Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 42 (13.10.1851)
- Date
- 1851-10-13
- Page
- Seite 499 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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499 zug des Stellenertrags verbleibt, aber, weil die Bande des Zutrauens rc. gelockert seien, einen Verweser zu bestellen hat. In der hiesigen Synagoge, an deren Thür eine gedruckte Aufforderung dreier Rabbiner zu Beitragen für Jerusalem, welcher der Vorsteher noch eine Sauce beigegcben hatte, sich befand, wurde gerade ein „Judeneid" mit allen seinen allerliebsten Zugaben, abgeleistet. Für mich hatte dies das Angenehme, von hier aus meinen Weg in der überaus angenehmen Gesellschaft des geistreichen Rabbiners Herrn Selz aus Mt. Ahlfeld fvrtzusetzen, der wegen jenes Aktus anwesend war. Der Leser muß mit mir in der gedachten großen, der Reform frühzeitig holden Gemeinde etwas länger verweilen. Die vielen schönen Häuser der Israeliten geben dem Ort ein etwas städtisches Aussehen, das finstere Aeußere ihres Schulhauses, in welchem mein Freund Herr Frankenburger als Elementarlchrer zur Zufriedenheit seiner Gemeinde und ein alter Mann als Religionslehrer wirken, kontrastirt aber schlimm mit jener Herrlichkeit. Die Synagoge ist von großartigen Dimensionen, sichet aber herabgekommen drein. Ihre zeitgemäße Renovirung scheiterte bisher an dem Eigensinn eines Reichen und dem Umstand, daß auch hier, wie in den meisten wohlhabenden Landgemeinden das Verlangen in große Städte überzusiedeln, immer mehr sich herausstellt, ein Verhältniß, das unsere größten Gemeinden in ihrer Wurzel angreift und die Gefahr in Aussicht stellt, die großen Kultuslasten auf die Schultern der Minderbemittelten gewälzt und der Auflösungsmanie bei Erledigung von Rabbinats- und Elemcntarlehrcrstellcn allen Vorschub geleistet zu sehen. - So sehr man nun dem Einzelnen sein Glück gönnen mag, so kann man es doch hinwiederum kein Unglück nennen*), daß ein allerhöchster nach Nürnberg ergangener Erlaß die Aufnahme der Israeliten dvrtselbst erschweren und sic nur denen gestatten soll, welche durch Uebcrnahme und Gründung von Fabriken und großen Etablissements sich hcrvorthun. In der hiesigen Gemeinde lebt auch der famose Herr „Wahrbach", welcher seiner Zeit unter der Maske eines protestantischen Theologen aus Erlangen in einer Eingabe an die allerhöchste Stelle sich gar besorgt und erbärmlich über die Gefahren gcberdele, welche dem Christenthum durch die neuen *) Aber wie verhalt es sich hierbei mit dem Prinzip der Gleichstellung? Redakt. Rabbiner drohetcn, in welchem eifrigen Christen hinterher ein böser „guter Jude" entlarvt wurde. Es giebt auch jüdische Jesuiten! Segensreich und allgcliebt wirkt hier Herr Rabbiner Selz, und wer den Mann persönlich kennt, der wird dies gar nicht anders erwarten. Ein schönes Zeichen dieser Anerkennung erhielt derselbe kürzlich durch Ueberreichung eines kostbaren Talars rc. Seitens der dortigen Frauen. (Fortsetzung folgt.) Aus den» BcrunachSgrunde, Ende September. (Privatmitth.) Eine der ersten größten israelitischen Gemeinden des unterfränkisch-aschaffenburgischen Kreises ist Rcckcndorf, 70 Familien zählend. Am 8. August d. I. feierte diese Gemeinde die Wiedereröffnung ihrer neu restaurirtcn Synagoge, wol eine der schönsten Uiitcrfrankens, auf eine ebenso schöne als würdevolle Weise. Unter dem Andrange einer zahlreichen Volksmenge und vieler Not.rbililäten der Umgegend begann Freitag Abends in geregelter Ordnung der Einzug in die Synagoge, an dcffen Spitze der Lehrer mit seinem aus der Schuljugend neu gebildeten Chore, hierauf der hierzu berufene Rabbiner Herr Adler aus Burgpreppach, nebst dem Vorsänger, welchen sich sodann sammtlichc Kultusinitglicdcr paarweise anschloffen. Nachdem das Gebet beim Eintritte in die Synagoge, so wie mehrere dem Feste anpassende Psalmen rezitativweise vom Vorsänger und dem Chore andachtsvoll vorgetragen worden waren, folgte der vom Lehrer Schweb zu diesem Zwecke abgefaßte sinnreiche Einleitungsgesang, hierauf die Fcstpredigt des Rabbinen, endlich wurden noch einige deutsche Gesänge mehrstimmig abgesungen. Sammtlichc Vorträge hatten sich des ungetheiltcsten Beifalls des anwesenden Publikums zu erfreuen. Nun begann der Abendgottesdienst, und mit diesem ein siegreicher Schritt unserer Liturgie. So gern man hier bei der Festhaltung der hergebrachten Vätersitte verweilt, und die im Kultus bestehenden Formen und Gebräuche im Hause wie in der Synagoge treulich übt, so begrüßte man dennoch mit Freuden den vom Lehrer und Vorsänger gebildeten Chor, welcher von nun an beim feiertäglichen Gottesdienste cingeführt wurde. Entspricht nun der schöne symmetrische Bau unsers Gotteshauses einerseits allen äußeren Erwartungen,