Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 41 (6.10.1851)
- Date
- 1851-10-06
- Page
- Seite 484 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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484 tes. Was Andere suchen, das haben wir; was Andere durch sich selbst zu erlangen suchen, das haben wir durch unfern ganzen Bestand: die Erkenntniß des Gottgeistes. Alles könnet Ihr im Judenthume bezweifeln, nur nicht den Glauben an Gott, Alles könnet Ihr in Frage stellen, nur nicht den Glauben an Gott! Alles könnet Ihr Euch zurechtlegen, aber niemals die Hand anlegen an den Glauben an Gott. Denn aus dieser, mit Euch selbsten verwachsenen Ueberzeugung von Gott fließet ja alles Herrliche und Wahre von selbst hervor, folgt alles Edle von selbst! Also das ist es. Wie der erste Buchstabe der Schrift diesen Gott voraussetzt, da sie anhebt „Gott schuf die Welt", so darf bei uns nicht gefragt werden: ist ein Gott? nicht gelehrt werden: es ist ein Gott! nicht gerufen werden: "n n8 m erkennet den Ewigen! sondern jede Faser unsers Geistes weiß es, jeder Fühlfaden unsers Herzens fühlt es, unser Dasein sagt es. Fürwahr, so sollt' es sein — und wenn es nicht also ist, so muß es also werden — dann treten wir in den neuen Bund, darinnen Alle Ihn erkennen von Klein bis Groß! c) Und wie anders könnt' es dann sein, als daß dieses Reich des neuen Bundes drittens ein Reich der Versöhnung ist, wo unserer Sünden und Fehle nicht gedacht wird. So lange der Fuß eines Staubgebornen diesen Erdball betreten wird, so lange wird Irrung und Vergehung aus ihm wohnen, so lange wird Sünde undjUnrecht nicht von ihm verschwinden. Aber wenn unser Geist wurzelt auf der Erkenntniß Gottes, und wenn seine Lehre eingeschrieben ist in unser Herz, nicht todter Buchstabe, nicht blos gewußtes Wort, sondern tief empfunden und ausgenommen — dann sind unsere Fehle nur Fehltritte, unsere Vergehungen nur Verirrungen, die wir erkennen und bedauern, und denen Seine Versöhnung nimmer gebricht. Wenn aber Trotz wohnt im Menschengeiste, Verstocktheit im Menschenherzen, wenn er spricht: Wohl geht es mir pb8 ^b miim 28, wenn ich in der Verstocktheit meines Herzens wandle, so daß die Trunkenheit den Durst verstärkt (5 M. 29, 18.) N8p.^N n8 mbp *]?pb wie soll Ec da versöhnen, der Sünde nicht gedenken können! Wohl, m. Fr., der Gott der Versöhnung kommet uns entgegen, auf, lastet auch uns ihm entgegengehen; er strecket die Hand nach uns, lasset uns sie erfassen; er ruft uns zu sich, lasset uns diesem Rufe folgen! O und wenn das Reich der Versöhnung noch lange nicht das Reich dieser Welt, dieser ganzen Menschenwelt ist, für jeden Einzelnen sind seine Thore geöffnet, lasset uns eintreten! Lasset unfern Geist ganz Gottes sein, lasset unser Herz ihn um und um erfassen, fühlet Euch wohl, leicht, gehoben, beseligt darin — und der Bund des Propheten ist nicht fern von uns, er wird Eines mit dem Bunde unserer Vorzeit, ec wird Eines mit dem Bunde der ganzen Menschheit, der da kommt, der da kommt — Amen! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Bon Württemberg, Ende September. (Privatmillh.) Der stuttgarter Slaatsanzeiger bringt die erfreuliche Mittheilung, daß in Pflaumloch die bürgerlichen Kollegien gleichmäßig aus den drei Konfessionen: Israeliten, Protestanten und Katholiken gewählt worden sind. Herr Markus Ellinger ist schon zum drittenmal als erster Gemeinderath gewählt. Durch die Aufhebung der Grundrechte von Seiten der Bundesversammlung ist für die Israeliten Württembergs Nichts zu befürchten. Unsere Regierung wird die Gleichberechtigung aller Konfessionen nicht beeinträchtigen. Man vernimmt, daß die Kammern in den nächsten Wochen berufen werden sollen; jedenfalls wird cs dann Veranlassung geben, über den Rechtszustand der Israeliten zu intcrpelliren. Jebenhausen, eine der größten Gemeinden des Landes, ist durch die Auswanderungslust nach Amerika von 125 Familien auf 60 herabgeschmolzcn. Sogar der sehr tüchtige dortige Lehrer B. Levi will im nächsten Jahre transatlantisch werden. An der Hochschule in Tübingen ist Privatdozent Di'. Pfeiffer zum außerordentlichen Professorder Rechtswissenschaft vorgerückt. Der geistvolle, junge Mann erfreut sich stets eines hübschen Auditoriums. Von dem israelitischen Lehrer Hilberth in Niederstetten sind bei Niclschke in Hall recht artige Kindercrzählungen erschienen. In Rottweil ist die einzige dortige Buchhandlung in die Hände eines Israeliten, Adolph Deggingcr, übergangen. Schon länger besteht die Buchhändlerfirma des I. Heß in Ellwangen, deren Chef Isaak Heß als tüchtiger Antiquar um die königl. Bibliothek in Stuttgart sich sehr verdient gemacht hat. Er hat