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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-10-06 · Heft 41 (6.10.1851) · p. Seite 482

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 41 (6.10.1851)
Date
1851-10-06
Page
Seite 482 (sequence 2)
Language
German
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482 worin wird und kann dieser neue Bund, den der Prophet verkündet, wol nicht bestehen? Werfen wir einen Blick zuerst auf die Grundlehren unserer Religion, und fragen wir: können diese wol je aufgehoben, verändert werden? Unsere Religion lehrt: es ist nur Ein Gott, keiner mehr! Und fürwahr, je mehr Welten der forschende Mensch entdeckt, je weiter sein Auge in alle Erscheinungen der Natur dringt: desto lauter tönt ihm der Nus zurück—-es ist nur Ein Gott, keiner mehr! denn droben über alle Millionen Meilen hinaus rollen die ungeheueren Welten nach demselben Gesetze, nach dem hier drunten die leichte Feder im Winde sich bewegt. Alles Leben, alles Sein ist in und nach Einem Gesetze, eine unendliche Einheit. Unsere Religion lehrt: dieser Gott ist Geist, unkörperlich. Und fürwahr, schon ist der Mensch dahingelangt, vorauszuberechnen und bis auf die Sekunde vorauszuwissen, was in dem Weltenall geschieht; also er hat mit seiner Vernunft die Gesetze der Natur erkannt, diese Gesetze find also Vernunftgesetze, und muffen so ausgegangen sein von einer höchsten Vernunft, Gott! Unsere Religion lehrt: Gott ist überweltlich, die Welt sein Werk, Er nicht etwa die Welt selbst. Und fürwahr, immerfort erfahren wir, daß Alles was geschieht, nur Wirkung einer Ursache ist, und diese Ursache ist wieder nur Wirkung einer voraufgegangenen Ursache, Nichts ist Ursache seiner selbst, Nichts geht aus sich selbst hervor, und so müssen alle Erscheinungen ihre erste Ursache außer sich in einer höchsten, einzigen Ursache haben, Gott! — Unsere Religion lehrt: des Menschen Geist ist Gottes Geiste ähnlich. Und fürwahr, erkennen wir nicht immer mehr, daß nur wahr ist für den Menschen, was bei Gott wahr ist, daß nur recht und gut ist für den Menschen, was bei Gott recht und gut? daß der'Mensch in ewigem Streben immer mehr Gott nach zu denken sucht, was Gottes Gedanke in der Schöpfung und der Geschichtet und füllt nicht eine ewige Sehnsucht unser Herz nach dem Göttlichen, nach der Wahrheit, nach der Liede, nach Befriedigung?-Wohl, so können diese Lehren niemals wandelbar, veränderlich siin, und zeiget uns die Geschichte, daß jedes Jahrhundert neue Schaaren der Menschenfamilie der Anerkennung dieser Lehren zuführt, daß sie trotz Widerstand und Kampf sich immer mehr Geltung verschaffen, und die Menschheit nach kurzen Verirrungen immer wieder zu ihnen zurückkehrt. Also in der Aufhebung dieser Lehren kann der neue Bund nicht bestehen. Aber neben diesen Lehren haben wir auch Grundgesetze unserer Religion. Sollte der neue Bund diese aufheben wollen? Aber das höchste Gesetz: Heilige dich, denn Gott ist heilig, kann doch nicht etwa in's Gegentheil gewendet werden; und das Hauptgebot: „Liebe deinen Nächsten" kann doch nicht in Haß verkehrt werden; und jene Zehnworte müssen doch ewig ihre Geltung behalten. Denn wollte Jemand behaupten, daß je die Zeit kommen^ werde, wo die Ehrfurcht vor den Eltern geschwunden sein müßte, oder wo die Ehe, die da Gatte und Gattin zu beständigen Lebens-, Freuden- und Leidensgefährten macht, die da aus der Sinnlichkeit einen Seelenbund macht, die da die Eltern befähigt, ihreIinder nicht blos zu ernähren, sondern auch zu erziehen, aufhören werde, Zeiten, in denen das Eigenthum, diese Grundlage und Entfaltung der menschlichen Freiheit und Persönlichkeit, der Ruhetag, diese Schutzwehr des Menschen vor dem Versinken in das alleinige Erwerbs- und Arbeitsleben, vor dem Untergange alles Gemüths- und Geisteslebens, die Wahrhaftigkeit, die Lauterkeit als die Grundelemente der menschlichen Gesellschaft ausgehoben würden? Was auch Wahn und Leidenschaft, was auch Eigennutz und Jrrthum vorspiegetn, ja, besser muß es werden in der Menschheit, gleichmäßiger als bisher muß einst Alles vertheilr sein in der Menschheit, Bildung, Tugend, Besitz uno Genuß — aber nimmer und nimmer durch Aufhebung dieser Grundgesetze kann dies erzielt werden, sondern gerade durch immer strengeres Halten derselben, durch immer allseitigeres Befolgen derselben. Also weder in der Aufhebung der Lehren, noch in der Aushebung der Grundgesetze unserer Religion kann der neue Bund bestehen, den der Prophet verkündet. H. Wenn aber dieser neue Bund nur die uralten, unwandelbaren, Lehren und Gesetze unserer Religion mit in sich hinübernehmen kann, worin wird er bestehen? Wir brauchen nur genau auf die Worte des Propheten zu achten: „nicht wie der Bund, den ich mit eueren Vätern schloß, wn ri8 NNN ‘WN, „welchen meinen Bund diese brachen" — nein! es soll kein Bund sein, den die Glieder desselben leichtsinnig und frevelhaft brechen, den sie heute über sich nehmen, morgen von sich werfen, sondern es soll ein lebendiger, Alle durchdringender, Alle und auf immer fesselnder Bund sein. Also nicht darin soll der Bund neu sein, daß er neue Lehren und Gebote aufstelle, einen neuen, unerhörten Inhalt habe, sondern darin, daß er dauernd die Men-

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