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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-10-06 · Heft 41 (6.10.1851) · p. Seite 489

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 41 (6.10.1851)
Date
1851-10-06
Page
Seite 489 (sequence 9)
Language
German
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doch auch nicht zu leugnen, wir wären bei Weitem klüger, so wir nicht so viel wollten klügeln. Den» es giebt Wahrheiten, über die man nicht erst lange Erörterungen anstellen sollte. Au diesen Wahrheiten gehört der Glaube an einen Gott, und ich behaupte, es giebt Niemanden (?), der sich ganz davon lossagte." Und doch scheint uns der gltich darauf gegebene Begriff Gotte« wieder sehr an's Pantheistische streifend und nicht im Judenthum begründet. Wir hören da: „Es kommt nur darauf an, welche Vorstellung man von Gott hat. Freilich, wenn ihr euch darunter eine Person (lehrt aber nicht das Judenthum den persönlichen Gott und ist dieser nicht ohne Persönlichkeit die pantheistische Natur?), eine nach menschlichen Begriffen gebildeteWesenheit (welcher Art Begriffe will sich denn aber Herr F. bedienen?) denket, losgelöset vom Menschen und von der Natur, für sich dastehend außer der Welt, so werdet ihr euch in tausend Widersprüche verwickeln, und die Einwürfe eines denkenden GegnerS nimmer widerlegen können, so werdet ihr nimmer für euer» Gott die hohen Eigenschaften in Anspruch nehmen können, die ihr von ihm geltend machen wollt. Das ist aber auch nicht die echte, sondern die verfälschte Lehre de- Judenthums, die Lehre des Judenthums lautet: Gott ist ein Geist und 11122 y-i«n Vd *6n „sein Walten über den ganzen Erdboden re." (Jes. 6, 3.). So sehr wir den guten Willen des Herrn F. achten, so wenig sind wir einverstanden mit diesen transzendentalen Expositionen des Gottesglaubens und der Gottesvorstellung auf der Kanzel. Wie der Vers aus dem Jes.: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen, voll ist die ganze Erde seiner Herrlichkeit!" dem Judenthum den persönlichen Gott, losgelöset vom Menschen und von der Natur, für sich dastehend außer der Welt nehmen, sondern nur den in der ganzen Natur verbreiteten, mit ihr zusammenhängenden oktroyiren soll, sehen wir nicht ein, wenn nicht eben auf den Stamm der heil. Schrift auch das neue Pfropfreis neuhegelischer Philosophie und freigemeindlicher Lehre gepfropft werden soll. Am Deutlichsten zeigt sich die Frucht und das Wesen dieser Theologie in der Unsterblichkeilslehre des Verfassers (s. die letzte Predigt: Rach dem Tode, S. 225); hier sehen wir leider! deutlich, wozu die verstandesgerecht sein wollende Lehre führt, die den Glauben an Gott mit ihren dunkele« pantheistischen Vorstellungen — erleuchten will. Da heißt es ausdrücklich: „Aber, wenn das Saatkorn in den dunkeln Schooß der Erde gesenkt wird und dort vergeht und zum Keime, zum Halme sich entwickelt, hat es dann etwa aufgehört, weil es in «ine andere Gestaltung überging? wirkt es nicht noch fort? Also der Mensch; wenn er hienieden den Zweck seines Daseins erfüllt hat, kann, wird er noch fortleben; auf den dankbaren Lippen einer späten Nachwelt schwebt sein Name, wie der eines Wohlthäters: das ist sein« Unsterblichkeit, sein Ewigleben (!!!)." Es ist nun ganz natürlich, daß wir solche Unsterblichkeit erreichen „durch Fleiß, wenn wir heilsamen Einfluß auf die Mitwelt ausüben, durch das Beispiel, was wir zurücklassen." In .der That, das ist -es Berf. ganze Unsterblichkeit, wodurch er vermeiden will „mit Hilfe einer frommen Gläubigkeit und einer dienstfertigen Einbildung die Menschen der Erde und der Wirklichkeit zu entziehen, sie zu Schwärmern und Sonderlingen zu mamen" (S. 275). Es ist dies die Konsequenz a>er beweisenden, rationellen Theologie. Wir wollen aber auch unferm jungen Berf. Gerechtigkeit widerfahren lassen. Er entzieht wirklich seine Gemeinde der Erde und der Wirklichkeit nicht. Die Predigten geben viele gute praktische Lehren, führen dir spezielle Moral sehr gut und erschöpfend durch, namentlich sind die ersten drei „die Mutter", „der Knabe", „die Weihe" sehr zweckentsprechend und anregend zum ernsten Nachdenken und Nacheifcrn für israelitische Mütter. Die Predigten sind überhaupt, der Form nach, gut durchgeacbeitet, nur manchmal als Vorträge wol zu weitschweifig, die Texte sind gut benutzt und durchgeführt, die Disposition klar und leicht, die Sprache ist rein, nur hier und da stießen wir aufHarten und undeutsche Wendung. vr. Phöbus Philippson. Korrespondenz. Ans der Reisetasche eines fahrenden Schülers aus Schwaben. Im September 1851. Ein bekannter süddeutscher Tourist hat jüngst in der Augsburgerin einen Reisebericht gegeben und darin ausführlich von seinem Sodbrennen erzählt, das ihn in Frankfurt am Main überfallen hat. Erschrecke» Sie nicht, ich werde Ihnen nicht vom Sodbrennen berichten, sondern nur di« Eindrücke mirlheilen, die das jüdisch» sozielle Leben in Schwaben auf mich gemacht hat. Daß 41*

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