grenzstadt Sluzewo einem jüdischen Greise von 85 Jahren in seiner eigenen Behausung das Barthaar nebst einigen dazu gehörigen Stücken Bartfleisch abgeschnitten, und einer alten Frau von 90 Jahren der Kopfbund abgerissen und ihr eine Haube aufgesetzt. Der Greis weinte vor Schmerz. Am 28. v. M., als am 2. Neujahrstage, wurde in der Grenzstadt Pietrkowo die Synagoge von Kosaken und Infanterie umstellt, und traten in dieselbe ein russischer Nadcielnik nebst dem dortigen Bürgermeister, während des Gebets, besichtigten den Vorbeter und alle anderen Anwesenden, Jeden besonders, wol 100 an der Zahl, und notirten Alle, bei denen noch etwas Haar am Barte zu sehen war. Die Frauen, die ein gleiches Schicksal voraussahen, nahmen die Scheitel selbst vom Kopfe. Italien. Rom, 20. September. Für das Verhalten des jetzigen Regierungssystems ist es bezeichnend, daß neuerdings wieder den Juden allerhand lästige Bedingungen in Betreff ihres Aufenthaltes und ihrer Reisen im Lande auferlegt werden. Spanien. Madrid, 6. Oktober. Neuerdings sind zwei deutsche Juden von hier ausgewiesen worden. Großbritanien. Magdeburg, 5. Oktober. In No. 29 theilten wir aus dem ^smon. einen Artikel über von vr. Adler zugestandene Kullusveränderungen mit. Der Asmon. widerruft nun seinen Bericht selbst, indem Adler in Nichts als Trennung von rrnn» und tpis durch einige Stunden und Wegfall einiger Stücke aus bis und au» gewilligt habe. Palästina. Königsberg in Preußen, 10. Oktober. (Eingesandte Erklärung.) Um dem Mißbrauch und der Fälschlichkeit zu begegnen, finde ich mich dringend veranlaßt den Inhalt eines 6. d. Jerusalem 13. Ellul 5611 (10. September 1851) von dem Vorstande des a^wns tns»BN bbia daselbst an mich gerichteten Schreibens zur Oeffentlichkeit zu bringen. Es lautet: „Ein Mann Namens Elieser Bergmann bereiset die Städte Preußens, indem er sich durch verschiedene Schriften als angeblich von dem a^neo bbna ihm übergeben legitimirt. Da diese Angabe schon an sich grundfalsch ist, so liegt hier offenbar eine betrügerische Mystifikation zum Grunde, die um so schändlicher ist, als dadurch die bekannte im