Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 42 (13.10.1851)
- Date
- 1851-10-13
- Page
- Seite 496 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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496 diesen Tagen nicht einmal ganz hat gebannt werden können. — Hierzu haben wir noch zu rechnen, o des großen Jammers! das Verschwinden der Schane- und des Hamanklopfens, das Schaukeln des Lulews und das Auslassen der Kinos am Tischebow, welche eine Predigt vertritt und dergleichen ähnliche Zeremonien. — Das ist die ganze, große Reform! Und hierbei noch die Frage, ob sich dieselbe auf dem Boden des Judenthums befinde! Wahrlicb! man müßte einen sehr kleinlichen Begriff von der Lehre Mosis haben, sollte man diese Acußerlichkciten schon zu ihrem Wesen rechnen! Wir wollen zusehen, wie sich das berliner Rabbinat entscheiden wird! Aus Westphalen, im September. (Privatmitth.) Erlauben Sie mir, Ihnen von einer kleinen Reise einen kleinen Bericht abzustatten. — In Lippstadt ist eine prächtige Synagoge der Vollendung nahe und wird recht bald dem gottesdienstlichen Gebrauche übergeben werden können. Mit besonderm Lobe aber verdient in diesen Spalten die Opferwilligkeit der Gemeinde erwähnt zu werden, weil es hierdurch allein möglich geworden, die, nach unserm Dafürhalten, weit die Kräfte derselben übersteigenden Baukosten zu beschaffen. Die größte Anerkennung jedoch findet wol jedes Gcmeindcmitglied in dem erhebenden Bewußtsein, zur Herstellung dieses herrlichen Tempels das Seinige nach Kräften beigetragen zu haben. An der dortigen Schule ist seit ungefähr einem halben Jahre Herr M. Schneidachcr lhätig, ein junger Mann, der uns schon seit einigen Jahren als ein seines Amtes gewachsener, fleißiger Lehrer bekannt ist. Die Schule ist in einem befriedigenden Zustande. — In Gesecke entspricht weder das Aeußere, noch das Innere der Synagoge den geringsten Anforderungen des Geschmacks, und muß es daher dieser, wie man uns sagt, wohlhabenden Gemeinde verübelt werden, daß sie für eine würdigere Herstellung ihres Gotteshauses so wenig Sorge zu tragen scheint. Dagegen ist die Gemeinde um den Besitz ihres Lehrers wahrhaft zu beneiden. Herr Rothschild unterrichtet täglich von 7 bis 12 und Nachmittags von 1 bis 7 Uhr. Daß bei einer solchen Anstrengung des Lehrers die Schule in einem vorzüglichen Zustande sich befinden muß, ist selbstredend, und in diesem haben wir sie gesunden. Fast kein Kind bleibt eine Antwort schuldig, und nur selten ist eine unbefriedigend. In der obcrn Klasse reichen sich fünf Sprachen schwesterlich die Hand. Mit Leichtigkeit übersetzen die Kinder ex tempore kleinere Satze aus dem Deutschen in's Hebräische, Lateinische, Französische und Englische. Wir wollen Herrn Rothschild, obschon es der brave Mann verdiente, nicht loben, da das, was wir über seine Schule gesagt, jedes Lob überflüssig macht, indem das Werk den Meister lobt. Im Interesse der Lehrer glauben wir zu sprechen, wenn wir hier die Bitte an ihn richten, recht bald seine Behandlungsweise des Unterrichts durch den Druck zu veröffentlichen, da eine solche auf dem Boden eigener praktischer Erfahrung-gewachsene Anleitung, nach unserer Meinung, dem angehenden Lehrer bessere Dienste leistet, als gelehrte Pädagogiken. — In Büren ist die Schule in einem sehr guten Zustande; die Kinder machten uns bei unserm Besuche durch ihre Fähigkeiten Freude; Herr Lebenstein heißt der Lehrer. Derselbe hat sich daher nicht nur der Zufriedenheit der betreffenden Eltern, sondern auch der Vorgesetzten Behörden, die ihm dieselbe wiederholt in den schmeichelhaftesten Ausdrücken zu erkennen gegeben haben, zu erfreuen. Die Gemeinde selbst ist, was man nur von höchst wenigen sagen kann, sehr friedliebend, und hat noch keinen Lehrer aus der neuern Schule entlassen. Nur Rücksicht auf Existenz war es, welche die Lehrer veranlaßte, mit tiefbetrübtem Herzen aus der licbgewonnenen Gemeinde in der Hoffnung zu scheiden, sich in einem andern Orte in pekuniärer — gewiß aber in keiner andern — Beziehung zu verbessern. Herr Dr. med. Boas, der eine ebenso gediegene Fachals wissenschaftliche Bildung besitzt, hat stets durch sein Beispiel sehr vortheilhaft gewirkt, und Gemeinde und Lehrer haben ihm nicht wenig zu verdanken. Wir zollen daher diesem wacker» Manne gern hier uiisere Anerkennung. — In Stadtberge sind zwei Schulen; wir hatten aber nur das Vergnügen, die des Herrn S. Wolfsdorf zu besuchen. Herr S. Wolfsdorf ist zwar erst noch ein angehender, junger Lehrer, aber seinem Berufe so gewachsen, daß wir ihn dem Herrn Rothschild in Gesecke an die Seite setzen dürfen, und dessen Schule in eben dem Zustande, wie jene, fanden, mit der Ausnahme jedoch, daß in dieser die lateinische und englische Sprache noch nicht unterrichtet wird. Im Rechnen aber dürfte wol schwerlich eine Elementarschule fähigere Schüler besitzen; denn die Kinder von 12 Jahren lösen leicht und schnell