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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-10-20 · Heft 43 (20.10.1851) · p. Seite 507

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 43 (20.10.1851)
Date
1851-10-20
Page
Seite 507 (sequence 3)
Language
German
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507 der andern im Fluge. Völker sah er erstehen und kämpfen und siegen und wieder verschwinden; Throne sah er errichten und glänzen und wieder zerfallen; Städte erbauen und zerstören, Riesenwerke erheben und zerstäuben. Dort erhob sich im Osten die Macht Assurs und ließ Schomron aufstammen und führte Israel davon, über dieselbe die Macht Babels und ließ Zion aufflammen und führte Juda davon; da erhob sich im Westen die Macht Hellas' und unterjochte den Osten und legte sich drückend über Jerusalem'; und über dieselbe die Macht Rom's und fällte den Baum Jeschuruns und streute dessen Splitter über die Erde aus; aber diese Splitter faßten wohin sie geflogen Wurzel und keimten und schossen; und wieder kamen Völker und Könige, die auch diese Schößlinge niedertraten, aber jene vergingen, und diese schlugen immer von Neuem aus dem Boden aus. Ein wunderbar Chaos vor seinen Augen. Aber mitten in diesem Gewirre der Kommenden und Gehenden, Bauenden und Zerstörenden, da erscholl eine Stimme, klar, sanf( und doch Alles übertönend; Ein Wort rief sie: rvoN Wahrheit! und aller Trug siel, und aller Tand schwand, und nur das Leben und das Recht blieben, und es jubelten die Morgensterne, und jauchzten alle Gottessöhne: t„das Gericht D72N der Wtlhrheit vollzieht Er/" (Jesch. 18, 8.) Und das Gesicht war vorüber. Und der Finger des Engels weckte Mosche zum dritten Male; und Mosche schaute. Ihm war's, als flog' er durch den Weltraum; Erd' an Erde vorüber, Mond an Mond; an der Sonne vorüber bis an die Grenze, wo deren letzter Strahl erbleicht; und siehe, da begann der erste Strahl einer zweiten Sonne zu zittern, und bald schwebte er durch den unermeßlichen Kreis dieser zweiten Sonne voll Erden und Monde, anders geformt und anders gefärbt, aber tief innen dieselben; so Sonnenkreis an Sonnenkreis, der Welten kein Ende und seines Schwedens kein Ende. Und wie er schwebte, rollten die Erden ihre Bahnen um ihre Sonnen, und die Monde um die Erden, ohn' Unterlaß, dort Jahre, hier Jahrhunderte, da Tausend der Jahre wie einen Tag, und der Zeiten kein Ende und seines Schwedens kein Ende. Da verwirrte sich der Geist Mosche's, und er verlor den Begriff der Zeit und des Raumes, und er wußte nicht mehr, ob das Wirklichkeit, ob Spiel der Einbildung? Siehe, da erscholl mitten durch die Unendlichkeit eine Stimme, klar, sanft und doch Alles übertönend, Ein Wort rief sie: rMy Werhv- und es jubelten die Morgensterne, und jauchzten die Gottessöhne: übwb 'n r,72» die Wahrheit des Ewigen ist unendlich! (Ps. 117, 2.) Und nun erhoben sich neue Stimmen, die jauchzten: tninba 'in der Ewige, Gott ist die Wahrheit. (Jirm. 10, 10.) Und es erhoben sich neue Stimmen, die jubelten: übirt D53N was wahr ist, bewahret Er ewiglich! (Ps. 146, 6.) — Und das Gesicht war vorüber; und der Schlummer war vorüber; und die Nacht war vorüber; Mosche trat vor die Thür seines Zeltes, und sein Angesicht glänzte, und der Gipfel des Pisga, woselbst er sterben werde an diesem Tage, erglänzte im ersten Sonnenstrahl; und jegliche Trauer war vorüber — ri728 was wahr ist, bewahret Er ewiglich! tönt' es wieder und wieder in seiner Brust, und er war ruhig seines Volkes, sicher seiner Lehre, gewiß seines Werkes, denn was wahr ist, ist Gottes, geht nimmer verloren, nimmer unter, es ist bewahret ewiglich! M. Fr.! Der Mensch ist klein und groß; klein gegen die unermeßlichen Werke Gottes; groß, denn er ist Geist, Gott ähnlich, Gott ebenbildlich. Uud wenn nun Gottes die Wahrheit ist, wenn er die Welt geschaffen durch Wahrheit, wenn er immer und immer in der Geschichte der Menschheit das Gericht der Wahrheit vollzieht, und wenn die Unendlichkeit nichts anders als die Wahrheit ist — so muß auch das höchste und einzige Gesetz des menschlichen Lebens die Wahrheit, immer die Wahrheit, und nur die Wahrheit sein. Dies ist es, was wir jetzt auf Grund jenes Gemäldes, das ich vor Euch aufgerollt, naher betrachten wollen. 1) nwN pm „dein erstes Wort sei Wahrheit/" d. h. nichts anders als: vor Allem sei wahr vor dir selbst. Das große Gespinnst des Scheins und des Truges, das über das ganze menschliche Leben sich gelegt, in das sich alle Verhältnisse des Lebens gefangen haben — es beruht insonders darauf, daß der Mensch nicht einmal vor sich selbst, mit sich selbst wahr ist. Nicht so? In Dir selbst scheust Du Nichts mehr als die Wahrheit; das Licht, das Dich Dir selbst klar und wahr zeigen will, das fliehest Du am Meisten. Wenn Du im Begriff Etwas zu thun bist, wie wenig überlegst Du, ob es recht und gut ist, wenn es nur Deinen augenblicklichen Zwecken und Absichten entspricht; und wenn die innere Stimme dennoch Dich warnt und mahnt, wie hüpfest und schlüpfest Du darüber hinweg, und treibst

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